Haus Gutenberg

Renate Mahnke errichtet ein Archiv für Bad Honnef

BAD HONNEF. Bad Honnef bekommt ein "Gedächtnis". Endlich, möchte man anfügen, denn ein Stadtarchiv sucht man bislang vergebens. Im Haus Gutenberg an der Hauptstraße, Stammsitz der Familie Werber und Sitz der gleichnamigen Buchhandlung im Erdgeschoss, sind auf zwei oberen Etagen ein Archiv zur Stadtgeschichte und ein kleines Museum geplant.

Nicht städtisch, sondern privat. Urheberin und treibende Kraft ist die Historikerin Renate Mahnke. Sie und andere Ehrenamtler, die morgen Abend einen Trägerverein gründen wollen, haben ein gemeinsames Ziel: Für die Nachwelt bewahren, was dem Vergessen anheim zu fallen droht.

"Gutenberghaus e.V. i.G. - Archiv, Museum, Treff" ist auf der Einladung zur Gründungsversammlung zu lesen, die Renate Mahnke verschickt hat. An Interessenten mangelt es nicht, so die 68-Jährige: "Wo immer ich davon erzähle, stoße ich auf Zustimmung." Und auf Unterstützung. Kaum dass die Idee die Runde machte, fanden sich Bürger, die mittun wollen. Und ohne die, so Mahnke, gehe es auch nicht.

 An Sachverstand und Engagement mangelt es nicht in der Stadt, wohl aber an einem Ort, an dem Archivalien fachgerecht behandelt und aufbewahrt, ausgestellt und Literatur und historische Dokumente zugänglich gemacht werden können. Vieles, ist Mahnke sicher, schlummert noch in Kellern und auf Dachböden. "Ich will all das erhalten, auch für Heimatforscher, damit man nicht jedes Mal bei Null anfangen muss." Ein Findbuch, kleine Wechselausstellungen oder Projekte mit Kindergärten und Schulen stehen ebenfalls auf der Wunschliste.

 Die Idee kam ihr, als klar wurde, dass Marianne und Karl Günter Werber die Buchhandlung in jüngere Hände übergeben würden und das Haus zum Verkauf stand. Zunächst war daran gedacht, "nur" in der oberen, bereits frei stehenden Wohnung ein kleines Archiv einzurichten. Dann wurden durch Auszug auch die anderen Wohnungen unvermutet frei, "ich musste umdenken", so die neue Besitzerin, "das war plötzlich eine ganz neue Perspektive".

 Das Ergebnis: Die obere Wohnung soll vermietet werden. Darunter entstehen Archiv und Platz für Präsentationen und kleinere Veranstaltungen. Die aufwändige Sanierung in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz ist der erste Schritt, dann folgt die inhaltliche Ausgestaltung. Gefragt nach der Motivation für das Projekt, das neben "vielen Gedanken, viel Liebe und viel Arbeit" nicht zuletzt finanzielles Investment darstellt, sagt Ruheständlerin Mahnke: "Ich brauche eine sinnvolle Aufgabe. An der Historie Honnefs war ich ohnehin immer interessiert. Und ich freue mich jeden Tag aufs Neue daran, das jetzt tun zu können."

 Ihre Affinität für Haus Gutenberg ist verständlich: Errichtet 1904 auf den Grundmauern des Lohhofes, Gästehaus des Jesuiterordens, reicht dessen Historie weit zurück. Die Jahreszahl 1740 an der Originaltür zeugt davon. "Das Haus ist voller Schmuckstücke", so Mahnke. Stolz und dankbar ist sie, dass der renommierte Heimatforscher Karl Günter Werber ihr vieles zu treuen Händen gegeben hat, darunter Fotoalben, die Honnefs Glanz zur Kaiserzeit aufleben lassen. Die erste Ausstellung soll denn auch der Geschichte des Standortes und der Familie Werber gewidmet sein.

 Längst ist noch nicht alles gesichtet, geschweige denn archivarisch behandelt. "Es fängt ja erst an. Aber ich bin zuversichtlich, dass es etwas wird und Bestand hat", sagt Mahnke. Dazu beitragen werden eine Kunsthistorikerin und eine promovierte Historikerin auf 400-Euro-Basis, die sie schon verpflichtet hat. Und Ehrenamtler und Mitglieder, darauf hofft sie, die es ähnlich sehen mögen wie Heinz Willi Fleischhacker: "Das ist ein Glücksfall", so der Historienfan gestern. Mahnke schlicht: "Es ist das Beste, was diesem Haus passieren kann."

Verein in Gründung:
Die Gründungsversammlung "Gutenberghaus Bad Honnef e.V.- Archiv, Museum, Treff" findet statt am Donnerstag, 18. April, ab 19.30 Uhr im "Alten Rathaus" am Markt. Alle Interessenten sind willkommen. Mitglied werden können Privatpersonen und Organisationen, Gemeinnützigkeit ist angestrebt.