Kapelle an Sankt Josef

Honnefer nehmen Abschied von Schulkapelle

BAD HONNEF. Weihbischof Ansgar Puff schloss die Tür für immer. Die Kapelle an Sankt Josef gehört zu den Gebäuden, die dem bevorstehenden Neubau der erzbischöflichen Gesamtschule Platz machen müssen.

Fast 110 Jahre ist es her, dass in der Schulkapelle von Sankt Josef der erste Gottesdienst gefeiert wurde. Am Dienstag fand der letzte in dem kleinen Gotteshaus statt, in dem Generationen von Schülern „ihren Glauben erfahren haben“, wie Bernadette Schwarz-Boenneke, Hauptabteilungsleiterin Schule/Hochschule beim Erzbistum Köln, erinnerte. Die Geistlichkeit, allen voran Kölns Weihbischof Ansgar Puff, und die Schulfamilie nahmen mit einem besonders gestalteten Gottesdienst Abschied von der Kapelle. Sie wird demnächst abgerissen. An Stelle der heutigen Schule entsteht der Neubau für die erzbischöfliche Gesamtschule.

Wie berichtet, werden an Stelle der im Jahr 1900 gegründeten Schule, die Anfang der 90er Jahre in die Trägerschaft des Erzbistums Köln überging, ein neues Gebäude sowie eine Turnhalle errichtet. Realisiert werden Abriss und Neubau in Etappen. Dem Krankenhaus zugewandt entsteht im ersten Bauabschnitt das neue Schulgebäude. Nach dessen Fertigstellung wird – wie zuvor die Turnhalle – das alte Hauptgebäude abgerissen; dort wird die neue Turnhalle gebaut. Insgesamt gut 30 Millionen Euro lässt sich das Erzbistum das Projekt kosten. Veranschlagt ist eine Bauzeit von etwa zwei Jahren.

Als erstes werden die Fenster ausgebaut

Mit der zeremoniellen Profanierung der Kapelle durch den Weihbischof endete zuvorderst ein Stück Schulgeschichte. „Dieser Raum, egal in welchem Zustand, hat zu allen Zeiten das Schulleben von Sankt Josef nachhaltig geprägt. Hier wurden unzählige Gottesdienste gefeiert, hier ist die Keimzelle unseres Wirkens und Tuns“, erinnerte Schulleiter Stefan Rost. Sichtbar wird der Beginn einer neuen Zeit an Sankt Josef schon an diesem Mittwoch: Der Rückbau der Kapelle beginnt mit dem Ausbau der kunstvollen Chor- und Kirchenschifffenster.

Die Fenster der Kapelle werden ebenso wie der Altar, Figuren und Bilder beim Erzbistum Köln aufbewahrt – laut Rost verbunden mit der Hoffnung, dass einiges zurückkehrt und in der neuen Schule wieder sichtbar sein wird. „Heute nehmen wir zwar endgültig Abschied von unserer Schulkapelle, aber wir wollen uns an diesen Raum immer auch ein Stück erinnern können. Damit dies gut gelingt, sollen einige Elemente der Schulkapelle in das neue Gebäude integriert werden.“

Eine Möglichkeit biete eventuell der „Raum der Stille“, der im neuen Schulgebäude entstehen wird. Und auch das denkmalgeschützte Haus Magdalena, dessen Hauskapelle ebenfalls durch die Schule genutzt und ein Ort für innere Einkehr und Gebet sein wird. Die Schulgottesdienste hingegen finden künftig in der Pfarrkirche Sankt Johann Baptist am Markt statt, im guten Miteinander von Schule und Pfarrgemeinde, so das Erzbistum.

Figur des Schutzpatrons zieht ins Schulfoyer

Definitiv nicht nach Köln umziehen wird die Statue des Schutzpatrons Sankt Josef: Die kunstvoll geschnitzte Holzskulptur wurde am Ende der Zeremonie in einer feierlichen Prozession aus der Kapelle getragen. Der Patron wird während der Bauzeit im Foyer über die Schulfamilie wachen.

Die Messdiener räumten gemeinsam den Altarraum aus, deckten den Altar ab und löschten das ewige Licht. Ansgar Puff entnahm die konsekrierten Hostien aus dem Tabernakel. Nach der Entnahme des Allerheiligsten wurde die Tür der Kapelle endgültig geschlossen und versiegelt.

„Wo wohnt Gott?“ Mit dieser Frage hatte sich der Weihbischof in seiner Predigt vor allem an die Schüler gewandt. „In unseren Herzen“, „überall“, „im Himmelreich“ – die Kinder gaben zugleich die Antwort auf die Frage, ob Gott ein Haus braucht. Sicher, es sei „gut, dass es einen Raum gibt. Aber Gott bleibt bei Euch. Er sitzt nicht irgendwo und bewegt sich nicht“, so Ansgar Puff.

Auch Schulseelsorger Torsten Kürbig erinnerte daran, dass nicht die Mauersteine der Kirche entscheidend seien, dass der Glaube lebendig sei: „Die Kirche, die Jesus gegründet hat, besteht vor allem aus lebendigen Steinen“ – aus Schülern, Lehrern, Mitarbeitern und Eltern.

Die Schule bleibe auch in Zukunft ein „Kirchort, an dem die frohe Botschaft durch die Begegnungen von Schülern und Lehrern und durch das tägliche Tun fassbar wird“, ergänzte Rost. Dies bekräftigte niemand mehr als die Kinder selbst. Für ihre Lieder, darunter das gesungene Glaubensbekenntnis, ernteten der Schulchor der Klassen fünf und sechs sowie die Klasse 5 b, geleitet von Birgit Herrmann, und die evangelische Religionsgruppe von Rhea Scheel Beifall der Gottesdienstbesucher im noch nicht profanierten Kirchenraum.