Training in Bad Honnef

Olympionikin Heike Drechsler gibt dem Nachwuchs Tipps

BAD HONNEF. Wie viele Medaillen sie gewonnen hat, wollte eine junge Sportlerin wissen. Da musste Heike Drechsler einen Moment überlegen. 30 waren es, davon 19 Mal Gold, so im Weitsprung bei den Olympischen Spielen in Barcelona 1992 und Sydney 2000. "Wenn man da oben steht, das ist unglaublich.

Das sind Momente, die hat man für sein ganzes Leben", berichtete die vielfache Europa- und Weltmeisterin und erfolgreiche Olympionikin. Sie selbst war es, die dem Nachwuchs von TV Eiche und LG Siebengebirge Momente bescherte, die die Kinder und Jugendlichen ebenfalls nicht vergessen werden: ein Training mit einem Leichtathletik-Idol, wie Heino Gröf vom TVE es am Mittwoch formulierte.

Gut 50 Nachwuchs-Sportler waren dazu ins Menzenberger Stadion gekommen. Trotz miserablen Wetters übten sie Weitsprung-Techniken. Und saugten die Tipps der Weltklasse-Athletin auf wie der sprichwörtliche Schwamm den Regen, der vom Himmel strömte.

Ermöglicht hatte das besondere Training Jannick Busch. Der 20-jährige Student der Deutschen Sporthochschule Köln hatte sich im vergangenen Jahr an einem Wettbewerb des Deutschen Olympischen Sportbundes und der Barmer GEK zum 100. Geburtstag des Deutschen Sportabzeichens beteiligt.

Sein Foto mit dem Titel "Der letzte Sprung", das Jannick beim Hochsprung zeigt, landete auf Rang drei. Der Preis: ein Training mit einem Sportbotschafter der Barmer GEK. "Man konnte ankreuzen, mit wem man am liebsten trainieren wollte, falls man gewinnt. Ich habe Heike Drechsler angekreuzt", berichtete der begabte Sprinter am Mittwoch.

Darüber freuten sich nicht nur Gröf und Trainerin Katharina Lute, sondern vor allem die jungen Sportlerinnen und Sportler. Sie erlebten eine Athletin, die nicht nur fachlich viel zu geben hat, sondern mit ihrer natürlichen, offenen Art ohne Allüren überzeugte. Vom Lauf-ABC bis zur Technik im Absprung, Heike Drechsler nahm sich Zeit, korrigierte und gab jedem Einzelnen wichtige Hinweise, wie der Weitsprung noch besser gelingen kann.

"Bei der Technik sind die Füße das Wichtigste, sie geben den Impuls. Das kann man auch im Alltag üben, wenn man etwa in der Schule die Treppe raufgeht: Nicht einfach die Füße aufplatschen", erklärte die studierte Pädagogin beim Abschlusstreffen in der Sporthalle. Noch mehr Tipps? "Knie hoch. Und versucht immer, an derselben Stelle loszulaufen." Ihr persönliches Resümee des Nachmittages dürfte eine zusätzliche Motivation für die Jugendlichen sein.

"Ihr seid klasse. Als Leistungssportlerin hätte ich mich kaum rausgetraut bei diesem Wetter, weil natürlich die Verletzungsgefahr größer ist." Und weiter: "Ich sehe hier ganz viele Talente. Ich hoffe, ihr habt immer ganz viel Leidenschaft für euren Sport." Nicht nur dabei wird Heike Drechsler im Siebengebirge gerne beim Wort genommen werden. "Ich werde gerne noch mal einen Abstecher zu euch machen bei besserem Wetter", versprach sie den jungen Talenten.

Kurz gefragt

Ist Sport für Sie eine Art Sucht?
Heike Drechsler: Eine positive Sucht, wenn man den Begriff so verwenden kann. Es ist schön, sich immer wieder selbst testen zu können, Grenzen zu erfahren, Fortschritte zu machen. Es gibt so viele Eigenschaften, die der Sport mit sich bringt, er gibt Sicherheit, Selbstbewusstsein und natürlich Fitness. Vor allem aber: Sport macht Spaß. Das hat der heutige Tag wieder gezeigt. So viele Kinder und Jugendliche sind trotz des schlechten Wetters gekommen, weil sie Freude an der Bewegung in der Gruppe haben. Das war sehr deutlich zu spüren.

Ist man in der Leichtathletik nicht eher ein Einzelkämpfer?
Drechsler: Das trifft nur begrenzt zu. Für mich ist die Leichtathletik ein Teamsport, nicht nur beim Training in der Gruppe. Klar, im Wettkampf ist man irgendwann auf sich alleine gestellt. Aber auch da gilt: Man freut sich mit den Teamkollegen, wenn sie gewinnen, man tröstet sie, wenn es mal nicht so gut läuft. Man steht zusammen. Das ist sehr wichtig und macht diesen Sport ebenso aus wie Mannschaftssportarten.

Wie bringt man Kinder in Bewegung?
Drechsler: Wie bringt man Eltern in Bewegung? Es geht um das Vorleben, darum, ein Beispiel zu geben. Kinder im Grundschulalter etwa braucht man doch nur anzustupsen, dann laufen sie. Der Bewegungsdrang ist angeboren, man muss Kindern nur Gelegenheit geben, ihn auch auszuleben. Die Vereine spielen hier eine wesentliche Rolle, sie geben den Raum, den Kinder dafür brauchen.