Konzert in der Zehntscheune der Abtei Heisterbach

Sängerwettstreit mit Augenzwinkern

Voll besetzt war die Zehntscheune der Abtei Heisterbach beim Familienkonzert von Kammerchor und Workshop-Chor.

Voll besetzt war die Zehntscheune der Abtei Heisterbach beim Familienkonzert von Kammerchor und Workshop-Chor.

HEISTERBACH. Der Kammerchor Oberpleis und der Bonner Workshop-Chor präsentieren in der Zehntscheune „Lieder des Herzens“.

„Lieder des Herzens“ erklangen am Samstagabend in der Zehntscheune der Abtei Heisterbach – alte Volkslieder, die von Glück und Freude, aber auch von Schmerz und Trauer erzählen. Fröhliche und nachdenkliche Lieder, in denen Menschen einst ihre Wünsche, Hoffnungen und Sehnsüchte zum Ausdruck brachten.

Anspruchsvoll arrangiert und von einem großen Chor mehrstimmig gesungen, wird dieses Liedgut zu einem ganz besonderen Musikgenuss: Dem Kammerchor Oberpleis unter Leitung von Pavel Brochin jedenfalls ist es gemeinsam mit dem Bonner Workshop-Chor und einem Solisten-Quartett gelungen, mit „Horch, was kommt von draußen rein“, der „Loreley“ und anderen „Liedern des Herzens“ auch die Herzen der Zuhörer zu öffnen und das Publikum restlos zu begeistern.

Zumal die Texte von damals durchaus auch in die heutige Zeit übertragbar sind, wie der Chor augenzwinkernd unter Beweis stellte: So endete der vergnügliche Sängerwettstreit von Kuckuck und Esel, den Hoffmann von Fallersleben 1835 getextet hat, nicht zur schönsten Maienzeit, sondern zur besten Sendezeit – eine Anspielung auf die heutige DSDS (Deutschland sucht den Superstar)-Kultur.

Erstmals stand der 50-köpfige Kammerchor bei dem Familienkonzert mit dem noch sehr jungen Bonner Workshop-Chor unter Leitung von Irina Brochin auf der Bühne, der erst im Februar als private Initiative ins Leben gerufen worden war. Für die rund 30 Mitglieder war das Konzert in der Zehntscheune das erste Projekt – und ein vielversprechender Auftakt.

Dafür, dass Stimmen der Oberpleiser und der Bonner Sänger bei der gemeinsam gesungenen Konzert-Rhapsodie „Lieder des Herzens“ von Eduard Fertelmeister perfekt harmonierten, hatte ein gemeinsames Probenwochenende gesorgt. Besondere Herausforderung für alle Sänger waren hierbei die hebräischen Texte, mit denen der Komponist die Geschichte des Volkes Israel in Liedern erzählt – ein Stück voller Wehmut und Heiterkeit, das ganz besonders zu Herzen ging.

Für die Konzertbesucher gab es im Programmheft eigens eine Übersetzung, die Chormitglied Annegret Klein angefertigt hatte. Tüpfelchen auf dem i des musikalischen Abends waren die drei Volkslieder aus Russland und der Ukraine, die das Solistenquartett aus Irina Brochin (Sopran), Ekaterina Klewitz (Alt), Wladimir Tarasow (Tenor) und Andrey Telegin (Bass) virtuos zu Gehör brachten. Instrumental begleitet wurden Chor und Solisten von Julia Vaisberg am Klavier, Alexander Morogovski (Klarinette), Igor Epstein (Violine) und Mark Gertsel (Kontrabass). Eine Wiederholung des Konzerts fand gestern Abend in der Sankt Paulus-Kirche in Beuel statt.