Löwendenkmal in Bad Honnef

Initiative beantragt Restaurierung und Versetzung

Seit den 60er Jahren steht das Löwendenkmal am Ende der Girardetallee. Die Initiative Wirtschaft möchte es versetzen lassen.

BAD HONNEF. Es trägt die Nummer A 263 in der Denkmalliste der Stadt Bad Honnef: das Löwendenkmal an der Girardetallee. Geht es nach der Initiative Wirtschaft für Bad Honnef, soll das Ende der 20er Jahre errichtete Denkmal restauriert und versetzt werden.

Diesen Antrag hat die Initiative bei der Stadt gestellt, bestätigte Verwaltungs-Mitarbeiter Adalbert Fuchs. "Das Löwendenkmal ist in einem beklagenswerten Zustand", heißt es im Antrag. Und: Auf die Stadt kämen keine Kosten zu. Sie seien gedeckt durch Sponsoring.

Der Zeitpunkt des Antrages kommt nicht von ungefähr, so Vize-Vorsitzender Diether Habicht-Benthin: Insbesondere "in Anbetracht des hundertjährigen Gedenkens" an den Beginn des Ersten Weltkrieges, der 17 Millionen Menschen das Leben kostete, sei es "nicht hinnehmbar", dass ein Denkmal verfalle.

Auch, wenn es sich "nicht mehr unserer heutigen Sprache bedient", so Habicht-Benthin, sei es doch "Teil der Erinnerungskultur". Der Antrag: "Die vormals vergoldete Aufschrift ist unleserlich geworden, die Fugen des Sockels zerbröseln, alle Bestandteile bedürfen dringend der Reinigung von Staub, Flechten und Algen. Und der Platz am lauten Straßenrand der B 42 ist heute kein akzeptabler Ort des Gedenkens mehr." Habicht-Benthin: "Das einzige Weltkrieg-I-Denkmal vergammelt am Straßenrand."

Die Symbolik des schlafenden, nicht aber geschlagenen Löwens, diesen Schluss zieht Dietrich Gülow in der dem Antrag beigefügten Dokumentation, sei Sinnbild auch der Empfindungen der Deutschen nach I. Weltkrieg. Vor dem Wissen um die weitere Historie und Deutschlands Rolle im II. Weltkrieg mag das bedrücken.

Zugleich hat das Denkmal einen festen Platz in der kollektiven Trauer. Jährlich zum Volkstrauertag gehört es, wie die Gedenkstele auf dem Jüdischen Friedhof Auf der Helte, der Ehrenteil des Neuen Friedhofes und jener auf dem Friedhof Aegidienberg, zu den Orten, an denen Bürgermeister und Stadtrat gedenken. Zuletzt am 16. November 2013 wurde dort ein Kranz niedergelegt.

Der heutige Standort ist nicht der ursprünglich geplante. Mehrfach wurde das Denkmal wegen städtebaulicher Änderungen versetzt. Heute bröselt der "schlafende Löwe" vor sich hin. Als Standort schwebt der Initiative der "Stadtgarten" Alexander-von-Humboldt-Straße vor. Die Verlegung werde von der Firma Hupperich & Westhoven übernommen gemeinsam mit dem Steinmetzbetrieb Roese GbR, so Habicht-Benthin. Erhoffter Zeitpunkt: bis zum Volkstrauertag 2014.

Ob dieser Zeitrahmen gehalten werden kann, vermochte Fuchs nicht zu sagen. Man stehe dem Antrag im Rathaus positiv gegenüber, werde die Gremien einbinden. "Grundsätzlich keine Bedenken" hat auch das Amt für Denkmalpflege im Rheinland beim Landschaftsverband Rheinland (LVR), so Gundula Lang, Konservatorin und Gebietsreferentin für den Rhein-Sieg-Kreis.

Entscheiden müsse die Stadt. Das Fachamt, mit dem nach dem Denkmalschutzgesetz NRW Einvernehmen herzustellen ist, werde eingebunden. Im Regelfall gelte für Denkmäler, dass sie an einen Ort gebunden seien, so Lang. Liege keine unbedingte Bindung vor, sei Versetzung möglich.

Lang: "Es wäre dann schön, das Denkmal fände einen würdigen Platz." Sie empfahl, Fachleute einzubinden, um Notwendigkeiten und Möglichkeiten von Reinigung und Restaurierung sehr genau zu prüfen. Lang abschließend: "Wir sind sehr dankbar für bürgerschaftliches Engagement in der Denkmalpflege."

Das Löwendenkmal

Das Denkmal geht zurück auf das nach dem I. Weltkrieg aufgelöste Rheinische Fußartillerie-Regiment Nr. 8, dessen ehemalige Angehörige sich der Vereinigung der 8. Rheinländer mit Sitz in Köln anschlossen. Deren Angehörige trafen sich erstmals im Mai 1926 in Bad Honnef. Dabei wurde zu Spenden für ein Denkmal aufgerufen.

Für dessen Aufstellung hatte die Stadt ein Gelände am Korferberg im Blick. 1927 wurde das Denkmal provisorisch am Rhein nahe der Austraße aufgestellt und enthüllt. Der Entwurf von Kunstprofessor Kreis wurde umgesetzt von Bildhauer Kübler.

Als sich das geplante Ehrenmal am Korferberg aus finanziellen Gründen nicht realisieren ließ, blieb es bei dem Standort. Der Löwe wurde auf einen Sockel gesetzt; Einweihung und Übergabe an die Stadt waren am

9. Juni 1929. Jährlich wurde der Gefallenen gedacht. Der Brauch wurde bald nach dem II. Weltkrieg fortgeführt, dann folgte das Gedenken am Volkstrauertag. Das Denkmal wurde mehrfach versetzt, 1964 an seinen heutigen Standort.