Ausstellung von Künstlervereinigung Antiform

Post-Gebäude in Honnef wird zu Kunsträumen

BAD HONNEF. Die Künstlervereinigung Antiform eröffnet ihre Ausstellung in drei leerstehenden Läden am Post-Gebäude. Zwei Räume werden dabei für Eigenprojekte und Werke ausgewählter Künstler freigegeben.

Kein Strom, im Kühlschrank gähnende Leere. Lediglich ein paar Dutzend ausgetrocknete Wasserkanister schmücken im Schein der Notbeleuchtung den engen Gang, der vom abgedunkelten Eingang bis in die luftdicht verschließbaren Schutzräume im Herzen des Gebäudes führt. Selbst hinter den massiven Metalltüren lagert schlussendlich auch nicht mehr als eine Handvoll warmer Decken und unbequemer Hochbetten.

„Hungertuch“, so lautet der Titel der Installation, die die Künstlerin Ilse Wegmann in Kooperation mit der Künstlervereinigung „Antiform“ seit mehreren Wochen in einem der drei Leerstände am Post-Gebäude realisiert. Der Hintergedanke: Um der „Ladenzeile“ wieder frisches Leben einzuhauchen, zieht Antiform – zumindest bis zur endgültigen Neugestaltung des Gebäudes – in die Räume in der Bahnhofstraße ein.

Zwei Räume werden dabei für Eigenprojekte und Werke ausgewählter Künstler freigegeben, während im ehemaligen Kleinen Buchladen über Wochen und Monate eine raumfüllende Wandzeichnung entsteht. Den Anfang im langfristig anmietbaren Projektraum „Artist in Residence“, kurz: „AiR2“, macht nun Ilse Wegmann. Nicht ohne Grund mutet der ehemalige Kiosk an wie ein trostloser Luftschutzbunker.

Persiflage auf Bad Honnefer Situation

Tatsächlich verkünden ausgelegte Pamphlete am Eingang die lang befürchtete Schreckensmeldung: „Angesichts der Tatsache, dass es innerstädtisch in Bad Honnef kaum eine Lebensmittelversorgung gibt und auch in unmittelbarer Zukunft nicht geben wird, ist der absolute Notstand ausgebrochen.“ Kein Kaiser's, kein Edeka, zeitweise sogar kein Netto – eine Persiflage auf die aktuelle Situation in Honnef wolle sie bieten, so Wegmann.

Die Schutzräume sind übrigens echt, schlummern seit Jahrzehnten unbenutzt im Gebäudeinneren – ganz bewusst verarbeitet die Künstlerin nur diejenigen Requisiten, die sie ohnehin vor Ort vorfand. Ohne Einkaufsmöglichkeiten, scheint Wegmann sich konsequenterweise gedacht zu haben, muss man sich schließlich mit dem zufriedengeben, was gerade verfügbar ist.

Drei Räume für unterschiedliche Ausstellungen

Direkt daneben die „Galerie2“. Hier sollen – ganz im Sinne von Antiform-Chef Helmut Reinelt – insbesondere Fotografie und digitale Kunst im Vordergrund stehen. Für den Anfang zeigt Reinelt selbst auf alten Röntgenbildbetrachtern seine humorvoll-ironische „En-passant“-Reihe. In Zukunft soll aber vor allem der Fotografen-Nachwuchs sein Können präsentieren und das kreative Arbeiten im Fotostudio üben können. Der dritte und letzte Raum, benannt „Raum_Zeichnung“, bleibt derweil ganz in Antiform-Händen.

Unter dem Titel „Look at me“ wird Franca Perschen in ebenso spontaner wie filigraner Handarbeit die Wände sowie ausrangierte Schaufensterpuppen und Acrylglasplatten bemalen, unter anderem mit 3D-Stiften. Die Interaktion mit dem Laufpublikum ist dabei explizit erwünscht. „Ein Langzeitexperiment mit ungewissem Ausgang“, gesteht Perschen ein – doch der Entstehungsprozess sei ohnehin das eigentliche Kunstwerk.