Sanierungsarbeiten unterhalb der Burgruine

Neues Stahlkorsett für den Drachenfels

Die Baustelle aus der Vogelperspektive mit Blick Richtung Rhein.

Die Baustelle aus der Vogelperspektive mit Blick Richtung Rhein.

Siebengebirge. Die Sanierung des Drachenfels schreitet voran. Derzeit werden unterhalb der Burgruine Anker gesetzt, um die Stabilität des Berges zu gewährleisten. Bis zum Abschluss der Arbeiten bleibt auch der Eselsweg gesperrt. Ein Überblick.

Fein säuberlich liegen die Bohrkerne nebeneinander aufgereiht auf dem Gerüst in schwindelerregender Höhe. Hintereinander gelegt würden sie eine 26-Meter-Säule aus Trachyt ergeben. Die Felsstücke mit einem Durchmesser von 32 Millimetern stammen aus einem von zwei Bohrlöchern, in die bei der Drachenfels-Sanierung im Auftrag der Bezirksregierung neue Anker gesetzt werden. Sie sollen dem Berg zusätzlichen Halt geben.

Rund 20 Meter über dem für die Öffentlichkeit seit Januar gesperrten Eselsweg hat sich der mächtige Diamantbohrer in der vergangenen Woche zum ersten Mal durch den Stein gefressen. Nächste Woche wird der Berg von der zum Plateau hin gelegenen Seite aus zum zweiten Mal durchlöchert, dann auf einer Länge von 16 Metern. Die beiden neuen Anker sollen die im Fels wirkenden Kräfte aufnehmen, wenn anschließend sieben alte schadhafte Anker nacheinander ersetzt werden.

 

Überprüft wird im Rahmen der Sanierung auch die Beständigkeit der sechs bis acht Meter langen Felsnägel. Rund 100 Nägel werden neu in den Berg geschlagen. Geschlossen werden auch die Risse im Fels, um erneuten Bewuchs und Frostschäden zu verhindern. Efeu und sogar kleine Bäume wachsen dort noch aus den Klüften der Felswand, wo die Arbeiter noch nicht gewesen sind. Auch der breite Betongürtel, der den Fels wie ein Korsett zusammenhält, wird an vielen Stellen ausgebessert.

Anker sind an ihrer Belastungsgrenze

All das ist notwendig, um der vor allem im Randbereich fortschreitenden Zerklüftung durch Erosion entgegenzuwirken. Bei der regelmäßigen Überprüfung durch den Geologischen Dienst hatte sich herausgestellt, dass einige Anker an ihrer Belastungsgrenze sind. „Wenn ein Anker reißt, könnte es zu einer Kettenreaktion kommen“, sagt Projektleiter Manfred Fischer vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes, der von der Bezirksregierung mit der Sicherungsmaßnahme beauftragt wurde.

Die Bezirksregierung ist Bauherr, Berg und Ruine gehören dem Land Nordrhein-Westfalen. Das rund 40 Meter hohe und 50 Meter breite Gerüst, auf dem die Geologen der Trierer Firma Geopartner arbeiten, ist schon für sich genommen ein kleines Meisterwerk der Technik. Von den verschiedenen Arbeitsplattformen aus wird die Felswand auf einer Fläche von knapp 2000 Quadratmetern für die Zukunft sicher gemacht.

Gerüst wiegt 150 Tonnen

Ende Mai war mit dem Aufbau des Gerüsts begonnen worden. Rund sechs Wochen hat er gedauert. 150 Tonnen Material wurden verbaut. Bereits im Februar waren Büsche entfernt worden. „Die Freilegung des Felsens war wichtig für die Beurteilung“, sagt Andreas Schwerdt, Baudezernent der Bezirksregierung Köln. Dass die Sicherungsmaßnahme am Ende wohl knapp eine Million Euro kosten und bis zum Jahresende dauern werde, sei anfangs noch nicht absehbar gewesen. „Wir konnten im Januar im Detail noch nicht beurteilen, was gemacht werden muss. Das war erst möglich, als das Gerüst aufgebaut war.“

 

Ziel sei es, dass die Maßnahmen in den nächsten 40 Jahren für Ruhe sorgen. Oberstes Gebot sei dabei die Sicherheit. Den Verantwortlichen sei aber bewusst, wie beliebt der zurzeit gesperrte Eselsweg sei. „Im Januar soll er wieder begehbar sein.“ Dann soll es in der mächtigen Felswand keinen losen Stein mehr geben.

Auslöser für die erneute Sperrung des Wegs im Januar und die Sanierung war der Zustand einer Felsnase unterhalb der Ruine. Sie ist so rissig und zerklüftet, dass die Gefahr von Steinschlag bestand. Der Schaden fiel auf, weil der Efeu, mit dem der Fels vollständig überwachsen war, abgestorben war. Um vier Zentimeter hatte sich die Felsnase bereits verschoben. „Wenn da ein Brocken rausgebrochen wäre, wäre er wahrscheinlich bis zur Straße im Tal gerollt“, sagt Fischer. Das Gestein wird jetzt provisorisch und später dauerhaft durch ein Stahlnetz gesichert.

Aufgang vom Plateau zur Ruine während Bauarbeiten gesperrt

Nicht alle Anker, die dem Fels Stabilität verleihen, befinden sich auf der Fläche des Landes. Etwa 60 der insgesamt rund 90 Spannglieder im Fels sind vor rund 45 Jahren auf dem Grund und Boden des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge (VVS) gesetzt worden. „Dort sind sie zum Teil sogar über 40 Meter lang und noch in einem passablen Zustand“, berichtet Fischer. Beeindruckt sind er und die anderen Fachleute von der damaligen Leistung der Ingenieure. „Dass das 45 Jahre gehalten hat, spricht für sie“, sagt Schwerdt. Damals sei noch auf Holzgerüsten gearbeitet worden.

Der Aufgang vom Plateau zur Ruine ist während der Bauarbeiten eigentlich gesperrt – zur Sicherheit der Arbeiter. Von oben würden immer wieder Gegenstände wie Steine, Flaschen und sogar Stühle heruntergeworfen. Bei der Entbuschung seien mehrere Tonnen Müll gefunden worden. So ganz ernst scheinen manche die Sperrung wohl nicht zu nehmen. Am Mittwoch hielten sich mehrere Besucher auf dem Berg auf.

In der Chronik des Drachenfels wird das Jahr 2017 jedenfalls wohl künftig in einem Atemzug mit 1855 und den 1970er Jahren genannt werden. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde oberhalb des Plateaus bereits eine Mauer als Stützpfeiler gebaut. In den 1970er Jahren folgte dann die große Felssicherung, die in diesem Jahr nachgebessert wird. Auch wenn diese Sanierung nun wieder einige Jahrzehnte halten dürfte, geben sich die Experten keiner Illusion hin. Letztlich werde die natürliche Erosion des Berges durch all diese Maßnahmen nur verzögert.