Endlich Platz für das Archiv

Heimatverein Bad Honnef eröffnet Geschäftsstelle

BAD HONNEF. Raus aus dem zu engen Dachgeschoss des Rathauses: Der Heimat- und Geschichtsverein Herrschaft Löwenburg hat endlich ein eigenes Domizil mit Platz für sein Archiv. An diesem Samstag geht es im Haus Bergstraße 3 los.

In diesem Laden steckt Historie. Unter der Adresse Bergstraße  3 firmierte viele Jahre lang ein Friseursalon, später ein Versicherungsbüro, und dann auch ein Modeatelier. Jetzt zieht der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) Herrschaft Löwenburg ein – in das erste eigene Domizil seiner Geschichte.

Hauseigentümer Wolf Diepenseifen, engagiertes Vorstandsmitglied, stellt dem Verein nicht nur das Ladenlokal zur Verfügung, sondern hat auch emsig mitgeholfen, es zu präparieren. Noch verwehrt ein Vorhang den Einblick. Aber an diesem Samstag, 19. Januar, wird er um 10.30 Uhr beiseitegeschoben und damit die Geschäftsstelle des Heimatvereins offiziell eröffnet.

Vorsitzender Rolf Junker: „Wolf Diepenseifen war so großzügig, uns sein Haus zur Verfügung zu stellen. Dies gibt dem Verein nicht nur erstmals eine eigene Heimat, sondern bietet auch die Chance, die Archivalien der interessierten Öffentlichkeit zugänglich und so der Heimatforschung verfügbar zu machen.“

Adenauer regte die Vereinsgründung an

Über viele Jahre war der Verein eng mit dem Bad Honnefer Rathaus verbunden. „Das hat mit unserer Geschichte zu tun. Der Verein hat teilweise städtische Aufgaben erfüllt und teilweise die eines gemeinnützigen Vereins“, erläutert Junker. Das kam so: Auf Anregung Konrad Adenauers wurde der Verein als Rhöndorfer Heimatverein in den 50er Jahren gegründet. Allerdings ruhte die Arbeit nach kurzer Zeit wieder.

Als die Stadt Bad Honnef durch den Rhein-Sieg-Kreis die Auflage erhielt, ein historisches Archiv zu führen, übergab der damalige Stadtdirektor Johannes Wahl den Verein in städtische Verantwortung und mandatierte ihn mit der Pflege der Stadtgeschichte und dem Führen des historischen Archivs der Stadt.

Qua Funktion übernahm Wahl die Rolle des Vorsitzenden, und der jeweilige Leiter des städtischen Schul- und Kulturamtes war Geschäftsführer. Die Aufgabe des Vorsitzenden blieb an Junker als letztem Stadtdirektor hängen.

In der Vergangenheit lagerten wegen dieser Verzahnung die Archivalien aus dem Eigentum des Vereins im Dachgeschoss des Rathauses. Junker: „Dort ist gar kein Platz mehr für unsere Sachen.“

Endlich präsent in der Innenstadt

Ein weiteres Plus der eigenen Geschäftsstelle: So sei der Verein, der auch den Inhalt des Bad Honnefer Geschichtsweges erarbeitete, noch präsenter in der Stadt. „Die traditionell enge Beziehung des HGV zur Stadt und ihrer Geschichte wird auch weiterhin Grundlage unseres Vereinslebens sein.“

Die Stadtsparkasse Bad Honnef finanzierte die Möblierung – quasi als eine der letzten Handlungen als eigenständige Bank – aus Mitteln des PS-Sparens. In diesen Schränken und Regalen lagern nun die Bestände des Vereins.

Im Sommer 2018 kam der Bücher-Nachlass Werber hinzu. „Insgesamt haben wir um die 3000 Bände“, sagt Vorstandsmitglied Michaela Diepenseifen-Alfter. „Der komplette Bestand soll digitalisiert werden.“

Restbestände der 20 Veröffentlichungen des Heimatvereins werden bei der Eröffnung an diesem Samstag an Interessierte ausgegeben. Nummer eins war 1954 August Haags Buch „Bilder aus der Vergangenheit von Honnef und Rhöndorf“. 1968 wurde die Schriftenreihe „Studien zur Heimatgeschichte“ begründet. Hinzu kommen die vielen gesammelten Werke bis hin zu den Schriften von Heimatdichter Franzjosef Schneider.

Wann entstand das Foto im Schaufenster?

Was erwartet den Besucher noch? Die schöne Siegel-Sammlung des Heimatvereins. Wolf Diepenseifen stellte seine Postkartensammlung zur Verfügung. Ein alter Ratsherrenstuhl mit Wappen kommt als Ausstellungsstück ins Fenster.

Dort wird auch ein Foto von der Sankt-Sebastianus-Bruderschaft ausgestellt, das Walter Walkembach samt einer Stadtfahne dem Verein übergab. Der HGV hofft auf Hinweise zum Alter der Aufnahme. Und natürlich nimmt der Verein auch Sammlungen an.

In der neuen Geschäftsstelle soll aber auch die Möglichkeit zum Arbeiten bestehen, so Junker. „Wir haben die Verpflichtung, unsere Reihe der Veröffentlichungen fortzuführen.“