Lesung in der Bücherstube Bad Honnef

Mordsmäßige Geschichten mit Gigi Louisoder

Auch aus „Geschichten hinter der Liebe“ las Gigi Louisoder.

Auch aus „Geschichten hinter der Liebe“ las Gigi Louisoder.

BAD HONNEF. Die Journalistin Gigi Louisoder las in Bad Honnef aus ihren Buch „Irgendwas ist immer“. Und enthüllt nebenbei Interessantes über das Funktionieren einer sizilianischen Ehe.

Im September gibt es in diesem Jahr nicht nur die ersten Lebkuchen. Dann erscheint auch das neue Buch von Gigi Louisoder mit Weihnachtsgeschichten, in denen prägnante Orte und Ereignisse aus dem Siebengebirge eine Rolle spielen. Ein Verlag, der vom Stil und den Ideen der Bad Honneferin beeindruckt ist, hatte die Geschichten bestellt. Das erfuhren die Zuhörer bei einer Lesung mit der Autorin in der Awo-Bücherstube und freuten sich schon auf diese neuen literarischen Kreationen von Gigi Louisoder.

Ihre ersten Kritiker hat sie allerdings in der eigenen Familie. Louisoders in Kalifornien lebender Bruder Florian, der Drehbücher schreibt, liest sämtliche Texte, nachdem ihr Mann Wolfgang Schneider ein erstes Urteil abgeliefert hat. Und nach der Lektüre der Weihnachtsgeschichten meinte Florian Louisoder: „Toll, was es bei Euch alles gibt.“

Bei der Awo-Lesung mit der aus Tegernsee stammenden gelernten Journalistin, die bei Münchner Zeitungen ihr Handwerk erlernt hatte, ging es aber vor allem um Geschichten aus ihrem im März dieses Jahres herausgekommenen Buches „Irgendwas ist immer“ und dem Vorgänger „Geschichten hinter der Liebe“.

Mit psychologischem Feingefühl und einer ganzen Portion schwarzem Humor erfindet Gigi Louisoder, die 1985 mit dem Bayerischen Filmförderungspreis für ihr Drehbuch „Volltreffer“ ausgezeichnet wurde, Figuren und Handlungsstränge. Und die Zuhörer hatten ihren Spaß an den Storys, die mal sarkastisch oder böse, mal ironisch oder gefühlvoll, mal nachdenklich oder witzig sind.

„Die Kürze ist das Schwierige“, so die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen, die auch schon Pressesprecherin eines Berliner Bauunternehmens war und mehrere Jahre in Spanien lebte. Derzeit sitzt Gigi Louisoder aber erstmals an einem Roman. „Eine Familiengeschichte wird es“, verrät die Autorin, die nach ihrer Lesung von den Besuchern noch gebeten wurde, das neu erstandene Buch mit den 22 Kurzgeschichten zu signieren. Das Zuhören machte einfach hungrig auf noch mehr Geschichten aus Louisoders Feder – die Kostproben versprachen jedenfalls unterhaltsames Lesevergnügen.

So wie die „Ehe auf Italienisch“. Signora Maramotti meldet in der Polizeiwache von Villarossa Commissario Benutti den Selbstmord ihres Mannes, den vermuteten Selbstmord. Warum sie glaube, dass ihr Mann Suizid begangen habe, fragt der Commissario. „Er ist gestern Abend nicht nach Hause gekommen“, kam als Erklärung.

Diese Begründung leuchtete Benutti nicht ein. Erst am Ende der Geschichte lüftet Gigi Louisoder den Schleier. Sie lässt Signora Maramotti dem Commissario das Funktionieren einer sizilianischen Ehe erklären: „Eine sizilianische Ehefrau rührt jeden Morgen etwas Gift in den Kaffee ihres Mannes. Und am Abend, wenn er pünktlich nach der Arbeit heimkommt, bekommt er das Gegengift. Aber Franco kam nicht nach Hause. Ich konnte ihm also das Gegengift nicht geben. Das nenne ich Selbstmord. In Sizilien ist es Selbstmord.“