Lesung in Bad Honnef

Schauspielerin Adriana Altaras fasziniert mit ihrem Erstlingswerk

Lebhaft und lebendig: Adriana Altaras (rechts) liest.

BAD HONNEF. Vor mehr als 40 Jahren besuchten sie dasselbe Internat. So hatte Paul Friedrich, Präsident des Lions Club Bad Honnef, den Kontakt zu Schauspielerin und Regisseurin Adriana Altaras schnell geknüpft und die Trägerin des Deutschen Filmpreises 1988 eingeladen, aus ihrem autobiografischen Roman "Titos Brille - die Geschichte meiner strapaziösen Familie" zu lesen.

Die Story fesselte die Zuhörer in der Buchhandlung Werber. In ihrem Erstlingswerk schildert die Schauspielerin Schicksale mitreißend und frisch, voller Wärme und Witz. Da ist ihr Alltag in Berlin mit einem westfälischen Ehemann und zwei Söhnen, und da sind die Lebenswege ihrer Eltern, der Schwester, der Tante, die Adriana Altaras geschickt verknüpft.

Spannung pur vom Widerstand gegen die Nazis in Kroatien über den Kommunismus unter Tito und die Flucht nach Italien bis hin zur Ankunft der Familie in Gießen Ende der 60er Jahre, wo Mutter und Vater aber doch mit Wehmut an ihre Geburtsstädte Split und Zagreb dachten. Ihr Tod und ein Wust von Dokumenten waren Anlass, das Buch zu schreiben.

Titos Brille? Der Titel macht neugierig. 1960 wurde Adriana Altaras in Zagreb geboren, in Titos Jugoslawien hinein. Im Kindergarten hing sein Porträt. "Vor dem Frühstück begrüßten wir Kinder ihn mit 'Guten Tag Genosse Tito?. Er antwortete nie, wir fanden ihn unhöflich." Mit drei Jahren bekam sie die Rolle des kleinen jüdischen Mädchens Erna.

"Ich hatte mir vorgenommen, später Schauspielerin zu werden." Den Film sah Altaras vor kurzem zum ersten Mal: Bei der Premiere war sie bereits im Exil. Ihr Vater, ein Kommunist, ein Partisan im Zweiten Weltkrieg, der Held, der 40 jüdische Kinder rettete, wurde schließlich selbst verfolgt von der Kommunistischen Partei.

Der Radiologe flüchtete in die Schweiz, kam 1967 an die Universitätsklinik Gießen, wurde Professor. Seine Frau Thea, in Zagreb geboren, ging nach der Lagerhaft in den Widerstand gegen den Nationalsozialismus und studierte nach dem Krieg in Zagreb Architektur. Ihre Schwester, verheiratet mit einem Italiener, schmuggelte Adriana Altaras nach Italien.

Thea Altaras verließ Jugoslawien 1965. In Gießen gründete sie mit ihrem Mann eine jüdische Gemeinde. Und Titos Brille? Hat ihr Vater sie wirklich repariert vor einem Kampf der Partisanen? Trug Tito überhaupt eine? "Ein paar Geheimnisse hat jede Familie."