Tagungsstätte

Sanierung des Physikzentrums in Bad Honnef abgeschlossen

BAD HONNEF. Die Fenster sind weit gereist. Jeder der 166 Rahmen wurde herausgenommen, auf Lastwagen verladen - und in Franken in einer Spezialfirma von Hand restauriert. Es ist nur eine der Besonderheiten, die nach der Sanierung des Physikzentrums einen genaueren Blick verdienen.

Stuckrosetten, die nach gut 100 Jahren unter zig Schichten Deckenfarbe versteckt waren. Originaltürblätter, die restauriert und auf neue Brandschutztüren aufgesetzt wurden. Komplett neue Haustechnik und 42 renovierte Zimmer mit Bad für 64 Übernachtungsgäste. Historie und Moderne in Harmonie. Nach gut zweieinhalb Jahren Bauzeit wird das alte, neue Physikzentrum am Freitag eingeweiht.

Der Rundgang mit Bernhard Nunner, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), und Kuratoriumsvorsitzendem Kurt Seelmann verdeutlicht: Es war eine Baustelle der besonderen Art. Das gilt nicht nur wegen der Baukosten, die zugleich ein Bekenntnis der DPG zum Standort sind: 4,2 Millionen wurden an der Hauptstraße investiert. 2,7 Millionen brachte die DPG aus Eigenmitteln auf, eine Million steuerte das Land NRW bei.

Darüber hinaus gab es weitere Zuschüsse, darunter 450.000 Euro der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung, sowie private Spenden. Ursprünglich geplant waren "nur" gut 2,4 Millionen Euro Investition. Was nicht etwa mit Verteuerungen am Bau zu tun hat, betont Seelmann: "Alles liegt voll im Plan."

Aber: Während der Bau schon begonnen hatte, entschied man sich, die Sanierung um die dritte Etage auszuweiten. Eigentlich hatte die erst zu einem späteren Zeitpunkt renoviert werden sollen, sagt Nunner. Im März 2011 aber fiel das Votum der DPG gegen eine Teilsanierung, die das Haus vom Standard her "zweigeteilt hätte". Neu auch: ein Aufzug. Mit dem ist Barrierefreiheit hergestellt. Und auch die Mitarbeiter profitieren.

"Früher musste die Bettwäsche und alles andere zu Fuß hochgeschleppt werden", nennt Nunner ein Beispiel. Eine Herausforderung war, Denkmalschutz, Brandschutz und energetische Sanierung unter einen Hut zu bringen. Anstatt eine Fluchtreppe an die prägende Fassade anzubauen, wurde ein komplett neues Treppenhaus eingezogen. Dort, wo früher Abstellräume waren, führt der Sicherheitsweg jetzt vom dritten Stock vorbei am Notausgang zum Garten bis in den Keller.

Eine andere Herausforderung: die Sanierung im laufenden Betrieb. "Die Gäste waren sehr geduldig, und auch die Belegschaft hat nie den Mut verloren", sagt Nunner. Zudem dankt er Stadt, Kreis und Denkmalpflegern für die gute Zusammenarbeit. Apropros Keller: Der hat nicht nur eine Frischzellenkur bekommen, sondern einen neuen Namen. Der angestaubte Titel "Bürgerstube" ist Vergangenheit, "Georg Christoph Lichtenberg-Keller" steht da zu lesen.

Unweit zeugt die Kopie eines Kassenbuch-Auszugs einer Weinhandlung aus Göttingen davon, dass der erste deutsche Professor für Experimentalphysik (1742 bis 1799) gerne einen guten Roten bestellte. Das Geld für die Sanierung des Kellers kam von der Heraeus-Stiftung. die als bedeutendste private Fördereinrichtung auf dem Gebiet der Physik in Deutschland gilt.

Das Beispiel Keller zeigt auch: "Das Besondere an diesem Haus ist, die Menschen bleiben zusammen auch nach Seminaren und Vorlesungen, streben nicht auseinander." Wissenschaftlicher Dialog, der nicht an der Hörsaal-Tür endet: Auch dafür steht das Physikzentrum.

Das Physikzentrum
Das Physikzentrum ist neben dem Berliner Magnus-Haus eine der beiden Tagungsstätten der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG). Das denkmalgeschützte Gebäude gehört der zur Universität Bonn zählenden Elly Hölterhoff-Böcking-Stiftung. Unterstützer und Förderer sind die Uni Bonn und das Land Nordrhein-Westfalen, Trägerin ist die DPG.

Das Gebäude ist seit 1977 Sitz der DPG-Geschäftsstelle und beherbergt die Geschäftsstelle der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte. Seit 1976 treffen sich dort Wissenschaftler aus aller Welt vom Nachwuchs bis zum Nobelpreisträger. Rund 90 Tagungen und Seminare ziehen jährlich mehr als 5.000 Teilnehmer an.