Konzert in der Rommersdorfer Kirche

Konzert an der Wurzelkrippe ist wiedermal ein Erlebnis

Ein intensives Erlebnis für Künstler und Publikum sind die Konzerte an der Wurzelkrippe in der Anna-Kapelle.

Ein intensives Erlebnis für Künstler und Publikum sind die Konzerte an der Wurzelkrippe in der Anna-Kapelle.

ROMMERSDORF. Die Konzerte in der Anna-Kapelle im Rommersdorf sind ein Erlebnis. Besonders, wenn die Krippe aufgebaut ist und Wolfgang Bretschneider, Organist an der Münsterbasilika, an der Orgel sitzt. Unterstützt wurde er diesmal von Sopranistin Sylvia Dörnemann.

Sie sind schon ein eingespieltes Team. Professor Wolfgang Bretschneider und Sylvia Dörnemann eröffneten die Konzertreihe „Musik an der Krippe“ in der Anna-Kapelle. Der Subsidiar und Organist an der Münsterbasilika schätzt nach eigenem Bekunden die hohe Sensibilität der Rommersdorfer Orgel, und er mag es, sich vom Publikum „auf die Finger schauen zu lassen“. Sopranistin Sylvia Dörnemann, Diplom-Theologin in der Erwachsenenbildung, war wieder seine kongeniale Begleiterin. Sie begannen mit Bachs „Ich steh an deiner Krippen hier“ – die zauberhafte Stimme der Sängerin und das meisterhafte Spiel Bretschneiders verzückten die Besucher ebenso wie die besondere Atmosphäre der Kapelle mit ihrer Wurzelkrippe.

Schön auch die von Bretschneider vorgetragenen Variationen über Weihnachtslieder des französischen Komponisten Claude Balbastre, der 1760 Organist an Notre-Dame de Paris und später auch Cembalist am Hofe des Königs wurde. Kurios: 1762 untersagte ihm der Erzbischof von Paris in der Weihnachtszeit das Orgelspiel – das Volk hatte sich nämlich geweigert, anschließend die Kirche für die nachfolgenden Messen zu räumen. Es war zu tumultartigen Szenen gekommen.

Hörgenuss für das Publikum

Nach der Musik Balbastres, der im Zuge der Revolution an der Orgel seine Fantasien über revolutionäre Hymnen spielte, gab es für das Publikum weiteren Hörgenuss, etwa „Gabriels Message“ von Baring Gould, die englische Version eines ursprünglich baskischen Liedes. Der Orgel-Titel „Venite adoremus“ von Louis James Alfred Lefébure-Wély war zu hören, ein Tanzlied wie die meisten früheren Weihnachtslieder.

Ein besonderes Erlebnis: Sylvia Dörnemann setzte die Trommel ein, als sie das Stück „Personent hodie“ aus dem Jahr 1582 unter Orgelbegleitung sang. Die Noten lagern in Schweden, ursprünglich kommt die Weise aus Finnland. Anrührend vorgetragen von beiden Künstlern: das „Kindergebet“ von August Bungert, der einst im nahen Leutesdorf lebte, in einer ihm von Dichterin Carmen Sylva übereigneten Villa. Aber auch Weihnachtsklassiker fehlten nicht.

Mitsingen des Publikums war ausdrücklich erwünscht

Das Lied „Es ist ein Ros entsprungen“ spielte Bretschneider an der Orgel in der Version Brahms' und zusammen mit der Sängerin in der von Friedrich Reimerdes verfassten Komposition, einem Mann des 20. Jahrhunderts. Von dessen russischem Zeitgenossen Vladimir Vavilov gelangte das „Ave Maria“ zur glänzenden Aufführung. Das Mitsingen des Publikums war ausdrücklich erwünscht bei „O du fröhliche“. Am Schluss gab es zwar keinen Tumult wie weiland in Paris, aber eine Zugabeforderung. Bretschneider erzählte eine humorvolle Geschichte: Es sollte nicht nur das Osterlachen, sondern auch das Weihnachtslachen geben.