Gefährdung in Aegidienberg Himberger See wird künftig regelmäßig überwacht

Blick von oben auf den Himberger See, der idyllisch im Landschaftsschutzgebiet liegt.

Aegidienberg. Laut einem Gutachten gibt es schwankende Wasserspiegel am Himberger See in Aegidienberg. Dieser soll nun aufgrund einer "latenten Gefährdung" ebenso wie die Steilhänge regelmäßig kontrolliert werden.

Die gute Nachricht überbrachten die beiden Geologen Achim Justen und Wolfgang Fein gleich zu Beginn ihrer Vorträge in Aegidienberg: Am Himberger See drohen auf absehbarer Zeit weder ein Hangrutsch größeren Ausmaßes noch eine Flutwelle. Dennoch empfahlen die Experten den Mitgliedern des Bezirksausschusses, das Gewässer und auch die teils extrem steilen Böschungshänge regelmäßig überwachen und die dazu erforderlichen Messeinrichtungen installieren zu lassen. Deren Einrichtung schlagen mit Kosten von einmalig 30 000 Euro sowie weiteren rund 5500 Euro pro Jahr für Kontrollen, deren Auswertung und Dokumentation zu Buche.

Bereits seit einigen Jahren beschäftigt die Situation im und rund um den Himberger See Politik und Verwaltung. Den Hintergrund erläuterte Jutta Schmidt vom Tiefbauamt in der Ausschusssitzung: Vor geraumer Zeit hatten Anwohner des Sees über Wasserschäden – Stichwort: feuchte Keller – geklagt und einen Zusammenhang mit einem gestiegenen Wasserspiegel im Himberger See vermutet. „Das Problem jedoch war, dass wir seitens der Stadt kaum Unterlagen und Daten über den See hatten“, so Schmidt.

"Eine latente Gefährdung"

Dass der Pegel des idyllisch gelegenen Gewässers angestiegen sein könnte, beruhte zu diesem Zeitpunkt auf Beobachtungen und Erfahrungen vor allem alteingesessener Aegidienberger, die den Himberger See seit ihrer Kindheit kennen. Zur besseren Beurteilung beauftragte die Stadt 2015 ein Ingenieurbüro aus Koblenz mit einem hydrogeologischen Gutachten, dessen Ergebnisse Justen nun vorstellte. Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Die Beobachtung des Wasserspiegels zwischen 2015 und 2018 ergab Schwankungen von bis zu 20 Zentimetern. „Nach dem trockenen Sommer liegt der Seewasserspiegel aktuell sogar bis zu 30 Zentimeter tiefer“, so Justen.

Aus Sicht des Experten ist bislang unklar, ob der Wasserspiegel in Zukunft weiter ansteigen wird oder ob das hydrologische Gleichgewicht bereits erreicht wurde. Das heißt übersetzt: Der Zufluss durch Niederschlag entspricht der Wassermenge, die unterirdisch abfließt und verdunstet – der Wasserpegel also künftig konstant bleibt. „Es besteht eine latente Gefährdung, keine akute“, so Justen, der überdies einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Wasserschäden bei Anwohnern und Pegelstand ausschloss. „Es macht Sinn, den Pegel längerfristig zu beobachten“, sagte er. „Alternativen, wie etwa ein künstlicher Abfluss, wären nur mit einem erheblichen Eingriff in die Natur und sehr hohen Kosten verbunden.“

Keine größeren Bewegungen derzeit

Ähnlich sah das auch Geologe Wolfgang Fein, der im Auftrag der Stadt eine geotechnische Expertise erstellt hatte. Aufgrund der Bodenbeschaffenheit und der teilweise sehr steilen Steinbruchböschungen habe es bereits Abrisse und Hangrutschungen rund um den Himberger See gegeben, so sein Fazit. „Aber das ist sicher schon 20 Jahre her.“ Derzeit gebe es keine größeren Bewegungen, die Hänge seien stabil.

„Trotzdem macht es Sinn, die Bereiche jährlich abzugehen und die Entwicklung zu beobachten“, so Fein. „Denn: Größere Rutschungen können unter Umständen fatal sein und im schlimmsten Fall zu einer Flutwelle führen.“ Einstimmig bei einer Enthaltung folgte der Ausschuss der Empfehlung der Verwaltung, neben einem Gewässerpegel zwei Grundwassermessstellen sowie automatische Messeinrichtungen zu installieren und durch regelmäßige Begehungen See und Böschungen im Auge zu halten.

Zur Startseite