Kommentar zu Fahrradwegen

Katastrophale Situation für Radfahrer im Siebengebirge

Ein Geisterrad und ein weißes Holzkreuz an der L268 erinnern an den im Januar tödlich verunglückten Rennradfahrer.

Ein Geisterrad und ein weißes Holzkreuz an der L268 erinnern an den im Januar tödlich verunglückten Rennradfahrer.

Siebengebirge. Die Situation für Fahrradfahrer im Siebengebirge ist äußerst beklagenswert und muss verbessert werden. Dazu mahnt und verpflichtet auch der tragische Tod von Stephan Martini. Ein Kommentar von GA-Redakteur Hansjürgen Melzer.

Der ADFC hat vollkommen Recht. Die Situation für Fahrradfahrer im Siebengebirge ist katastrophal. Wer vom Königswinterer Talbereich in die Bergregion möchte, wird im Rad Verkehrsnetz über den Fahrweg von der L 331 zur Rosenau und den Mantelweg geschickt, weil eine Nutzung der gerade sanierten Landesstraße ein echtes Himmelfahrtskommando ist.

Auf dem Anstieg zur Rosenau fühlt er sich dann wie auf einer Alpenetappe, was für sportliche Fahrer nett sein mag, für den Radfahrer im Berufsverkehr oder den Freizeitradler aber ein Ärgernis ist. Das Gleiche gilt für die L 268. Auf der Straße ist es dort ebenfalls zu gefährlich und der kombinierte Rad-/Gehweg ist für Begegnungsverkehr zu schmal und zusätzlich meist verschmutzt. Also suchen sich die Radfahrer Wald- und Wiesenwege, die bei Matsch aber kaum befahrbar sind.

Wer mit dem Rad von Bad Honnef nach Aegidienberg möchte, dem geht es nicht viel besser. Denn er muss – wenn er sein Leben nicht auf der Schmelztalstraße riskieren möchte – notgedrungen über Selhof das Mucherwiesental hochstrampeln.

"Ignoranz des Landes ist erschreckend"

Da ist die jüngste Initiative der Stadt Königswinter, beim Land zu insistieren, zwar gut, kommt aber höchstwahrscheinlich viel zu spät, weil die L 268 und die L 331 gerade saniert wurden. Die Ignoranz des Landes ist da einfach nur erschreckend.

Beim Copenhagenize Index, nach dem Städte für ihre Bemühungen, das Fahrrad als Verkehrsform zu etablieren, bewertet werden, lägen die beiden Siebengebirgsstädte sicher ganz weit hinten. Dabei erwartet im Autoland Deutschland niemand eine Infrastruktur wie in der dänischen Hauptstadt, wo es breite Wege, eine grüne Welle und sogar Mülleimer in der richtigen Höhe für Radfahrer gibt. Es ist aber allerhöchste Zeit, dass sich alle Verantwortlichen endlich stärker für die schwächeren Teilnehmer am Straßenverkehr einsetzen. Dazu mahnt und verpflichtet auch der tragische Tod von Stephan Martini.