Wrackteile und menschliche Knochen

Polizei stellt Knochenfunde am Rheinufer sicher

Unkel. Das Niedrigwasser hat in Unkel die Überreste eines Flugzeugs aus dem Zweiten Weltkrieg und menschliche Knochen freigegeben. Experten waren am Sonntag vor Ort am Rheinufer.

Die Geschichte um den Fund eines Wracks einer Junkers (Ju) 87 im Niedrigwasser des Rheins sowie menschlicher Knochen findet eine Fortsetzung. Am Sonntag rückten die Kriminalpolizei sowie weitere Experten am Unkeler Rheinufer an, um die Knochenfunde am Ju-Wrack sicherzustellen. Die Linzer Polizei bestätigte auf GA-Anfrage den Einsatz; auch Experten des Landesamtes für Archäologie seien eingeschaltet. Anfang der Woche solle das weitere Vorgehen abgestimmt werden. Ein aktuelles Tatortgeschehen sei nach jetzigem Kenntnisstand zugleich auszuschließen.

Wie berichtet, hat das Niedrigwasser des Rheins in Unkel möglicherweise ein menschliches Drama zutage gebracht, das sich beim Kampf um die Brücke von Remagen im März 1945 ereignet haben dürfte.

Der Archäologe Oliver Kessler, der an der Bonner Universität arbeitet und in Unkel lebt, hatte bei einem Spaziergang im Fluss und am Ufer das Wrack einer Junkers (Ju) 87 und eine Feldflasche entdeckt – und einige verbrannte menschliche Knochen, die seiner Meinung nach von den beiden Flugzeuginsassen stammen könnten, wie er dem GA berichtete. Ganz in der Nähe tauchten zudem Reste von zwei Booten auf, die Teile der damaligen amerikanischen Pontonbrücke über den Rhein gewesen sein könnten.

Kessler vermutet, dass er die Überreste einer deutschen Maschine gefunden hat, die am 8. März 1945 in Höhe von Unkel abgeschossen wurde. Die beiden Piloten gelten seitdem als vermisst, wie Kessler recherchierte. Kessler will seine Funde und Fotos dem Amt für Bodendenkmalpflege in Koblenz zur Verfügung stellen. Er hat überdies Kontakt mit dem Deutschen Roten Kreuz aufgenommen, um über das mögliche Schicksal der beiden Soldaten zu informieren. Denn er ist sich sicher, dass es sich bei den Knochen um menschliche Überreste handelt.

Der GA-Bericht über Kesslers Funde hat für ein großes mediales Echo gesorgt, so Veit Doll, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Linz. Nicht zuletzt dieser Dynamik Rechnung tragend, wurde kurzfristig am Wochenende die Sicherstellung der Knochenfunde veranlasst. Weitere Untersuchungen stehen noch aus. Derweil haben Unbekannte am Rhein eine Kerze entzündet – im Gedenken an die Kriegsopfer.