Immobilie steht leer

Land sucht Käufer für den Uhlhof in Bad Honnef

Steht unter Denkmalschutz: Der Uhlhof im Lohfeld.

Steht unter Denkmalschutz: Der Uhlhof im Lohfeld.

Bad Honnef. Wieder hat Bad Honnef eine Einrichtung mit Zugkraft verloren: Die Akademie für Internationale Zusammenarbeit, die jährlich bis zu 40.000 Übernachtungsgäste in die Stadt brachte, ist nach Bonn gezogen. Sie hat einen Leerstand hinterlassen.

Es war lange angekündigt, jetzt wurde ernst gemacht: Die Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) hat Bad Honnef endgültig den Rücken gekehrt. Die Einrichtung ist umgezogen nach Bonn-Röttgen in die ehemalige Andreas-Hermes-Akademie. Das bisherige AIZ-Domizil, der Uhlhof im Lohfeld, in dem seit 1965 Entwicklungshelfer auf ihren Einsatz im Ausland vorbereitet wurden, steht leer. Für das denkmalgeschützte Gründerzeit-Anwesen hat das Land Nordrhein-Westfalen als Eigentümerin keine Verwendung mehr.

„Es ist vorgesehen, die Liegenschaft in den Verwertungsprozess zu geben“, teilte Frank Buch vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW auf GA-Anfrage mit. Im Klartext: Das landeseigene Gelände samt denkmalgeschütztem Herrenhaus steht zum Verkauf. Bis es so weit ist, müsse zunächst eine Bewertung vorgenommen werden, so Buch weiter. Ein entsprechendes Gutachten soll Klarheit bringen über den Wert der Liegenschaft. Ein Fachunternehmen sorgt derweil bereits für Sicherheit auf dem großen Gelände am Rhein.

Wie mehrfach berichtet, hatte die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) Ende 2013 die ehemalige Andreas-Hermes-Akademie gekauft. Im Jahr darauf fiel der Beschluss, auch die AIZ – nach entsprechenden Umbauten der Bonner Liegenschaft in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe – nach Röttgen zu verlegen. Alle Appelle, so der damaligen Bad Honnefer Bürgermeisterin Wally Feiden, ihres Nachfolgers Otto Neuhoff und des Unkeler Verbandsgemeindebürgermeisters Karsten Fehr, halfen nichts: Der Umzug war nur noch eine Frage der Zeit.

Umzug war eine Hauruck-Aktion

Angepeilt war eigentlich sogar schon das Frühjahr 2017. Ende des Jahres setzte die GIZ nun ihre Pläne um – in einer Art Hauruck-Aktion wenige Tage vor der Weihnachtspause, wie Mitarbeiter dem GA berichteten. Personelle Konsequenzen gebe es nicht, so Tabata Kunze von der Unternehmenskommunikation der GIZ auf GA-Anfrage: „Alle GIZ-Mitarbeiter sind weiterhin in der AIZ in Bonn tätig.“

Was der Wegzug dieser Institution für Bad Honnef und Umgebung bedeutet, lässt sich an Zahlen festmachen. Immerhin entwickelte die AIZ jahrzehntelang eine Sogkraft, die Hotellerie, Gastronomie und Handel zugutekam. Bis zu 40 000 Übernachtungen pro Jahr schlugen als Spitzenwert zu Buche, wenn im Uhlhof Seminarteilnehmer auf ihre Aufgaben im Ausland vorbereitet wurden.

Auch kulturell war die Einrichtung im Lohfeld ein Gewinn, denn im Uhlhof fanden öffentliche Konzerte und weitere Veranstaltungen statt. Entsprechend fallen die Reaktionen über den Wegzug aus. Neuhoff am Dienstag zum GA: „Wir bedauern den Abgang der GIZ sehr. Sie hat mit ihrer Internationalität Bad Honnef besonders bereichert. Der Abgang trifft uns besonders, weil fast zeitgleich die Immobilien KSI und das Commundo ihre Nutzer verlieren. Dieser Strukturwandel stellt uns, was die Folgenutzung angeht, vor erhebliche Herausforderungen.“

Zugleich ist der Einfluss der Stadt auf die einzelne Immobilie begrenzt. Schließlich gehört der Uhlhof dem Land Nordrhein-Westfalen; zuständig ist eben der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW. Dessen Sprecher Buch hatte Mitte 2015 auf Anfrage mitgeteilt, dass trotz bevorstehenden Umzugs noch investiert worden sei, unter anderem rund 775 000 Euro für Brandschutzmaßnahmen.

Aktuell teilte Buch mit, dass eine „Nachnutzung aus heutiger Sicht für Landesnutzungen nicht in Betracht gezogen“ werde. Sanierungen oder Rückbauten seien seitens des BLB nicht vonnöten; mit Blick auf den erst noch beginnenden Verkaufsprozess könne zur weiteren zeitlichen Planung „im Moment keine seriöse Aussage gemacht werden“. Die Übergabe an den BLB sei am 10. Januar bereits erfolgt.