Neues heimatkundliches Buch

Hommage an die Bergleute im Siebengebirge

SIEBENGEBIRGE. Jahrhundertelang ernährte der Abbau von Erzen viele Familien im Siebengebirge. Im Buch „Historischer Erzbergbau im Siebengebirge“ stellen die Autoren Christian Kieß, Klemens Dormagen und Jörg Rieche das ausführlich dar.

Dieses Buch ist eine Fundgrube. Im Siebengebirgsmuseum wurde das Werk „Historischer Erzbergbau im Siebengebirge“ von Christian Kieß, Klemens Dormagen und Jörg Rieche vorgestellt – das Ergebnis akribischer Forschungsarbeit, die sich über einen Zeitraum von 17 Jahren erstreckte.

Königswinters Vizebürgermeister Norbert Mahlberg sagte, stellvertretend auch für seinen Bad Honnefer Kollegen Peter Profittlich: „Ich bin beeindruckt. Dieses Buch, das einen Ausschnitt unserer Heimat in den Blick nimmt, fördert den Erzbergbau mit 145 Gruben zutage, in denen zeitweise bis zu 900 Menschen arbeiteten. An diesen Zahlen lässt sich seine Bedeutung für die Region nur erahnen.“

Heimatvereinsvorsitzer Burkhard Rinkens dankte den Sponsoren „dieser nicht ganz preiswerten Publikation“, dessen Herausgabe den Verein allein überfordert hätte. Auch Museumsleiterin Sigrid Lange bekundete ihren Respekt. Ihr Vorgänger Elmar Scheuren führte in das 584-Seiten-Werk ein, das Christian Kieß konzipierte.

„Die Stärke des Buches liegt darin, dass es weiter ausholt“, sagte Scheuren. Von der Bildung des Erzvorkommens im Siebengebirge bis zur Auswirkung des Abbaus auf Wirtschaft, Familien und Umwelt. Illustriert ist es mit historischen und aktuellen Fotos und Karten. Scheuren: „Das Phänomenale: Alle Ecken des Siebengebirges wurden abgelaufen, um nach Quellen zu suchen.“

Eine Wanderung war der Auslöser

Bei einer Wanderung auf den Spuren von Bergbaurelikten hatten sich Christian Kieß aus Bad Honnef (81) und Klemens Dormagen (74) aus Aegidienberg kennengelernt. Ab 2001 arbeiteten sie zusammen, später stieß der Geologe Jörg Rieche dazu.

Kieß war der Schreiber, der Rechercheur, der die Archive in Bochum und Dortmund durchsuchte, und der Fotograf. Der pensionierte Beamte von der Gelben Post reüssierte bereits mit Siebengebirgs-Bildbänden.

Buchbindermeister Dormagen war in dem Trio der Praktiker, der untersuchte, ob das Loch im Boden ein Bomben- oder Wurzeltrichter oder vielleicht doch ein Relikt des Bergbaus ist. Er suchte nach Mineralbrocken als Beleg und nahm die Einmessung der Gruben vor. Auf 500 Seiten hielt Dormagen diese Messergebnisse fest.

Die Autoren entschieden sich, Geodaten in ihr Werk aufzunehmen, um interessierten Wanderern die Suche zu ermöglichen, aber vor allem auch, um für die Nachwelt die Lage der Gruben nachvollziehbar zu machen.

Spuren des Bergbaus verschwinden

„Es war auch ein Kampf gegen die Zeit, gegen den Untergang. Wenn ein großer Harvester in Aktion ist, dann ist die Spur weg“, so Dormagen, der als Kind wie alle Jungs früher die Ofenkaulen erkundete. So war eine der 145 Erzgruben, für die einst eine Betriebsgenehmigung erteilt wurde, nicht mehr zu finden.

Kieß: „Und auch die Natur veränderte in einem Jahrhundert Bergbaurelikte bis fast zur Unkenntlichkeit, die Erosion modifizierte die Oberfläche früherer Bergwerke. Der Mensch überformte die alten Schürfstellen und Grubenreste durch landwirtschaftliche Tätigkeiten, durch Straßen-, Schienen- und Hausbau.“

Elmar Scheuren betonte, dass dieses Buch auch zum aktuellen Projektthema des Museums passt, den Zeugen der Landschaftsgeschichte. Er stellte mehrere Gruben vor und ihre noch heute sichtbaren Anzeichen. Scheuren: „Wer den Spuren folgt, wird mehr sehen als bei 100 Spaziergängen zuvor.“

Christian Kieß bekundete, sein Ziel sei es ohnehin gewesen, mit dem Buch Lust aufs Siebengebirge zu machen. Vor allem aber: „Dieses Buch ist eine Hommage an die Bevölkerung des Bergbereichs. Es soll eine Anerkennung ihrer Lebensleistung sein. Die Bergleute arbeiteten für einen Hungerlohn unter erbärmlichen Bedingungen. Frauen und Kinder mussten zum Lebensunterhalt beitragen.“

Die Menschen arbeiteten hart

Es ist ein Buch voller Zahlen, aber vor allem ein vorzüglich geschriebenes Lesebuch, das Landschaft und Menschen ins Blickfeld rückt. Mit dieser Publikation gelang den Autoren ein „Rundumschlag“ zu 2000 Jahren Erzbergbau im Siebengebirge und seiner Blütezeit im 19. Jahrhundert. Sie beschreiben umfassend alle Aspekte.

Vieles ist neu – etwa die Beschreibung jeder einzelnen Grube. Und der Bezug zur Umgebung der einzelnen Gruben wird hergestellt, zu den Menschen, ob Bergbeamter, Grubenbesitzer oder Bergmann, Hüttenarbeiter, Fuhrmann oder die als „Erzengel“ bezeichneten Frauen, die Scheidejungen und -mädchen in den Erzwäschen. Mancher Honnefer oder Königswinterer wird bei der Lektüre seinen Namen und womöglich Familiengeschichte entdecken.

Christian Kieß aber will jetzt erst mal klar Schiff machen. 20 000 Dias und auch ein Konvolut von Bildern wird er seinem Heimatverein Siebengebirge übergeben. Die 50 Aktenordner voller Material erhält das Kreisarchiv. Eine Fundgrube für alle.

Das Buch „Historischer Erzbergbau im Siebengebirge“, herausgegeben vom Heimatverein Siebengebirge, ist bei der Edition Lempertz Königswinter erschienen ( ISBN 978-3-96058-209-0, 34,99 Euro).