Open Air-Theater am Kloster Heisterbach

Kulturgenuss an der Klosterruine

HEISTERBACH. Nach acht Jahren wurde in Heisterbach erstmals wieder Theater unter freiem Himmel gespielt. Aufgeführt wird der gesamte Ring der Nibelngen von Richard Wagner.

Insgesamt 16 Stunden, verteilt auf vier Abende, dauert der gesamte Ring des Nibelungen von Richard Wagner. Das düstere Heldenepos ist bekannterweise somit vor allem etwas für eingefleischte und hartgesottene Opernfans. Für alle anderen empfiehlt sich die Version des Kölner N.N.-Theaters: Das sechsköpfige Ensemble präsentierte die wohl bekannteste deutsche Sage am Freitagabend vor der historischen Kulisse der Klosterruine Heisterbach.

Erstmals seit acht Jahren wurde an diesem atmosphärischen Ort wieder Theater unter freiem Himmel gespielt – vor vollen Rängen: Wagners Nibelungen am Freitag, Heinrich von Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ folgte am Samstag.

Angenehm anders und erfrischend vergnüglich präsentierten die Kölner Schauspieler am Freitagabend das Heldenepos um Drachentöter Siegfried, ohne es an der nötigen Ernsthaftigkeit fehlen zu lassen: flott erzählt, tragisch, komisch und berührend zugleich, dabei spannend von der ersten bis zur letzten Minute. Und überraschend dicht dran an der Zeit. So erfährt der Zuschauer, dass man sich bereits im Mittelalter über die Niederländer ärgerte, die schon damals das Rheintal mit ihren Ochsengespannen verstopften.

Und der Brexit ist an sich auch nichts Neues, schließlich hatte König Gunther schon seinerzeit ernsthaft darüber nachgedacht, aufgrund klammer Staatskassen den „Buxit“ zu vollziehen: „Den Burgunder-Exit. Raus aus der Gemeinschaft.“ Ganze zwei Stunden dauerte das Vergnügen unter freiem Himmel, bei dem Aischa-Lina Löbbert, Irene Schwarz, Ozan Akhan, Didi Jünemann, Bernd Kaftan und Tom Simon in ständig wechselnden Rollen ihr ganzes schauspielerisches Können und komödiantisches Talent in die Waagschale warfen. „Theater für alle“ an ungewöhnlichen Orten zu präsentieren: Das hat sich die Kölner Theatergruppe zur Aufgabe gemacht.

Die Nibelungen gehören schon lange zum Repertoire: „Seit zwölf Jahren spielen wir dieses Stück, aber dieses Mal wird es etwas ganz Besonderes.“ Davon war Schauspieler Ozan Akhan vor Vorstellungsbeginn – noch in der Maske – fest überzeugt. „Die Kulisse ist fantastisch, die Umgebung auch, das passt super zu unserem Stück. Wir alle freuen uns riesig, hier spielen zu können“, sagt der unter anderem aus der Kölner Stunksitzung bekannte Kabarettist stellvertretend für seine Mitakteure.

Vor allem für den Oberpleiser Tom Simon war es ein Herzenswunsch gewesen, einmal mit seiner Truppe auf dem Klostergelände auftreten zu dürfen, nachdem er dort 2008 eine Theateraufführung der Niederdollendorfer Sproch- und Spelljrupp gesehen hatte. Nach langem Dornröschenschlaf fand die Tradition des Freilichttheaters vor der Chorruine nun eine von vielen erhoffte Fortsetzung.

In der Tat gibt es wohl kaum einen Ort, der sich für eine mittelalterliche Sage mit Drachen, Helden, Walküren und Rheintöchtern mehr geeignet hätte, als das vom Wald umgebene Klostergelände Heisterbach. Je tiefer die rund 400 Zuschauer in die düstere Geschichte um Siegfried und Kriemhild, den Burgunderkönig Gunther, seine Frau Brunhild – „Eine Frau, der glühendes Eisen in den Adern kocht“ – und den hinterlistigen Hagen von Tronje eintauchte, desto mehr glaubte man, hinter den Mauern der alten Chorruine das Klingen von Schwertern zu vernehmen. Ein Theatererlebnis, das auf eine Fortsetzung hoffen lässt.