Projekt von „Mosaic“

Honnefer bauen ein Haus in Südafrika

Bad Honnef. Die Bad Honnefer Klaus Tafel und Ulrike Prinz-Tafel haben mit Freunden bei einem Projekt von „Mosaic“ mitgeholfen. Beeindruckt zeigten sie sich vor allem von der Herzlichkeit der Menschen in Südafrika.

Zwischen Hotel und Baustelle liegt nur eine 20-minütige Autofahrt. Doch die trennt zwei Welten: Wohlstand und Sicherheit hier, Armut in den Wellblechhütten dort. Es ist dieser Gegensatz, der eine Gruppe von 14 Bad Honnefern auch im Nachhinein darin bestärkt, wie richtig die Entscheidung war, nach Südafrika zu reisen, um zu helfen. Bei Paarl in Südafrika packten sie zusammen zwei Wochen lang kräftig mit an, um einer Familie aus einem Township ein Heim zu bauen.

Die Eindrücke wirken nach. „Die Menschen dort, die viel weniger haben, sind viel glücklicher als wir. Und das Wenige, das sie haben, wird geteilt“, berichtet Klaus Tafel. In der kommenden Woche berichtet er in einem Vortrag in der Parkresidenz von dem Einsatz – „als Dankeschön vor allem an die Spender, die uns so toll unterstützt haben“.

2015 war seine Tochter Teresa nach dem Abitur als Freiwillige des Deutsch-Südafrikanischen Jugendwerks mit Sitz in Bad Honnef nach Südafrika gegangen, verbrachte dort ein Jahr und nahm am Programm „Weltwärts“ der Partnerorganisation „Mosaic“ teil. Ulrike Prinz-Tafel und Klaus Tafel besuchten ihre Tochter – und waren so beeindruckt, dass sie beschlossen, ebenfalls zu helfen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Das Konzept von „Mosaic“ basiert auf Hilfe zur Selbsthilfe. Familien aus den Townships erhalten feste Häuser. Finanziert werden diese aus Spenden. Im Gegenzug verpflichtet sich jede Familie, ein bis zwei Waisen aufzunehmen; oft handelt es sich um Aidswaisen. Weitere Bedingung: Die Kinder müssen eine Schule besuchen. Die Pflegeväter, oft Verwandte der Waisen, helfen beim Bau der Häuser mit. Die Pflegemütter fertigen Kunsthandwerk, das im „Mosaic“-Laden verkauft wird. So tragen sie zum Einkommen der Familien bei.

Für die Häuser zahlen die Familien eine geringe Miete, so dass Kosten für Strom und Wasser über „Mosaic“ gedeckt sind. Freiwillige wie Teresa Tafel betreuen die Kinder, beaufsichtigen Hausaufgabenzeiten oder organisieren Ferienprogramme. Und sie helfen beim Bau der Häuser. Fachleute gießen die Bodenplatten und legen die nötigen Anschlüsse.

Sprachunterricht in der Mittagspause

Die Tafels und Freunde beschlossen, selbst aktiv zu werden. Im Wortsinn. Nicht nur, dass die Gruppe mit Unterstützung von Bekannten, Kollegen und weiteren Privatleuten beachtliche 15 000 Euro Spenden einwarb, die ohne jeden Abzug an „Mosaic“ gingen und für die Finanzierung eines Hauses reichten. Auf eigene Kosten reisten Ulrike Prinz-Tafel und Klaus Tafel mit ihrer jüngeren Tochter Pia, Petra und Ulli Kühn mit Tochter Chiara, Kirsten und Thomas Korthaus mit Lina und Leon, Marion und Markus Wessel aus Dortmund sowie Anita Merzbacher und Olaf Engemann aus Bamberg im Herbst nach Südafrika.

Ihr wichtigstes Gepäck: feste Schuhe und Arbeitskleidung. Nach Besichtigung der Baustelle und einer Einweisung ging es los. Von wenigen privaten Ausflügen etwa ins 45 Minuten entfernte Kapstadt abgesehen, hieß es: Steine schleppen, Mörtel in einer Erdkuhle anrühren (Klaus Tafel: „Maschinen gibt es dort nicht“) und mit Hilfe von Maurerkelle und Wasserwaage Wände hochziehen. Gearbeitet wurde Seite an Seite mit den künftigen Bewohnern, die durchaus mal einen Wunsch äußerten wie eine Flasche Cola. Oder während der Mittagspause Sprachunterricht in ihrer Heimatsprache gaben.

Kontakte bleiben unvergessen

Obwohl die Baustelle – es entstehen insgesamt acht Doppelhäuser – komplett eingezäunt ist, wurde zweimal Baumaterial gestohlen, darunter Holz für den Dachstuhl. Der war die wohl größte Herausforderung für die Laien-Bauarbeiter. Um so größer war das Glücksgefühl, als die Balken an Ort und Stelle waren und das Heim Gestalt annahm. Wenn das Wetter nicht mitspielte – die Temperaturen schwankten zwischen 14 und 40 Grad, auch Regen gab es – brachten sie in anderen Häusern den Innenausbau voran oder strichen Möbel.

Auch die künftigen Bewohner des Hauses, drei Erwachsene und zwei Kinder, lernte die Gruppe kennen. Die Kinder Likho und Likhona eroberten die Herzen im Sturm, ebenso ihre Altersgenossen, die die Helfer aus Deutschland eines Nachmittags nach der Schule kennenlernte. Gerade diese Kontakte bleiben unvergessen. Klaus Tafel: „Da ist diese große Herzlichkeit der Menschen und die einfache Lebensweisheit: Wer gibt, bekommt auch etwas zurück. Das haben auch wir so erfahren.“

Und dann waren da eben diese Gegensätze in einem Land voller Naturschönheiten, gepflegten Städten und reicher Kultur auf der einen und großer Armut auf der anderen Seite. Klaus Tafel: „Wir alle zehren von dieser Reise. Und wir würden das gerne wiederholen. Wir waren ein tolles Team!“