Musikkultur in Bad Honnef

Kompromissloser Rock „op Selef“

BAD HONNEF. Drei Bands spielen zum Auftakt der neuen „Hautnah“-Reihe im Selhofer Saal Kaiser. Eine Fortsetzung der "Rocknacht"-Konzerte ist spätestens für den kommenden Sommer geplant.

Eine Lücke im kulturellen Angebot Honnefs ist geschlossen: Selhof hat seinen eigenen Miniatur-Rockpalast. Denn die allererste Ausgabe der „Rocknacht op Selef“, veranstaltet vom Kleinkunstkeller „hautnah“ in Kooperation mit der Firma LaPrî, rockte. Und zwar laut, sehr laut. Doch der altehrwürdige Saal Kaiser blieb trotz des ekstatischen 70er-Jahre-Rock von „Midnight Recovery“, des rauen, destillierten Hardrock von „Part of the Crowd“ und des dreckigen Southern Rock der Black-Stone-Cherry-Coverband „White Trash Millionaires“ stehen. Drei Bands, mehrere Dutzend Dezibel, ein kompromissloser Rock-Abend. Und ein Event, das nach Ausgabe Nummer zwei verlangt.

Gefackelt wurde nicht lange: Kunstnebelschwaden stäubten durch den Saal Kaiser, als „Midnight Recovery“ die Bühne stürmten. Ins rot-grün-blaue Scheinwerferlicht getaucht, röhrte Sänger „Sander“ voller Power den Beatles-Hit „Come Together“ ins Mikrofon – in der rockigeren Joe-Cocker-Version, versteht sich. Oliver Weißkopf, Steffi Kurth, Joachim Langbein und Bart Schell preschten derweil an Gitarre, Keyboard, Bass und Schlagzeug vor; Ben Schell schwang sich als Gastmusiker die zweite Gitarre um den Hals. „Der nächste Song ist von Deep Purple“, kündigte Sander dann an. „Und nein, es ist nicht 'Smoke On The Water'.“

Stattdessen das ebenso ruhige wie emotionale „When a Blind Man Cries“ vom 1973 erschienenen Album „Machine Head“, das sich allmählich zum spannungsgeladenen Crescendo aufwiegelte. Nicht nur 70er-Rock, auch Moderneres hatten „Midnight Recovery“ im Gepäck, etwa „High and Dry“ von Radiohead aus 1995 oder „Fuck U“ von der britischen Trip-Hop-Gruppe Archive aus 2004. Und zu guter Letzt Golden Earrings berühmtes Evergreen „Radar Love“ als umjubeltes Setlist-Finale.

Dann kamen die Nachwuchs-Lokalmatadoren von „Part of the Crowd“: vier Vollblut-Rocker, drei Rockermähnen, ein nackter Oberkörper und 100 Prozent Power. Altbekannte Publikumslieblinge wie „To the Streets“ und „Age of Rock“ hatten Martin Siemes, Janik Langbein, Linus Grün und Johannes Mertesacker ebenso mitgebracht wie neue Songs à la „Assassin“ und „I'll Be Back“.

Musiker machten nach dem Abi eine kreative Pause

Letzterer handelt von der Heimkehr nach einer langen Reise – in Anspielung an die kreative Pause, die die Band einlegte, als sich die Mitglieder nach dem Abitur im Ausland verstreuten. „Aber jetzt sind wir zurück und besser drauf denn je“, sagte Siemes.

Dynamischer und kreativer seien ihre neuen Songs nun, aber noch immer gewaltig, so der Frontmann, der auch an diesem Abend wieder alles gab, kreischte, schrie und knurrte, bis seine Stimmbänder nicht mehr konnten. Wuchtig und beinhart die Riffs, donnernd das Schlagzeug, mächtig der Bass – ein bisschen AC/DC, ein bisschen Airbourne, ein bisschen Blues-Hardrock.

Hardrock vom Feinsten

„I wanna be a white trash millionaire, ain't got much and I don't care...“ Ja, das war Black Stone Cherry in Reinform. Ob „Me and Mary Jane“, „Rain Wizard“ oder das namensgebende „White Trash Millionaire“, die Coverband aus Bonn überzeugte auf voller Linie. Und das, obwohl die Tribute-Formation, bestehend aus Max Scheer (Gesang), Björn Donath (Gitarre), Mario Kleine (Bass) und Jens Fischer (Schlagzeug), gerade erst die Neugründung und fünf Probetermine hinter sich hat – der Auftritt bei der Rocknacht war ihr allererstes Konzert. Doch was ist auch anders zu erwarten, wenn sich vier befreundete Profimusiker zusammentun, um eine ihrer Lieblingsbands zu covern?

Das Publikum liebte es, saugte die Musik mit gezückten Handys förmlich in sich auf. Ein würdiges Finale, lautstarker Applaus, das machte Lust auf mehr – fanden auch die Veranstalter. Für nächsten Sommer sei bereits eine Rock-Folk-Nacht in Planung, verriet Rainer Hombücher vom Kleinkunstkeller „hautnah“, ebenso ein Konzert mit Anne Haigis. Im wahrsten Sinne des Wortes also: Bad Honnef rockt.