Als Haushälterin im Pfarrhaus Aegidienberg

Gut gekocht ist halb gepredigt

Sonntags gibt es des Pastors Lieblingsessen: Irmgard Schwermann in der Pfarrhausküche.

Sonntags gibt es des Pastors Lieblingsessen: Irmgard Schwermann in der Pfarrhausküche.

AEGIDIENBERG. Irmgard Schwermann führt seit 30 Jahren den Haushalt von Pfarrer Heiner Gather. Dafür ist sie mehrmals mit ihm umgezogen - und hat auf eine eigene Familie verzichtet. Die 52-Jährige ist eine von 17 Vollzeit-Pfarrhaushälterinnen im Erzbistum.

"Nein, richtigen Zoff hatten wir noch nie", sagt Irmgard Schwermann lächelnd. Und weil ihr ein ruhiger Start in den Tag heilig ist, genießt sie die Tasse Kaffee zur morgendlichen Zeitungslektüre, bevor sie mit Pfarrer Heiner Gather frühstückt. Den Rest des Tages ist sie stets im Dienst - als Pfarrhaushälterin. "Das ist eine Vertrauensposition, da muss die Chemie stimmen", betont sie. Vor mehr als 30 Jahren übernahm sie diesen Job, der mehr ist als nur Kochen, Putzen, Waschen.

"In der Stellenbeschreibung steht das nicht drin, aber fast alle Pfarrhaushälterinnen engagieren sich auch in der Gemeindearbeit." Der frühere Kardinal Meisner bemerkte einmal: "Wo eine Pfarrhaushälterin waltet, ist zu 50 Prozent mehr Ansprache an die Menschen."

Ohnehin: Die Tätigkeit einer Haushälterin wurde von Papst Paul VI. als offizieller Dienst in der Kirche anerkannt. Ohne den Bezug zur Kirche würde Irmgard Schwermann dieser Beruf nicht leichtfallen. Sie drückt es noch drastischer aus: "Für jemanden, der die große Kohle macht und mich die schmutzige Wäsche machen lässt, würde ich nicht arbeiten wollen."

Die Einzelhandelskauffrau sattelte um

Die 52-Jährige stammt aus Bad Münstereifel, wo sie in einer Buchhandlung eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau absolviert hatte. Und sie stimmte zu, als der ehemalige Kaplan und Freund der Familie fragte, ob sie sich vorstellen könnte, ihm nach Lingen zu folgen, wo er als Militärpfarrer wirkte. "Ihm war wichtig, ein offenes Haus für Gäste zu haben. Wenn es nicht geklappt hätte, wäre ich zurückgegangen." Es funktionierte. Als sie Pfarrer Gather auch nach Oldenburg begleitete, wollte sie ihr Fach dann aber auch aus dem Effeff beherrschen. Sie machte den Abschluss als Hauswirtschafterin und hängte sogar noch den dreijährigen Meisterkursus an. Ihre Prüfung fiel mit einem weiteren Ortswechsel zusammen.

Die dritte Station stand an: Pulheim-Sinthern. Hier konnte sie in ihrer Rolle richtig aufgehen, Pfarrer Gather hatte nun seine eigenen Pfarreien. Sie führte Männerkochclubs ein, organisierte einen noch heute existierenden Mittagstisch für Alleinstehende. 2009 bezog Irmgard Schwermann zwei Zimmer plus Bad im Pfarrhaus von Aegidienberg. Denn Heiner Gather gehört seither als Pfarrvikar zum Pastoralteam des Pfarrverbandes Bad Honnef, predigt am Ort, aber auch in den drei anderen Gemeinden dieses Zusammenschlusses.

"Ein freundschaftliches Dienstverhältnis"

Das Klischee von der Haushälterin als heimlicher Geliebten hält sich hartnäckig. Mit derlei Unterstellungen wurde auch Irmgard Schwermann konfrontiert. "Anfangs war das schlimm für mich. Als junge Frau hat mich das schwer verletzt." Heiner Gather und Irmgard Schwermann verbindet ein "freundschaftliches Dienstverhältnis". Daran änderten auch einige "kleingewaschene Pullover" nichts.

"Das Pfarrhaus ist der Rückzugsort des Priesters und das Haus der Gemeinde", sagt Irmgard Schwermann. Hierher kommen die Menschen auch, wenn es um Trauerfälle geht, um Krankheiten, Geburten oder Hochzeiten. Die Pfarrhaushälterin war schon oft erste Kontaktperson, wenn ihr Dienstherr unterwegs war.

Sie hilft außerdem in der Bücherei, hat ein Blumenschmuck-Team aufgebaut, ist im Café International aktiv und holt einmal monatlich mit Ulla Stockhausen junge Leute an den Herd. Sie mag den Umgang mit Jugendlichen, freut sich, wenn ihre neun Nichten und Neffen einmal im Jahr gemeinsam im Pfarrhaus übernachten.

Sonntags gibt es des Pfarrers Lieblingsspeise

Der Verzicht auf eine eigene Familie zugunsten ihrer Berufung sei ihr schon schwergefallen, sagt sie. "Der Tag richtet sich nach den Terminen meines Chefs." In der Küche im Erdgeschoss riecht es verführerisch nach Auflauf. Der Pastor ist begeistert, wenn Irmgard Schwermann neue Rezepte ausprobiert. Seine absolute Lieblingsspeise aber ist Kartoffelsalat - immer am Sonntagabend. Mit einem solchen Rezept ist die längst perfekte Haushälterin auch im Kochbuch "Gut gekocht ist halb gepredigt" ihres Bundesverbandes vertreten.

Ist sie so etwas wie Heiner Gathers rechte Hand? "Nein, aber ich freue mich, wenn ich ihm den Rücken freihalten kann. Ich mische mich nicht in seine Arbeit ein, aber ich höre zu." Und Pastor Gather scherzt: "Die Predigt schreibe ich immer noch selber."