GIZ-Umzug: Feiden ist verärgert

Gesellschaft will Uhlhof aufgeben

Geeignet oder ungeeignet: Um den Uhlhof als Standort der Akademie für Internationale Zusammenarbeit ist ein Disput entbrannt.

BAD HONNEF. Mit Unverständnis reagiert Bürgermeisterin Wally Feiden auf die Nachricht, dass die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ) den Uhlhof aufgeben will. Wie berichtet, plant die GIZ, die dort angesiedelte Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) zu verlegen (siehe Bonner Lokalteil).

In einem Schreiben an GIZ-Vorstandsmitglied Hans-Joachim Preuß macht Feiden aus ihrer Verärgerung keinen Hehl: "Ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass die Entscheidung primär nicht aus fachlichen, sondern eher aus politischen Erwägungen getroffen wurde." Fest macht Feiden dies unter anderem an einer Machbarkeitsstudie im Auftrag der GIZ, die Ende 2012 klar für den Standort gesprochen habe.

Mit dem Wegzug der AIZ verliere die Stadt nach nahezu 50 Jahren eine Bildungseinrichtung, die "nicht nur wegen ihres internationalen Flairs und der kulturellen Veranstaltungen verwurzelt" sei. Auch habe die AIZ "wirtschaftliche Strahlkraft", etwa mit jährlich rund 40 000 Übernachtungen in Honnef und im angrenzenden nördlichen Kreis Neuwied. Der Verlust der zweiten "bedeutenden Bildungseinrichtung von hervorragendem Ruf" in nur zwei Jahren, namentlich dem Katholisch-Sozialen Institut (KSI), dessen Verlagerung für 2016 ansteht, und nun der AIZ, werde "verheerende Auswirkungen" haben. Seit 2005 habe sie "persönlich mit aller Kraft in zahlreichen Behördenterminen und in persönlichen Gesprächen - auch auf Ministerebene - für den Erhalt beziehungsweise Ausbau" des Uhlhofes gekämpft, so Feiden. Das sich abzeichnende Ergebnis sei nicht nachvollziehbar. Denn, so Feiden: Ende 2012 erst sei eine im Auftrag der GIZ erstellte Machbarkeitsstudie im Honnefer Rathaus vorgestellt worden. Und diese sehe "bauliche Entwicklungsvarianten am Standort als realistisch an". Umso unverständlicher sei, dass der von einer GIZ-Sprecherin erneut genannte, verschärfte Hochwasserschutz, also die neue Verordnung Überschwemmungsgebiet, von der GIZ als "nicht lösbares Problem angeführt wird". Nicht neu sei, dass die vorhandenen Gebäudeteile für die Erweiterung nicht ausreichten. Aber: Die Pläne für den Bestand des Uhlhofes berücksichtigten dies; die geplante Neuausrichtung der AIZ mit erweitertem Kundenkreis sei eingerechnet. Und auch der Denkmalschutz sei in der Machbarkeitsstudie "abgearbeitet" worden.

Noch ein vermeintliches Argument gegen den Uhlhof entkräftet Feiden: die schlechte ÖPNV-Anbindung, die durch Möglichkeit des AST-Verkehrs, "längst ausgeräumt" sei. Beim Behördentermin im November 2012 habe Feiden hierzu "ausdrücklich auf ein mögliches weiteres Entgegenkommen der Stadt hingewiesen".

Feiden: "Es wird bezweifelt, dass die Unterbringung der AIZ mit deren Neuausrichtung in der Hermes-Stiftung in Röttgen - wie bereits von Ihrer Seite den Mitarbeitern der GIZ aus Honnef gegenüber offiziell mitgeteilt - ohne bauliche Erweiterung und entsprechende Kosten möglich sein wird. Für die hiesigen Mitarbeiter wäre der Standort verkehrstechnisch ohnehin schlechter erreichbar."

Feiden bittet den GIZ-Vorstand, die "nochmals vorgebrachten Argumente" dem Aufsichtsrat vor der endgültigen Entscheidung zur Kenntnis" zu geben. Zudem bittet die Bürgermeisterin Regierungspräsidentin Gisela Walsken, Landrat Frithjof Kühn sowie die Bundestags- und Landtagsabgeordneten in der Region um Unterstützung.