Ultimate Frisbee

Nie mehr ohne Stollenschuhe

Passen will gelernt sein: Im Training mit dem Bonnsai-Team übt Sabrina Bauer (3.v.l.) den optimalen Frisbee-Wurf.

Passen will gelernt sein: Im Training mit dem Bonnsai-Team übt Sabrina Bauer (3.v.l.) den optimalen Frisbee-Wurf.

Bad Honnef/Beuel. Was ist dran an dem Spiel mit der Plastikscheibe, das am Wochenende Teams aus ganz Deutschland auf die Insel Grafenmwerth nach Bad Honnef zieht? GA-Volontärin Sabrina Bauer hat die Sportart Ultimate Frisbee einmal ausprobiert.

Strahlender Sonnenschein, kaum Wind und Temperaturen um die 20 Grad – beste Voraussetzungen für ein Testtraining mit den Bonnsais, der Bonner Ultimate Frisbee Mannschaft. Als ich am späten Nachmittag die große Wiese an der Elsa-Brändström-Straße am Beueler Rheinufer betrete, halte ich zunächst vergeblich nach den Wurfgeräten aus Plastik Ausschau. Stattdessen wärmen sich die Vereinsmitglieder unter der Anleitung von Trainer Bertram Arnold auf. Nach zwei Laufrunden bilden die Sportler einen Kreis und absolvieren spezielle Dehn- und Stretchingübungen.

Während die anderen die Aufwärmphase fortsetzen, erklärt mir Henrik Johaentges die Grundzüge des Spiels und den Ablauf des Trainings. Gespielt wird sieben gegen sieben auf einer Fläche etwa so lang und halb so breit wie ein Fußballfeld. „Eine Mannschaft hat die Scheibe und versucht diese durch Passen in die gegnerische Endzone zu bringen“, so der 21-Jährige, der den Sport bereits seit drei Jahren betreibt. Hat ein Spieler die Frisbee gefangen, darf er sich wie beim Basketball nur noch mit einem Sternschritt bewegen und hat maximal zehn Sekunden Zeit, die Scheibe einem Mitspieler zuzuspielen.

Während des Angriffs versuchen die gegnerischen Spieler, die Werfer am Passspiel zu hindern. „Marken“ nennt man das. Da die Sportart aus den USA stammt, wurden auch die Begriffe gleich übernommen. Beim Verlust der Scheibe, dem sogenannten Turnover, geht die Frisbee an den Gegner. Gespielt wird open (Männer), Damen (Frauen) oder mixed (Frauen und Männer). „Schnelligkeit und Kondition sind das Wichtigste“, so Johaentges.

Als Leichtathletin sollte ich diese Voraussetzungen eigentlich mitbringen. Aber bevor ich mich bei einem richtigen Spiel beweisen kann, stehen zunächst Wurfübungen auf dem Trainingsplan. Wir beginnen mit der Rückhand – dem naheliegenden Wurfstil, wenn man die bunten Plastikgeräte in den Händen hält. Die Bewegung sollte vor allem aus dem Handgelenk kommen. Die Frisbee fliegt ruhig durch die Luft und kommt sicher bei meinem Trainingspartner an – nur an der Wurfhöhe muss ich noch arbeiten. Schwieriger wird es hingegen mit der Vorhand. Johaentges zeigt mir die richtige Greiftechnik. „Die Finger formen zunächst eine Pistole“. Zeige- und Mittelfinger greifen unter die Scheibe, während Ringfinger und kleiner Finger von außen dagegen drücken. Gar nicht so einfach.

Bei der nächsten Trainingseinheit fliegen die aus den USA importierten und mit dem Mannschaftslogo bedruckten Frisbees kreuz und quer durch die Luft. Die Bonnsais stehen in jeweils vier Gruppen an den äußeren Enden des Spielfeldes. Zum Gegenspieler passen, loslaufen und im Lauf die Frisbee fangen. Dieses Übung macht einfach nur Spaß.

Nach anderthalb Stunden Taktik-, Wurf-, Lauf- und Konditionstraining beginnt die eigentliche Spielphase. Was im Training ganz gut geklappt hat, überfordert mich im Spielfluss noch etwas – die erste Frisbee entgeht mir daher leider. „Zu Beginn können die Anfänger meist nicht werfen. Das lernt man aber mit der Zeit“, beruhigt mich Henry Weber, der seit mehreren Jahren trainiert.

Die Vereinsmitglieder passen sich rasend schnell die Scheibe zu, sprinten über die Rasenfläche und greifen die fliegende Frisbee aus der Luft. Ein Foul oder eine Regelverletzung wird mit dem Gegenspieler geklärt. „Das zeichnet unseren Sport aus, dass er ohne Schiedsrichter gespielt wird und dass er fair ist“, sagt Johaentges. Das sei der „Spirit of the Game“. Nach jedem Spiel versammelt sich die Mannschaft daher zu einem abschließenden „Spiritkreis“.

Mein Fazit: Eine temporeiche und anstrengende Sportart, die vor allem draußen und im Sommer richtig Spaß macht. Das Spiel erfordert Ausdauer und Schnelligkeit. Die Wurftechniken lernt man im Training. Und man braucht unbedingt Stollenschuhe – beim nächsten Mal bringe ich die ganz bestimmt mit.