Umbau der KLJB-Bundesstelle

Sanierung des Fachwerkbaus in Rhöndorf birgt viele Tücken

Rhöndorf. Die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) baut seit zwei Jahren ihre Bundesstelle um, doch Probleme mit der Statik des alten Gebäudes, an das jahrzehntelang immer wieder angebaut wurde, sorgen für Verzögerungen. Unterdessen geht die Arbeit in den KLJB-Büros weiter.

Eigentlich unscheinbar, dieses Loch in der Wand. Doch der rechteckige Ausschnitt hat es in sich. „Baufeldöffnung“, so lautet der offizielle Begriff. „Die Kollegen leben mit diesen Löchern seit August 2015“, sagt Stephan Barthelme, Bundesvorsitzender der Katholischen Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB). Und manchmal, ergänzt er, sei hinter einer Baufeldöffnung alles picobello – und einen halben Meter weiter rechts oder links lauern ungeahnte Probleme. Die Sanierung der KLJB-Bundesstelle am Ziepchensplatz entpuppt sich immer wieder als Überraschungspaket. Mit allen Konsequenzen.

Kurz nach elf Uhr vormittags. Zahlreiche Handwerker geben sich ein Stelldichein. Trotz der Baustelle, die wegen der Sanierung im laufenden Betrieb in drei Abschnitte aufgeteilt wurde, geht das Tagesgeschäft der KLJB weiter. „Den Lärm nehmen wir gerne in Kauf. Er signalisiert zumindest: Es geht weiter“, sagt Barthelmes Kollegin, die KLJB-Bundesvorsitzende Stefanie Rothermel.

Mitarbeiter sitzen auf gepackten Kisten

Das war beileibe nicht immer so, seit es vor zwei Jahren losging: Schon so manche Zwangspause musste eingelegt, zuvor nicht absehbare bautechnische Probleme gelöst, neue Anträge gestellt oder gar eine ganz neue Prüfstatik gefertigt werden. Weil hinter einer Verkleidung im Dachstuhl eine Konstruktion zutage trat, die jede Statik Lügen strafte. Zugleich sitzen die Mitarbeiter auf gepackten Kisten und ziehen dauernd um. Die Materialien sind jetzt, da die Gaststätte nebenan leer steht, zum Teil dort, zum Teil ebenfalls in den Büros der 27 Mitarbeiter gelagert.

Auch aktuell wartet man wieder auf eine Prüfstatik-Freigabe, soll doch das Dach fertig werden und das Gerüst verschwinden. Erklärtes Ziel ist, dass das in vier bis sechs Wochen der Fall sein wird. Im Inneren steht Bauabschnitt eins kurz vor dem Abschluss. Bei den Abschnitten zwei und drei im südlichen Trakt komme man zügiger voran, weil das Dach dort keine Probleme mache, so Architekt Jens Unglaube. Pro Abschnitt schätzt er die Bauzeit auf vier bis fünf Monate. Ein anderes Beispiel: Die Nordfassade in Hochständerbauweise – ein Anbau aus den 90er Jahren – sollte „nur“ saniert werden. Dann stellte sich heraus: Die Konstruktion war so marode, „da konnte man durchgreifen“, so Architektin Christine Lutz, die mit Unglaube Planung und Bauaufsicht in Händen hat. Lutz: „Oft sind an der Klärung von Problemen gleich mehrere Fachingenieure beteiligt. Das kostet alles Zeit.“ Extremfall: Weil die Statik nicht sicher war, mussten Räume gesperrt werden.

Baupläne aus früherer Zeit gibt es nicht

Der Bau besteht im Kern aus Fachwerk – für sich genommen schon eine Herausforderung bei jeder Sanierung. Hinzu kommt, so Lutz und Unglaube beim Baustellenrundgang mit Barthelme, Rothermel, KLJB-Geschäftsführer Artur Jez sowie Pressereferentin Eva-Maria Kuntz: Mit den Jahrzehnten wurde immer wieder angebaut, ohne dass ein Schritt auf den vorherigen abgestimmt worden sei. Provisorien entstanden. Und Pläne? Die gibt es nicht.

Wann genau der Ursprungsbau an der Löwenburgstraße entstand, sei ungeklärt, sagt Lutz. Der erste Akteneintrag stammt von 1893; damals wurde die Erweiterung des Wohnhauses beantragt. 1913 folgten Anbauten für die Nutzung als Hotel und Gaststätte, 1928 ein Veranstaltungssaal. 1935 wurde das Dach aufgestockt, um mehr Platz zu schaffen. Ein Intermezzo mit Notwohnungen nach 1944 war in den 50er Jahren wieder beendet. 1983 bezog die KLJB das Gebäude, 1990 wurde erneut erweitert.

Skurril: Telefonanschluss im Herren-WC

Stück- und Flickwerk sollen nun ein Ende haben, das Haus, das nicht unter Denkmalschutz steht, „vernünftig für die Zukunft gestaltet werden. Auch wenn es leider länger dauert“, so Rothermel. Vorausgegangen war laut Jez die „ganz bewusste Entscheidung für den Standort Rhöndorf, gegen Berlin“. Ab 2009 wurden Rücklagen für den Umbau gebildet. Das Budget wurde laut Barthelme von 700.000 auf 800.000 Euro erhöht; das Gros stemmt die KLJB aus Eigenmitteln. Fördergelder gibt es vom Erzbistum, von der Bischofskonferenz und durch ein zinsloses Darlehen der Stiftung Deutsche Jugendmarke.

Trotz aller Probleme steht die KLJB zu dem Projekt: „Es war uns wichtig, das prägende Gebäude zu erhalten. Wir haben uns auch bewusst für den Erhalt der Fachwerkfassade entschieden“, so Jez. Zugleich hoffe man, dass keine weiteren Überraschungen lauern. Ausgeschlossen sind die nicht, wie ein skurriler „Fund“ bei der Modernisierung der Haustechnik zeigte. Jez: „Der Haupttelefonanschluss liegt im Herren-WC der Gaststätte.“