Löwendenkmal der Girardeallee

Künftiger Standort ist der Stadtgarten

Umzug in die Werkstatt: Günter Döhnert bedient den Bagger, Hilmar (verdeckt) und Klaus Roese (r.) nehmen den Löwen in Empfang.

BAD HONNEF. Der schlafende Löwe hat das Fliegen gelernt: Am Mittwochmorgen nahm ein Bagger die von der Patina der Jahrzehnte verdunkelte Muschelkalk-Skulptur an der Girardetallee an den Haken, und sie trat die Reise zum Restaurator an.

An den alten Platz zurückkehren wird der Löwe, der rund vier Tonnen wiegt, nicht. Nach fachmännischer Aufarbeitung soll der gut 2,70 Meter lange und 80 Zentimeter breite steinerne König der Tiere samt seinem Sockel im Park an der Alexander-von-Humboldt-Straße neu enthüllt werden.

Im März soll es soweit sein, berichtete am Mittwoch Diether Habicht-Benthin, Vize-Vorsitzender der Initiative für Wirtschaft Bad Honnef - "passend zur Krokusblüte drum herum". Wie berichtet, hatte die Initiative, die auch das Projekt mit Tausenden Krokussen auf Honnefs Grünflächen unter ihren Fittichen hat, beantragt, das Denkmal zu restaurieren. Der Löwe, entstanden in den 20er Jahren und seit den 60ern nahe der B 42 platziert, sollte zudem einen würdigeren Platz bekommen. Die Skulptur, in ihrer Symbolik typisch für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, habe bis heute einen Stellenwert im kollektiven Gedenken, etwa jährlich beim Volkstrauertag.

Der Löwe beschäftigte auch die Schüler der Klasse 9 a der Realschule Sankt Josef: Unter anderem an seinem Beispiel gingen sie Fragen zu Krieg und Gedenken nach. In einem fächerübergreifenden Projekt bearbeiteten sie Entstehungsgeschichte und Symbolik und erörterten die Frage, welchen Stellenwert Denkmäler und Gedenken heutzutage in der Gesellschaft haben. Ihr Projekt mündet in einer Ausstellung, die vom 12. Januar an im Rathaus gezeigt wird.

Mit Lehrerin Nataly Weinbeer beobachteten die Jugendlichen gestern, wie Günter Döhnert und Alfred Rein den Löwen mit viel Fingerspitzengefühl mit dem Bagger-Ausleger vom Sockel hievten und auf den Transporter des Steinmetzbetriebes von Hilmar und Karl Roese verluden. In den kommenden Wochen folgen noch der Sockel und die Stufen.

Alle Teile des Denkmales aus Würzburger Muschelkalk werden laut Hilmar Roese nun zunächst gereinigt, auf Schadstellen untersucht, gegebenenfalls ausgebessert und hydrophobiert. Letzteres ist eine Art besonderer Imprägnierung. Dasselbe Prozedere lassen die Fachleute dem Sockel angedeihen; auch wird die Inschrift wieder hergestellt.

Ermöglicht wurde die Aktion - Habicht-Benthin schätzt die Kosten auf 10.000 Euro - durch Privatsponsoren. Allen voran sind dies Juppi Pütz und Familie sowie Renate Westhoven, die damit ein Anliegen ihres verstorbenen Mannes Siegfried Westhoven in die Tat umsetzt und gestern ebenfalls zur Girardetallee gekommen war. Habicht-Benthin dankte auch Uwe Westhoven und Matthias Hupperich, deren Firma den Transport übernimmt.

Uwe Westhoven gab das Kompliment zurück: "Das war ein richtiges Stück Detektivarbeit", sagte er an die Adresse Habicht-Benthins. Schließlich habe vor der Aktion vieles geklärt werden müssen, sogar mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege wurde alles abgestimmt. Nicht zuletzt musste mit der Stadt ein besserer Ort gefunden werden. Das sei gelungen, meinte auch Bürgermeister Otto Neuhoff: "Löwen lieben es ruhig - vor allem wenn sie schlafen."