Hausbesuch in Bad Honnef

Komfortables Quartier für den Kurfürst

BAD HONNEF. Die Treppe knarzt. Sie darf auch ächzen, schließlich ist diese Wendeltreppe die älteste im ganzen Rheinland. Sogar eine Magisterarbeit ist über diese Konstruktion geschrieben worden. Wer mag sie schon alles genutzt haben? Für die Zeit seit 1966 steht das klipp und klar fest. Drei Generationen Menzel gehen über die Stiege, die im Haus Kirchstraße Nummer 8 das Ladengeschäft der Kunsthandlung Menzel mit der Wohnung des Senior-Chefs und dessen Ehefrau Käthe in der Beletage verbindet.

"Ich könnte mir gar nicht mehr vorstellen, in einem modernen Gebäude zu leben", sagt Günter Menzel. Als er 1952 als Vertriebener aus dem Riesengebirge nach Bad Honnef kam und eine Anstellung bei Malermeister Jossen fand, verliebte er sich auf Anhieb in das Haus seines Meisters, das eines der ältesten Gebäude Honnefs ist. 1966 erfüllte sich ein Traum: Günter Menzel (82) zog mit seiner Familie ein, erwarb das Domizil etwas später und erneuerte die Fassade im Stil der Gründerzeit.

Eine antike Haustür setzte er ein, verlegte antiquarische Platten aus Aachener Blaustein im Geschäft, das er 1990 an Sohn Manfred (56) weitergab. Mit Enkel Marc (35) ist auch bereits die Nachfolge gesichert. "Dieses Haus hat ein ganz besonderes Flair", sagt Marc Menzel, der mit dem Vater in dieser gediegenen Atmosphäre die Kunden berät und deren Wünsche rund ums Bild von der Anschaffung über die Einrahmung bis hin zur Restaurierung erfüllt.

Überliefert ist, dass Anton Jossen nach seinem Einzug 1878 im Keller einen Gang zum Hontes entdeckte und ihn zuschüttete. Es existierte dort unten auch ein Brunnen. Direkt daneben gründete ein 14 Meter hoher Eichenstamm als Treppenpfosten. Als einst die ein Meter dicken Wände des Hauses im Ober- und Untergeschoss hochgezogen wurden, muss dieser Stamm aus dem Bau herausgeragt haben, bis das Dach über dem Fachwerkgiebel mit Schiefer gedeckt war.

Das war schon etwas Besonderes. In Honnef gab es abgesehen von der Kirche damals nur Fachwerkbauten mit Strohdächern. An dem massiven Gemäuer fanden die Menzels schwarze Spuren. Sie dürften als Indiz gelten, dass 1689 bei der Brandschatzung durch die Franzosen auch dieses Haus gelitten hat. Das Feuer konnte den Mauern nichts anhaben, aber dem Holz. Vermutlich wurden nach der Katastrophe die für den Barock typischen Kölner Decken mit den Eiche-Balken und floralen Stuckelementen eingesetzt. Ein grüner Kachelofen ist im Ladenlokal ebenso vorzufinden wie Bleiglasfenster mit Handwerksmotiven.

Aber es waren nicht immer Handwerker, die hier lebten. Heimatforscher Adolf Nekum ist es zu verdanken, dass nicht nur die jüngere Geschichte dieses Schatzkästchens bekannt ist. Das Haus ist mit Sicherheit eine adlige Gründung. Die Honnefer nannten es den "Steinernen Strunk". Die Jahreszahl "1549" wurde unter der Ägide der Familie Jossen über dem Rundbogenfenster des Giebels angebracht. Vielleicht hatten sie diese Ziffer bei Restaurierungsarbeiten irgendwo vorgefunden. Nekum stellte die Hypothese auf, dass Carell Francoit, der 1561 als Richter und Rentmeister in Honnef urkundlich erwähnt ist, als Bauherr in Frage kommt. Eine Lageskizze von 1680 weist das heutige Menzel-Haus eindeutig als Gerichtsschreiberhaus aus.

Zu diesem Zeitpunkt war Johann Ley bereits seit 42 Jahren in dieser Funktion in Honnef tätig. Der als großer Wohltäter der Kirche bekannte Mann verkaufte 1683 den "Strunk" an seinen Nachfolger Johann Matthias Steffens. Ley hatte zunächst Pfarrer Petrus Colenius als nächsten Nachbarn. 1670 zog der berühmte Pfarrer und Chronist Franz Xaver Trips in das Gebäude nebenan. Viel mehr gab es dort neben dem Hontes und der Kirche auch nicht. Steffens und Trips schätzten sich und verzichteten beide auf bessere Pfründe andernorts wegen dieser Freundschaft.

Angetragen wurden ihnen diese "Beförderungen" vom Kurfürsten, der jährlich nach Honnef zur Wildschweinjagd kam. Dann logierte er im oberen Saal des Gerichtsschreiberhauses, im Kurfürstenzimmer, in dem heute Menzel senior sein Wohnzimmer hat. Dass einst Sohn Johannes der Patrizierfamilie Steffens das Haus als eine Art Kerker bezeichnete, ist heute in dem gemütlichen Ambiente nicht nachzuvollziehen. Und es hat etwas, über Stufen aus Eiche mit Lilien-Verzierung zu gehen, die seit über 400 Jahren Bewohner und Besucher des Hauses tragen.

Um 1800 wurde der Nachlass der Familie Steffens unter den Erben aufgeteilt und auch der "Steinerne Strunk" verkauft. Das Handwerk zog ein. Eigentümer waren anschließend die Wirte und Bäcker Gottfried Tillmann und Johann Besgen, der Schiffer, Winzer und Bierbrauer Heinrich Schraf sowie Metzger Johann Schwarz, ehe 1878 Anton Jossen eine Glas-, Farben- und Tapetenhandlung hier einrichtete. 135 Jahre geht es im "Steinernen Strunk" also nun schon um "Schöner wohnen", wo zuvor mehrere Jahrhunderte lang der Gerichtsschreiber amtierte.

Hat Ihr Haus eine Geschichte? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail (siebengebirge@ga-bonn.de) oder rufen Sie uns an unter der Rufnummer 02224/9020825.