Raststätte im Siebengebirge

Raststätte Fernthal ist zum Ferienbeginn gut besucht

Fernthal. Die Raststätte Fernthal ist zum Ferienbeginn gut besucht. Doch nur wenige Reisende, die dort halten, kennen den in unmittelbarer Nähe liegenden Drachenfels. Ein Tag an der Raststätte.

Mittags an der Autobahn: Die Luft über dem Asphalt flirrt, obwohl eine leichte Brise über die Westerwaldhöhen weht. Einer döst. Viele rennen – erst mal aufs stille Örtchen. Per Dusör sieht gelassen zu. Der Brummifahrer hat sich an der Raststätte Fernthal in der Sonne niedergelassen. Mit Stulle, Limo und Zigarette. Weil er keine Sitzbank gefunden hat, pausiert er auf dem Bordstein.

Um 6 Uhr haben sein Kollege und er in Amsterdam aufgeladen, „losgekommen“ sind sie um 10 Uhr, und jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Ziel in Frankfurt. Hoffentlich. Denn der Verkehr nimmt zu, aber sie kennen ihre Hausstrecke. Die A3 ist für sie alternativlos. „Auf der A61 besteht für Lkw fast überall Überholverbot“, sagt Dusör und: „Privat fahr ich Bahn“.

Daran denken indes auch die Reisenden um ihn herum nicht: ein paar Geschäftsleute, glatt gebügelte Hemden, vor allem aber Reisende, von denen einige mit zerknautschten Gesichtern blinzelnd den Rückbänken von schwer beladenen Vans und Limousinen entsteigen und erst mal die Glieder strecken.

Ansturm auf die Autobahnen geht los

Mancher ist mit Anhänger oder mit Fahrrädern auf dem Dachgepäckträger unterwegs. Die meisten haben den größten Teil ihrer Strecke noch vor sich. Käfer hält neben Kleinbus, Deutsche neben Österreichern und Engländern. Es ist Sommerferienzeit. Ab Freitagnachmittag auch in Nordrhein-Westfalen, nur in Bayern und Baden-Württemberg noch nicht.

Der Ansturm auf die Autobahnen und die Raststätte ist greifbar. Die nahe A3 bildet eine konstante Geräuschkulisse. Die Dauerbeschallung von jenseits der Leitplanken schluckt fast sogar das warnende Piepen des Müllwagens, dessen Besatzung die Abfalleimer an der Raststätte Fernthal leert. Ein Wunder, dass zwei Herren in ihren Autos schlafen können. Sie haben scheinbar extra weit weg vom Treiben vor den Restaurants, den Sanitäranlagen und den Kinderspielgeräten geparkt, die Rückenlehnen in Liegeposition. Einer hat das Fenster geöffnet.

Ihre Ruhe steht im Gegensatz zur Betriebsamkeit um sie herum. Viele haben es eilig. Schnell soll es gehen. Ausgerechnet am Fast-Food-Tresen bildet sich indes eine mal mehr oder weniger lange Schlange. „Dafür ist der Blick von der Terrasse auf die Hügellandschaft toll. Das ahnt man erst gar nicht“, stellt eine Ostfriesin fest. Auf der Toilette fällt der Blick beim Händewaschen unweigerlich auf den Monitor über dem Waschbecken, wo für Destinationen wie Paris und New York geworben wird. Draußen zieht es die Menschen mit dem Auto vornehmlich ans Meer. Alle wollen gen Süden.

1300 Kilometer bis zum Meer

Vollgestopft ist das kleine Beetle Cabrio von Floris Heesters und seiner Begleiterin aus Tilburg. Hinten könnte keiner mehr sitzen. Die beiden Niederländer haben gute Laune trotz einer Gesamtstrecke von 1300 Kilometern. Es geht ja in den Urlaub. Nach Slowenien. Durch Deutschland fahren sie „nur durch“, wie mancher an diesem Tag. Siebengebirge? Drachenfels? Schulterzucken. Kennen sie nicht, waren sie nie. Die darauf verweisende „touristische Unterrichtungstafel“, wie im Fachjargon die braunen Schilder mit weißer Schrift und Piktogramm an deutschen Straßen heißen, haben sie nicht wahrgenommen.

Linda und Tochter Lien Stejnen aus Antwerpen/Belgien sind ebenfalls fokussiert auf das Ziel: die kroatische Insel Krk in der nördlichen Adria. Dem, was noch vor ihnen liegt, sehen sie gelassen entgegen: „Mit dem Bootsanhänger können wir eh nicht so schnell fahren.“ Und wenn sie müde sind, halten sie einfach an und übernachten. Gebucht haben sie nichts. Es wird sich schon etwas finden auf dem Weg nach Kroatien.

Just von dort kommt Ivica Jukic. Nicht mit dem Auto sondern mit dem Flugzeug. Am Flughafen Köln/Bonn hat ihn seine Frau abgeholt. Die Zeit, die sie in der Raststätte verschwindet, nutzt er und prüft den Luftdruck am Auto: „Das mach’ ich regelmäßig jeden Monat“, sagt der Bad Emser.

„Etwas Warmes zu Mittag muss sein“

Erst für eine Nacht in den Schwarzwald und dann weiter nach Südfrankreich zieht es Helmut Könning und seine Frau aus Stadtlohn. „Etwas Warmes zu Mittag muss sein“, sagen sie. Deswegen haben sie in der Raststätte gegessen. Zum Dessert gibt es mitgebrachtes Obst aus der Brotdose.

Einen Kaffee gönnen sich viele der Raststättenbesucher, gerne auch zum Mitnehmen. „Weil man sich dann damit draußen ein bisschen bewegen kann“, sagt eine Reisende. „Ein ordentliches Stück Grün“ fehlt dafür Marloes Verheijen, auch wegen ihrem Labrador Murphy. Eine Auslauffläche wäre gut, für beide. Die Münchnerin ist auf der Rückfahrt vom Besuch bei ihrer Mutter an der holländischen Küste.

Auf der Hinfahrt nach Freiburg, in die Auvergne und an die französische Atlantikküste ist Daisy. Aber die Mischlingshündin ahnt wohl kaum, wie viele Kilometer sie noch im Auto verbringen wird. Sie kläfft aufgeregt, als sie je einen Napf mit Wasser und Trockenfutter serviert bekommt. Herrchen Manuel Tönnjes aus Oldenburg und seine Familie sind derweil froh, dass sie „dank Navi einen Stau schon mal gut umfahren“ haben. Das wird anderen in den kommenden Tagen wahrscheinlich wenigen gelingen, wenn sich wegen der Ferien noch mehr Urlauber Richtung Süden aufmachen.