Bau an Konrad-Adenauer-Straße

Rhöndorfer wehren sich gegen Bauprojekt

Gemeinsam mit Vizebürgermeister Peter Profittlich (2.v.l.) machten sich Anwohner vor Ort ein Bild.

Gemeinsam mit Vizebürgermeister Peter Profittlich (2.v.l.) machten sich Anwohner vor Ort ein Bild.

Rhöndorf. Ein groß dimensioniertes Bauvorhaben an der Konrad-Adenauer-Straße beunruhigt die Nachbarn: Es passe nicht in die Umgebung, meinen sie. Der Stadt sind durch den Bebauungsplan die Hände gebunden.

Der gelbe Markierungsstab im Garten von Markus Hagedorn überragt die Häuserfront deutlich. „Die Spitze liegt bei sechs Metern. Wird nebenan so gebaut wie angedacht, wird das Ganze aber sicher zweieinhalbmal so hoch“, sagt Hagedorn, der seit eineinhalb Jahren mit Frau und Tochter im aufwendig sanierten Eigenheim an der Konrad-Adenauer-Straße wohnt. „Dann geht die Sonne nicht nur hinter dem Klotz unter, sondern es wird der Charakter der ganzen Straße verändert“, sagt nicht nur Hagedorn über die Baupläne in der Nachbarschaft.

Wie er befürchten eine ganze Reihe Rhöndorfer, dass auf dem heute mit großen Bäumen bestandenen Areal nahe der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus ein Gebäude entsteht, das der Umgebung so gar nicht entspricht und das Ortsbild massiv beeinträchtigen würde. Einen Ortstermin mit Vizebürgermeister Peter Profittlich nutzten die Betroffenen, um dies ins Bewusstsein zu rufen – in der Hoffnung auf Unterstützung der Politik und auf eine moderatere Lösung.

Der Vizebürgermeister hat Verständnis

Bei Profittlich laufen die Bürger mit ihren Sorgen offene Türen ein. „Das wird im gesamten Ort diskutiert. Für so eine historische Straße, die Tausende Besucher auf dem Weg zur Stiftung nutzen, wäre das eine Katastrophe“, sagt das CDU-Ratsmitglied. Zugleich aber gelte, so Profittlich. „Wenn es Baurecht gibt, hat die Stadt Vertrauensschutz zu wahren. Wir können hier wohl nur appellieren.“

„Wir haben erst gar nicht glauben können, dass so etwas hier genehmigungsfähig ist. Und eigentlich betrifft das nicht nur uns, sondern jeden in Rhöndorf“, erläutert Nachbar Heinz-Peter Gries, was die Anwohner seit Monaten bewegt. Laut Stadt stand das Grundstück schon mehrfach im Fokus für einen eventuellen Neubau. Basierend auf dem Bebauungsplan 11 sowie dem Bebauungsplan 1/1A (siehe Infokasten) ergingen in der Vergangenheit drei positive Vorbescheide.

Aktuell liege auf dieser Basis ein Bauantrag vor, der einen Baukörper mit einer Firsthöhe von rund 15 Metern über Straßenlinie vorsieht. Im Gegensatz zu früheren Voranfragen sei das Gebäude aber weiter nach vorne gerückt. So gehe es um einen Abstand zur Baulinie von nur knapp einem halben Meter.

Anwohner schalten einen Anwalt ein

Die Nähe zur Straße ist nur ein Umstand, der die Anwohner umtreibt. Entsetzt sind sie über die gesamte Dimension des geplanten Hauses. Denn, so etwa Markus Bischoff sowie Sigrid und Jürgen Schellenberger: Das Gros der Nachbarhäuser, die in Jahrzehnten entstanden und wie das von Bischoff mittlerweile „im Bestand saniert worden sind“, sind deutlich weiter von der Straße abgerückt. Ein Haus mit einem First auf 15 Metern so nah an der Straße würde diese auch „geradezu erschlagen“. Gries: „Das wäre ein Riesenklotz.“

Irritiert sind die Anwohner, wie es zu so etwas kommen kann. Ihre Kritik: Das alte, dem heutigen Ist-Zustand keineswegs mehr angepasste Baurecht hätte den Gegebenheiten angepasst werden müssen. „Für die Bürger ist nicht nachvollziehbar, dass man Vorhaben nicht nach dem aktuellen Stand der Dinge bewertet“, so Gries.

Bischoff: „Die Pläne entsprechen überhaupt nicht dem Ist-Zustand der Straße. Warum ist der Bebauungsplan nicht angepasst worden? Es geht nicht darum, dass gebaut wird, sondern wie.“ Gries: „Vielleicht ist ja ein Kompromiss möglich.“ Allein auf ein Entgegenkommen verlassen wollen sich die Anlieger aber offenkundig nicht: Sie lassen die Dinge rechtlich prüfen. Denn, so Hagedorn: „Unser Haus war im Plan falsch eingezeichnet“, nämlich viel höher als es wirklich ist. Ein Ansatzpunkt, die Pläne anzufechten? Dies werde zumindest geprüft, sagt Bischoff.