Christian Mäßen im Interview

RTV sieht Hallenneubau in Bad Honnef kritisch

Will dem Votum der Mitgliederversammlung nicht vorgreifen: Christian Mäßen.

BAD HONNEF. An der geplanten Kampagne der Honnefer Sportvereine in Sachen Sporthallenneubau in Aegidienberg - bekanntlich ist eine dreiteilbare Zweifachhalle im Gespräch - beteiligt sich der Rhöndorfer Turnverein (RTV) nicht.

Bereits im Dezember habe er grundsätzliche Bedenken zum Bau einer großen Halle geäußert, sagte dessen Vorsitzender Christian Mäßen bei der Sitzung des Sportverbandes. Der RTV müsse die Klärung finanzieller Fragen wie die Betriebskostenbeteiligung abwarten, um in einer Mitgliederversammlung einen Beschluss zu fassen, erklärte er. "Die Frage ist, ob wir die große Halle finanzieren können." Mit Christian Mäßen sprach Roswitha Oschmann.

Warum schert der RTV jetzt aus?
Christian Mäßen: Der RTV schert nicht jetzt aus. Aber wir sind skeptisch geworden. Der Vorstand ist nicht einschränkungslos für den Bau der Halle. Wir wissen nicht, welche finanziellen Belastungen auf die Vereine zukommen. Dazu gibt es widersprüchliche Aussagen. Die Verwaltung hat da noch viele Hausaufgaben zu erledigen.

Sie wollen abwarten, welche Kosten auf den Verein zukommen?
Mäßen: Die Betriebskostenbeteiligung ist noch unwägbar. Außerdem wurde auch eine Beteiligung der Vereine an den Errichtungskosten diskutiert. Der RTV-Vorstand möchte wissen, ob eine Betriebskostenbeteiligung kommt, wie hoch sie wäre unter den jetzigen Bedingungen und mit welchen zusätzlichen Kosten wir durch eine neue Halle rechnen müssten. Der RTV unterhält eine eigene Halle und nutzt recht viele Stunden Hallenzeit noch außerdem. Das allein ist eine große Belastung für den Verein. Deshalb können wir nicht ohne Wenn und Aber für eine neue Halle sein.

Der Sportverband-Vorsitzende Karl-Gert Hertel kritisiert, der RTV breche aus der Solidarität der Sportvereine aus.
Mäßen: Wir wollen am Grundsatzbeschluss und auch am Standort Aegidienberg nicht rütteln, aber wir geben zu bedenken, dass durch den Wegfall der jetzt bestehenden Halle und den bestehenden Bedarf in Aegidienberg bereits bis zu eineinhalb Felder einer neuen Halle gedeckt sind. Wie viel Hallenzeit würde durch einen Neubau wirklich geschaffen? Wie viel mehr nutzbare Hallenzeit erhalten die Vereine als Gegenleistung? Und: Der svb war in den vergangenen Jahren vehement gegen Hallenbenutzungsgebühren; jetzt wird ihre Einführung offenbar nicht mehr infrage gestellt.

Wie soll der Sportbetrieb ohne eine neue Halle in der Praxis funktionieren?
Mäßen: Wir haben uns auf den Bestand eingestellt, damit kommen wir schlecht und recht zurecht. So können wir natürlich keine weiteren Sportangebote des Vereins entwickeln.

Kann es sein, dass der RTV längst den Plan B in der Schublade hat?
Mäßen: Nein. Wir haben keine reichen Gönner. Außerdem würden wir nichts an den anderen Vereinen vorbei entwickeln.

Das könnte doch so gehen: Aegidienberg bekommt eine kleine Halle. Sportfreunde Aegidienberg-Chef Claus Elbert hat ohnehin schon signalisiert, das würde ausreichen. Im Tal zaubert der RTV einen Sponsor aus dem Hut, der eine große Halle mit Zuschauerrängen, die tauglich ist für Bundesliga-Basketballspiele, im Selhofer Süden errichtet. Vielleicht dort, wo die Stadt für eine große Institution einen Bauplatz reserviert hat. Über den Kreisel könnte der Verkehr abfließen. Die Menzenberger Halle hat ohnehin Renovierungsbedarf. Im Mai wird gewählt, neuer Bürgermeister, neues Glück?
Mäßen: Neues Glück vielleicht. Aber wir haben nichts in der Hinterhand und auch keine Ambitionen, eine Halle für 6000 Leute zu bauen und in die Erste Bundesliga aufzusteigen. Das ist nicht unser Ziel. Die Menzenberger Halle reicht uns von der Größe her aus. Auch da wünsche ich mir eine konkrete Aussage, wie hoch der Renovierungsstau ist und wie mit der Menzenberger Halle zu planen ist.

Kandidaten im Boxring

Die Vereine haben sich bei der Versammlung des Stadtsportverbandes (svb) politisch positioniert: "Der Bad Honnefer Sport wird nur Bürgermeister- und Ratskandidaten empfehlen, die uneingeschränkt die große Halle befürworten", so Wilhelm Strohmeier. svb-Chef Karl-Gert Hertel: "Wir werden genau beobachten, wie die Bürgermeisterkandidaten zu einer Zweifachhalle in Aegidienberg stehen."

Der ATV Selhof lädt die Bürgermeisterkandidaten zum Boxtraining in die ATV-Halle ein und will ihnen auch in Sachen Sportstättenförderung auf den Zahn fühlen. Für Freitag, 7. März, sind die Aspiranten eingeladen, in den Ring zu steigen. Ein Runder Tisch mit dem Kandidaten-Trio Ende März ist geplant.