Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef

Kunstvolle Klangparadiese

Bei Folk im Feuerschlösschen entführte Rolf Beydemüller (r.) in lässig-entspannte Klangwelten.

Bei Folk im Feuerschlösschen entführte Rolf Beydemüller (r.) in lässig-entspannte Klangwelten.

BAD HONNEF. "Langweilig wird es bei uns nie", versprach Jutta Mensing zum Auftakt des neuen Halbjahres bei "Folk im Feuerschlösschen". Und sie sollte Recht behalten.

Gleich zum ersten Konzert hatte der Veranstalterverein zwei wahre Klangpoeten in die Folk-Hochburg auf dem Sibi-Gelände geladen, die eindrucksvoll zeigten: Auch ohne eine einzige gesungene Textzeile kann ein Folk-Konzert absolute Spitzenklasse sein.

Nicht zuletzt dank des grandiosen Solo-Auftritts von Falk Zenker aus Weimar: Der Klangkünstler spielte ein Gitarren-Programm der Extraklasse, das man - ohne Übertreibung - gesehen haben muss. Nicht nur bewies er an seinem Instrument grandiose Spieltechnik, sondern gerade diese perfektionierte Virtuosität erlaubte ihm, all das klanglich zu realisieren, was seiner übersprudelnden musikalischen Phantasie entsprang.

Während Zenker seiner Gitarre wunderschöne Melodien entlockte, bediente er mit den Füßen raffiniert eingesetztes technisches Equipment, um seine Harmonien aufzuzeichnen und als Klangbett für beeindruckende Collagen wieder abzuspielen. Der Weimarer empfahl sich als filigraner Klangdichter, der seine ohnehin eindrucksvolle musikalische Poesie zusätzlich mit außergewöhnlichen Geräuschquellen bereicherte - allen voran mit seiner Auswahl an Heulschläuchen.

Zenker verband lyrische Melodien, stürmische Riffs und atmosphärische Hilfsgeräusche auf derart beeindruckende Art und Weise, dass man zeitweise schon einmal vergessen konnte, dass bloß ein einziger Musiker für den vollen Orchestersound verantwortlich war. Zum Abschluss fegte die geniale One-Man-Band mit einer elektronisch verzerrten Hard-Rock-Kakophonie derart wuchtig durch den Saal, dass wohl selbst The Who zu ihren wildesten Zeiten den Hut gezogen hätten.

Auf ebenso hohem Niveau, aber doch gänzlich anders, ging es nach der Pause weiter mit "music made in Honnef": Das Trio "I Sea", bestehend aus Rolf Beydemüller an der Gitarre, Christian Kussmann am Bass und Christoph Schumacher "an allem, was Krach macht", entführte in lässig-entspannte, aber nicht minder kunstvolle Klangparadiese. Wie eine einzige leichtfüßige Traumwandlung durch phantastische Landschaften mutete das Programm des Trios an, und dennoch hob sich jedes Stück durch stimmungsvoll gestaltete Feinheiten ab.

Nachdem sich der anfangs mit dem lockeren "Zenit" gespannte Bogen nach rund einer Stunde mit dem schwärmerischen "Jona" (und der selbstverständlich eingeforderten Zugabe) wieder senkte, blieb das Gefühl zurück, hochtalentierten Musikern in ihrem Element beigewohnt zu haben, beim leidenschaftlichen Vortrag einer klanglich formvollendeten Herzensangelegenheit - stets zurückhaltend, einfühlsam und mit einem gehörigen Schuss Phantasie; ganz ohne forcierte Fingerakrobatik, ohne Blendwerk oder Firlefanz.

Pure Musik, aufs Wesentliche reduziert, für all diejenigen, die sich auch ohne Bombast in mystischen Klangwelten verlieren können. Der Beifall hätte kaum stürmischer ausfallen können.