16. Ausgabe des Festes

Großer Besucherandrang beim Rosenfest in Bad Honnef

BAD HONNEF. Für das Rosenfest hat sich die Honnefer Innenstadt in eine entspannte Genussoase für Freunde des guten Geschmacks verwandelt – kritische Kunst inklusive.

Die Rose, Königin der Blumen, so lautet das Resümee des Fußvolks nach dreitägiger Blitz-Regentschaft über die Honnefer Innenstadt, ist eine Gebieterin ohnegleichen: Farbenfroh ist sie, schillernd, prachtvoll und romantisch – beizeiten aber auch stachlig, dornig, ein wenig widerborstig. Und die nunmehr 16. Ausgabe des Festes, das Markt-Macher Jürgen Kutter eigens für Ihre florale Majestät gezaubert hatte, widmete sich ganz bewusst diesem Widerstreit: Bunt war es, farbenfroh, aber auch absichtsvoll mit kritischen Tönen.

Während Rosenkönigin Katharina Pantle samt Geleit strahlend durch die herausgeputzte Innenstadt flanierte und etliche Besucher genussvoll das vorsommerliche „vie en rose“ in der „ville en rose“ auskosteten, spannte die Evangelische Jugend an über 20 „Tatorten“ ein mahnendes „Friedensband“ durch die Schaufenster der Stadt. Rosige Aussichten dominierten, ohne Frage – aber die rosarote Brille, dafür sorgte das originelle Kunstprojekt der Jugendlichen, blieb diesmal zu Hause.

Erst seit knapp einem Jahr in Honnef und schon Rosenkönigin – was Katharina Pantle bei ihrem allerersten Rosenfest am besten gefiel? „Na, meine Prinzessinnen sind mein Highlight“, sagte die 23-jährige Hotelmanagement-Studentin und konnte sich – wie so oft am Wochenende – ein Lächeln nicht verkneifen. Gemeinsam mit Anna Reichstein und Caroline Brezing (beide 23) war sie zuständig für die Charme-Offensive, verteilte Hunderte langstielige Rosen an die Besucher. Und in Selfie-Zeiten ließen sich die Gäste im Gegenzug das ein oder andere Foto mit dem prächtig gekleideten Dreiergespann nicht nehmen: „Wir sind begeistert, wie freundlich und gut gelaunt die Gäste sind“, geriet die Rosenkönigin höchstpersönlich ins Schwärmen.

Geruch von frischer Farbe

Während die Drei, den Rosenkorb unterm Arm und das Rosé-Glas in der Hand, weiterzogen, wehte nicht Blütenduft, sondern der markante Geruch von frischer Farbe über den Marktplatz. Dort nämlich besprühte die Evangelische Jugend eine meterlange Panzer-Attrappe aus Holz, die bereits im vergangenen Jahr im Karnevalszug mitgefahren war, mit bunten Graffiti-Sprüchen. „Frei sein“ stand da, „love and peace“, und in feucht glänzenden Lettern prangte das Wort „Frieden“ auf Arabisch neben japanischen Kanji und Tigrinya, der Amtssprache von Eritrea. „Wir wollen ein hässliches Kriegssymbol möglichst bunt und schön umgestalten“, erklärte Marc Hellmich (16), der den jüngeren Mitgliedern beim Sprühen über die Schulter schaute.

Neben der aufsehenerregenden Spray-Aktion hatten die Teenager im Rahmen ihres Kunstprojektes „Tatort Frieden“ auch an rund 20 weiteren Stellen in und um die Honnefer Innenstadt mit Graffiti-Kunst, Tape-Art und auch Photoshop-Gestaltung Krieg und Frieden kreativ interpretiert. Unter der Leitung von Franca Perschen war so in mehrwöchiger Vorbereitung ein großes „Friedensband“ zusammengekommen, das – mit Ausnahme des Panzers – auch nach dem Rosenfest zu sehen ist.

„Es sollen eben wortwörtlich Tat-Orte sein, durch die man idealerweise den Impuls bekommt, sich selbst für den Frieden einzusetzen“, so Hellmich. „Das kann schon damit beginnen, dass man selbst friedlicher und freundlicher durchs Leben geht.“ Die perfekte Botschaft zum Rosenfest.

Viel Besuch in der Honnefer Innenstadt

Eindrucksvoller Höhepunkt des Projekts: Im Leerstand neben der Post, ehemals „Guthy's Depot“, hatten Laura Buschmann und Sara Kikillus eine Flüchtlingsunterkunft nachgestellt. Basierend auf den Erlebnissen der beiden Honnefer Flüchtlinge Sattar und Ahmad aus Damaskus und Mossul, schildert die Mini-Ausstellung die Gefahren des Fluchtwegs und gibt einen intimen Einblick in Sorgen, Träume und Ängste. Nicht anklagend, sondern dokumentierend. „Mossul“, steht in Graffiti an einer Wand, „ist schlimm, Aleppo ist schlimmer.

Einfach weg, einfach weg.“ Und über dem Bett, mit Micky-Maus-Wäsche bezogen, baumeln Gedankenblasen von der Decke: „War es richtig zu fliehen?“ Vorbild, sagt Sara Kikillus, sei das DDR-Museum in Berlin gewesen: „Wir möchten, dass die Besucher die Schränke und Kommoden öffnen, Fotos in die Hand nehmen.“ Interaktion sei hier das Stichwort.

Doch genug der Dornen: Schließlich machten vor allem die Blüten das Rosenfest aus. Die Eisdielen waren proppenvoll, aus Sitzbänken wurden Sonnenbänke, und von der Kletterwand schallte freudiges Quietschen über den Kirchplatz.

Es wurde reichlich gebummelt, geschmaust, genascht und geplaudert – eine entspannte Genussoase für Freunde des guten Geschmacks, kritische Kunst inklusive. Und: Wem es derart rosig geht, der hat eine rosarote Brille von vornherein nicht nötig.