Musikfestival auf der Insel Grafenwerth

R(h)einspaziert so erfolgreich wie nie zuvor

Euphorisch, ausgelassen und mit einer Prise Klamauk – „Cat Ballou“ überzeugte mit anderthalb schweißtreibenden Stunden auf ganzer Linie.

Euphorisch, ausgelassen und mit einer Prise Klamauk – „Cat Ballou“ überzeugte mit anderthalb schweißtreibenden Stunden auf ganzer Linie.

BAD HONNEF. 5000 Besucher und doppelter Umsatz: Das neue Konzept für R(h)einspaziert mit Kölschrock vom Feinsten ist am Samstagabend voll aufgegangen.

Cat Ballou rief und ganz Honnef folgte. Ein Meer aus Kölschrock-Fans, so weit das Auge blickte, und alle „fiere dat Levve“. Kuschelnde Pärchen – denn „zosamme sin mir nit allein“ – trotzten dem Konfetti-Sturm, der in der kühlen Abendbrise die jubelnde Menge einschneite. Dazwischen überall sanft glimmende Handydisplays, die unter wolkenverhangenem Himmel Ersatz-Licht spendeten – ja, so „stonn die Stään joot“.

Und als dann der donnernde Insel-Chor nicht müde wurde, „immer immer widder“ die Refrains mitzuschmettern, da bekehrte es auch den letzten Kölschrock-Skeptiker: Egal ob Karneval oder Hochsommer, wenn das Kölner Viergespann spielt, dann „steiht de Welt still“. Euphorisch, ausgelassen und mit einer Prise Klamauk – „Cat Ballou“, daran gab es nach anderthalb schweißtreibenden Stunden keinen Zweifel, gehören unangefochten zur Crème de la crème des „R(h)einspaziert“-Olymps.

Verjüngtes Organisations-Team und Besucherrekord

Die diesjährige Jubiläumsausgabe markierte den Beginn einer neuen Inselfest-Ära: Nicht nur war es die letzte Ausgabe in der Verantwortung des scheidenden Stadtjugendring-Vorsitzenden Andreas Roschlau. Auch inhaltlich geht „R(h)einspaziert“ langfristig auf Kursänderung; der Cover-Marathon unter freiem Himmel, der in den vergangenen Jahren das Inselgeschehen bestimmt hatte, ist fürs Erste passé. Der Mut zur Veränderung, mit dem das neue und deutlich verjüngte Orga-Team des Stadtjugendrings vorgeprescht war, hätte kaum besser entlohnt werden können: Schätzungsweise zwischen 4500 und 5000 Besucher tummelten sich auf den Inselwiesen – Rekord.

Bereits am Nachmittag war die Insel so gut besucht wie nie zuvor. Die Verpflegungsstände stießen an ihre Grenzen, an der Bonkasse herrschte Ausnahmezustand. „Dass das neue Konzept dermaßen gut ankommen würde, haben wir im Vorfeld nicht zu hoffen gewagt“, meinte Marius Nisslmüller, der erstmals die Gesamtleitung des Festivals übernahm. Die diesjährige Ausgabe, stand nach dem Kassensturz am Sonntag fest, war das erfolgreichste und umsatzstärkste „R(h)einspaziert“ aller Zeiten.

Kassierer Marcelo Peerenboom: „Der Umsatz war exakt doppelt so hoch wie im vergangenen Jahr und so hoch wie noch niemals zuvor in der Geschichte der Veranstaltung.“ „Das übertrifft unsere kühnsten Erwartungen“, zeigte sich Nisslmüller überwältigt. Gemeinsam mit Moritz Zummack, Daniel Waterkamp, Jonathan Diederich, Marcelo Peerenboom und über 100 Ehrenamtlichen aus etlichen Honnefer Vereinen packte er rund um die Uhr an. Ein verregneter Aufbau am Freitag, dann wieder Abbau bis in die Morgendämmerung hinein – „entspannen können wir erst wieder am Montag“, so der junge Orgateam-Chef.

Viel Originalmusik als Erfolgsrezept

Früchte getragen habe der Nonstop-Aufwand aber allemal: „Wir wollen uns nicht vorschnell auf Einzelheiten festlegen, aber unser Konzept werden wir auch im nächsten Jahr beibehalten“, so Nisslmüller. Soll heißen: kaum Coverbands, viel Originalmusik, und zwar so lokal und familienfreundlich wie möglich. Der Nachwuchs spielte daher tagsüber die erste Geige: Ein überdimensionales aufblasbares Piratenschiff lud zu waghalsigen Freibeuter-Abenteuern ein, und wer sich als waschechter Pirat vor nassen Stiefeln nicht scheute, der wurde bei den Wasserspielen von Feuerwehr und THW – samt simuliertem Wasserfall – fündig. In See stechen konnten angehende Schiffskapitäne indes unter der Flagge des Kanu-Clubs auf dem Toten Rheinarm, während Piratenbräute beim Kinderschminken des Vereins „Bad Honnef tanzt“ einen Hauch von Glamour genossen. Und als dann das Piratenschiff wieder die Segel hisste und die ersten Bands die Bühne enterten, gab es vom Nachwuchs, der das Geschehen von den elterlichen Schultern aus verfolgte, umso lauteren Applaus.

Die Bonner von „Siona“ brachen das Eis mit einer bunt gemischten Genre-Wundertüte aus Funk, Indie-Rock und Jazz, bevor das Unkeler Fünfergespann „Remedy“ – die einzige reine Covergruppe des Programms – mit harten Riffs und der Powerstimme von Frontfrau Sabrina Oster das Beste der 80er und 90er auftischte. Eigens aus Berck-sur-Mer angereist war die Bluesrock-Truppe „The Backfire“. Auftritt: „De Köbesse“, Karnevals-Mundart-Rock de luxe. Sänger Roger Moore, der 007 des Kölner Karnevals, zündete „met nem Leedche“ direkt die erste Stimmungsbombe, als es vom Rasen zurückschallte: „Kommando Jeck!“ Und auf einmal lebte sie eine Stunde lang wieder auf, die „Fünfte Johreszigg“, mitten im Juli, dank neuer Songs wie „Uch morje noch“ und Hits à la „Der Hennes“ und „Stadt am Rhing“. Dann, die Menge scharrte ungeduldig mit den Hufen, kamen „Cat Ballou“.

Das DRK, mit insgesamt 18 Mann vor Ort, sprach von einem „erfreulich ruhigen“ Inselfest ohne besondere Vorkommnisse. Lediglich zwölf Mal musste ein Pflaster geklebt werden, zudem war in drei Fällen ein Transport ins Krankenhaus erforderlich. Und als sich die Bühne gegen Mitternacht wieder leerte, waren sich die erschöpften, in Konfetti gebadeten und euphorischen Besucherscharen einig: Ja, „et jitt kein Wood“, die Stimmung im Publikum zu beschreiben. Diese Kölschrock-Party schreit nach einer Wiederholung.