Tag des offenen Denkmals

Kurhaus Bad Honnef ermöglichte Blick auf Sanierung

BAD HONNEF. Aalschokker, Alte Paketpost und Löwenburg: Am „Tag des offenen Denkmals“ gab es in Bad Honnef einiges zu sehen. Das Kurhaus mit seinen vielen Baustellen erwies sich dabei als wahrer Publikumsmagnet.

Der Gang über den knarzenden „Laufsteg“ war definitiv nichts für ängstliche Gemüter: bei jedem Schritt auf dem Gitterboden aus Metall fiel der Blick rund acht Meter in die Tiefe. Die, die sich trauten, wurden mit Aus- und Einblicken belohnt, die nur wenige zu sehen bekommen: Hoch unter dem Dach des Bad Honnefer Kursaals konnten sie sich am „Tag des offenen Denkmals“ einen Eindruck vom Stand der laufenden Sanierungsarbeiten verschaffen.

Doch auch wer lieber am Boden blieb, konnte bei der Führung am Sonntag Wissenswertes zum Geschehen auf Bad Honnefs prominentester Baustelle erfahren. Mit Luis Kohl, Sachbearbeiter bei der Unteren Denkmalbehörde der Stadt, Frank Beckmann, dem Fachdienstleiter Technisches Gebäudemanagement, seinem Kollegen Jörg Sudmann sowie Carla Rupprecht vom Architektenbüro Deisenroth stand jede Menge Sachkompetenz für Fragen rund um die Sanierungsarbeiten zur Verfügung.

Der bundesweite „Tag des offenen Denkmals“, bietet jährlich Gelegenheit, hinter Türen zu schauen, die sich sonst selten oder nie für die Öffentlichkeit öffnen. Dieses Jahr stand er unter dem Motto de „Umbrüche in Kunst und Architektur“. Auch im Siebengebirge waren Architektur- und Geschichtsinteressierte zu zahlreichen Streifzügen in die Vergangenheit eingeladen. So widmete sich in Königswinter Werner Dahm bei einem Altstadt-Rundgang der Frage, wie man mit historischer Bausubstanz umgeht. Bei Führungen durch die Christuskirche in der Altstadt, die evangelische Kirche in Oberpleis und die Nikolauskapelle in Heisterbacherrott erfuhren Besucher Spannendes über die heimischen Gotteshäuser.

Führungen waren Publikumsmagnet

In Bad Honnef konnte man sich auf das schwankende Deck des Aalschokkers Aranka begeben oder gemeinsam mit Christoph Keller vom Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland auf mittelalterlichen Pfaden wandeln und die Löwenburg-Ruine erkunden. Zudem fanden in der „Alten Paketpost“ in Bad Honnef die Gesundheitstage „Lantana“ statt.

Die Führungen durch das Kurhaus erwiesen sich am Sonntag als Publikumsmagnet. Die Gelegenheit, einen Blick auf das zu werfen, was sich derzeit unter dem riesigen Wetterschutzdach sowie hinter Planen und Gerüsten abspielt, stieß bei den Honnefern auf Interesse: Mehr als 100 Interessierte nahmen an den drei Führungen teil, die im Laufe des Tages angeboten wurden.

„Das hatten wir selber nicht erwartet“, sagte Kohl, der für die Besucher noch einmal die Geschichte des Kurhauses Revue passieren ließ. Anhand von alten Fotos konnte jeder anschaulich nachvollziehen, wie sich das Gebäude im Laufe der Zeit architektonisch verändert hat – und warum die Sanierung nun dringend notwendig geworden war.

Verantwortlichen bislang zufrieden

„Eigentlich ist es Wahnsinn, was wir hier machen“, resümierte Sudmann. Um das Gebäude künftig betreiben zu können, muss es nicht nur den aktuellen Brandschutzvorgaben und Anforderungen an eine Veranstaltungsstätte genügen, auch soll das Gebäude barrierefrei werden. Zudem ist der Schallschutz ein nicht zu vernachlässigendes Thema. „Wir wollen es besser machen als beim letzten Mal. Und wir hoffen, dass wir dann in 20 oder 30 Jahren nicht wieder Hand anlegen müssen.“

Bei den Sanierungsarbeiten Anfang der 90er Jahre waren drei Millionen Deutsche Mark in die Sanierung hauptsächlich des Saal-Innenraums geflossen. Davon kann man zwar heute insofern profitieren, „als dass wir uns jetzt darauf konzentrieren können, das Gebäude bauphysikalisch, technisch und brandschutztechnisch auf den neuesten Stand zu bringen“. Doch stellten die Experten auch grobe Fehler fest, die damals begangen wurden: So wurden zum Beispiel Lüftungsschächte durch tragende Bauteile getrieben.

Trotz des beachtlichen Umfangs der Sanierungsarbeiten sind die Verantwortlichen bislang zufrieden: „Wir sind glücklich, mit tollen Firmen zusammenzuarbeiten. Und derzeit bewegen wir uns sogar noch unterhalb der berechneten Kosten“, sagte Sudmann. Insgesamt sieben Millionen Euro wurden für die Sanierung von Bad Honnefs guter Stube veranschlagt. Auch hinsichtlich des Zeitplans ist man zuversichtlich: Gleich nach Karneval 2020 soll der Saal wiedereröffnet werden. „Schon in zwei Monaten werden sie nicht mehr sehen, was wir hier alles gemacht haben“, ist sich Rupprecht sicher.