Sicherheit geht vor

Kein Karnevalszug in Honnefer Fußgängerzone

Bad Honnef. Der Siebengebirgszug führt aus Sicherheitsgründen auch im dritten Jahr nicht durch die enge Fußgängerzone. Nicht überall sorgt die Entscheidung für Begeisterung.

Seit dieser Woche ist es amtlich: Auch in der aktuellen Session wird der Bad Honnefer Karnevalszug nicht durch die Fußgängerzone ziehen. Zu eng, zu viel Gedränge, kein Durchkommen im Notfall: Nicht zuletzt Polizei und Rettungsdienste hatten Bedenken, dass sich das jecke Fußvolk durch den Engpass zwischen oberer Hauptstraße und Marktplatz zwängt. Die Stadt pflichtete bei und genehmigte den Zugweg nicht.

Besonders enttäuscht darüber ist die Karnevalsgesellschaft (KG) Halt Pol, die das Siebengebirgs-Dreigestirn stellt. „Das ist ungefähr so, als würde der Kölner Zug nicht über den Alter Markt gehen dürfen. Ein Karnevalszug gehört ins Herz der Stadt“, so KG-Präsident Jörg Pütz. Genau deshalb hatte das Festkomitee Bad Honnefer Karneval um den Vorsitzenden Stefan Jungheim beantragt, den Zoch nach zwei Jahren wieder durch die Fußgängerzone gehen zu lassen.

Baustelle ursprünglicher Auslöser für Umleitung

Wie berichtet, führt der Zugweg erstmals vor zwei Jahren nicht durch die City. Grund war die Kanalbaustelle. Aber auch 2017, nach Ende der Bauarbeiten, wurden Fußgängerzone und Markt umgangen – mit Verweis auf die Sicherheitsbedenken. Dass sich das auch für dieses Jahr abzeichnen würde, habe sich schon im Dezember angedeutet, so Jungheim zum GA.

Seinerzeit hatten Ordnungsamt, Polizei, Rettungsdienste und Festkomitee-Vertreter im Rathaus zusammengesessen. Ergebnis: Eine Genehmigung für die Fußgängerzone war mehr als fraglich.

Bedenken meldete unter anderem die Polizei Bonn an, bestätigte Pressesprecher Simon Rott. Gegen den Zugweg spreche unter anderem die „Fluchtwegproblematik“. Denn, so Rott: „Es gibt dort so gut wie keine seitlichen Zuwege.“ Bad Honnefs Stadtsprecherin Christine Pfalz ergänzte: „Es ist sehr eng, die Zuschauer bleiben nicht zurück. Aber wenn etwas passiert, kommen die Rettungsfahrzeuge und die Helfer nicht durch.“

Die von den Vereinen vorgeschlagenen Drängelgitter sind laut Rott keine Lösung: Dann werde es vor den Häusern noch enger – und das Problem der fehlenden Fluchtwege bleibe. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass ein alternativer Weg zu befürworten sei, so Pfalz. Die entsprechende Genehmigung erging in dieser Woche.

Karnevalisten sind enttäuscht

Damit wurden Fakten geschaffen, die manchem Karnevalisten nicht gefallen, wie Pütz betonte: „Wir sind schon sehr enttäuscht. Es ist sehr, sehr schade, dass der Zug sozusagen an der Innenstadt vorbeigeht.“ Warum der Weg durch die Fußgängerzone auf einmal so gefährlich sein soll, nachdem der Zoch viele Jahre dort gegangen sei, sei für ihn kaum nachvollziehbar. Ein „Haupthindernis“ für große Wagen – ein Schild am ehemaligen Uhren Stang – sei beseitigt, Gitter hätten sicher die Sicherheit erhöht.

„Es ist immer mehr so, dass die öffentliche Hand den Karneval kaputtmacht,“ ärgert sich Pütz. Immer mehr Vorschriften hätten immer höhere Kosten für die Durchführung von Veranstaltungen und Zügen zur Folge. Pütz: „Da ist es doch kein Wunder, wenn viele Vereine irgendwann sagen: Das können wir nicht mehr.“

Man sei guten Willens, das Brauchtum zu pflegen und den Jecken Freude zu bereiten, so der Halt-Pol-Präsident. Aber das werde den Aktiven immer schwerer gemacht.

Jungheim: "Sicherheit geht vor"

Jungheim, der 2012 mit seiner Frau Andrea als Siebengebirgs-Prinzenpaar die Narren regierte und damals selbst den Zug in der Bad Honnefer Fußgängerzone genoss, kann die Enttäuschung sehr wohl verstehen: „Das ist etwas Besonderes, keine Frage. Dieses Erlebnis hätten alle dem aktuellen Dreigestirn sehr gegönnt.“ Aber er meint auch: „Sicherheit geht vor.“ Die Meinungen zur Alternativroute seien im Festkomitee gespalten, viele sähen sie „nicht nur negativ, dort ist es etwas entspannter“. Das gelte nicht zuletzt für die Wagenengel.

Was den Zugweg angeht, hat Jungheim auch eine gute Nachricht: Da an der Schulstraße momentan eine Baustelle ist, hatte die Stadt eigentlich vorgesehen, auch diese zu umgehen. Das sei nun nicht nötig; wie schon beim Martinszug werde die Straße begehbar gemacht. So könne der Zug „normal“ durch Selhof ziehen.

Noch eine Änderung in punkto Sicherheit gibt es bei der After-Zoch-Party im Kurhaus: Damit sich die Besucher nicht wie im Vorjahr auf der Straße tummeln, werden Absperrungen aufgebaut.