Erster "KlangTunnel Musikfest" an der historischen Stätte

Musik und Literatur im Erpeler Tunnel

ERPEL. Schaut Tobias Wolf in seinem Elternhaus aus dem Fenster, muss er sich lediglich ein bisschen Gestrüpp wegdenken: Dann sähe er das Tor zum Erpeler Tunnel hinter der berühmten Brücke von Remagen.

Der Kulturverein ad Erpelle hat in dem Tunnel bereits mehr als hundert Mal das Theaterstück "Die Brücke" aufführen lassen. Und Tobias Wolf dachte: "Musik an diesem besonderen Ort mit dieser besonderen Atmosphäre müsste auch gehen." Also hat der 23-jährige Student der Musikwissenschaft (er spielt Trompete) und Anglistik seit August vergangenen Jahres alle Vorbereitungen getroffen, um am Wochenende vom 17. bis zum 19. Juli das erste "klangTunnel Musikfest" stattfinden zu lassen.

Mit tatkräftiger Unterstützung des Vereins ad Erpelle, der den ausgestatteten Raum mit rund 200 Sitzplätzen zur Verfügung stellt. Es wird aber neben Musik auch um Bühnenkunst, Wissenschaft und Literatur gehen.

"Das Programm steht weitgehend. Was kann man sich Schöneres vorstellen als solch ein Heimspiel", findet Tobias Wolf. Der Initiator der Idee hat mittlerweile elf Mitstreiter gefunden, die ehrenamtlich Zeit in die gesamte Organisation stecken: Eine Zusammenkunft von Juristen, Kaufleuten, Musikern: "Alles Profis", betont der Erpeler. Herausgekommen sind ein stattliches Haupt- und Rahmenprogramm (siehe Kasten). Es steht unter dem Leitmotto "Turbulenzen".

Dass dem Kapitel Theater das Kapitel "Musik im Tunnel" folgt, begann als fixe Idee von Tobias Wolf. Er hatte beim Beethovenfest Bonn seine dreijährige Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkommunikation unter der Führung der früheren Intendantin Ilona Schmiel absolviert.

"Wir machen jetzt im Prinzip eine ähnliche Arbeit im Kleinen", erklärt der Student. Er ist zuversichtlich, dass die Truppe in Erpel etwas Langfristiges in Gang setzen kann. Zumal schon zwölf Prozent des Kartenkontingents für die Auftritte der Musiker verkauft sind.

Für überwindbar hält er den manchmal schwierigen Übertritt auf die andere Rheinseite, "die psychologische Hürde", wie er sagt. Der 23-Jährige ist sicher, dass sowohl aus dem Kreis Neuwied als auch aus dem Rhein-Sieg-Kreis und der Stadt Bonn Musikinteressierte für das Festival zu begeistern sind.

Die Pläne gehen so weit, dass das Musikfest im Zweijahres-Rhythmus unter der Ley an den Start gehen soll. Langsam aufbauen und vergrößern, lautet Wolfs Devise. Doch steht zunächst das erste Festival im Vordergrund. In diesem Monat sollen weitere Programmpunkte feststehen. Dann soll auch ein Magazin erscheinen, das die auftretenden Künstler vorstellt.

Das Programm

Den Auftakt zum "klangTunnel Musikfest" vom 17. bis zum 19. Juli macht die Sprechbühne Halle am Freitag, 17. Juli, mit einem Stück von Ernst Jandl. In "In Verjandlungen mit Ernst" lassen die Sprechbühne und Regisseurin Martina Haase Gedichte lebendig werden. Einführung ab 18.30 Uhr. Beginn: 19 Uhr.

Im Hauptprogramm am Samstag tragen Flötistin Ulrike Sinapius, Violinistin Brigitta Winnen, Fagottistin Anette Gärtner, Pianistin Marlis Wemheuer und als Rezitator der Musikwissenschaftler an der Bonner Uni, Volkmar Kramarz, Stücke von Telemann, Mozart und Hindemith sowie Texte von Morgenstern, Borchert und Mörike vor. Einführung ab 18.30 Uhr durch Ulrike Sinapius und Tobias Wolf. Beginn: 19 Uhr. Das Rahmenprogramm steht noch nicht vollends fest. Klar ist, dass die Musiksoziologin Morag J. Grant mit einem Vortrag sowie eine Big Band auftreten werden. Tickets sind in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen für 21,75 Euro, ermäßigt 16,90 erhältlich.