Mundartnachmittag

Geschichten von und über Franzjosef Schneider

Mit Bibi und Weste tritt Wilhelm Birenfeld als "Schneiders Diener" auf.

BAD HONNEF. Als "Et Freudeblömche" 20 Jahre alt war, erhielt er sein erstes Engagement. "Et Mondorfs Tilles" von der Bergstraße, die bekannt war für ihr selbstgekochtes Kraut aus Äpfeln und Birnen und darüber hinaus die KG "Schneeflöckche" gegründet hatte, bat Franzjosef Schneider, doch einen Bütt-Vortrag zu halten.

"Dat häste jot jemaach", lobte die Präsidentin den jungen Mann nach seinem Auftritt und überreichte ihm einen Orden. "Minge ierschte Fastelovendsorde", sagte der Honnefer Heimatdichter später. Über diese Begebenheit berichtete Wilhelm Birenfeld bei der kfd von Sankt Johann Baptist, für die er einen Mundartnachmittag mit Geschichten von und über Schneider (1888-1972) gestaltete.

Was heute vielleicht der Brillantsplitter am karnevalistischen Edelmetall ist, war damals ein Stück Blotwuesch, das die Präsidentin auf einem Stern aus Gold-Karton befestigt hatte. Und genau solch einen Blotwuesch-Orden vergab jetzt auch Birenfeld, der sich mit Bibi sowie Weste mit Goldkettchen als "Schneiders Diener" verkleidet hatte.

Der frühere Sibi-Lehrer erzählte, rezitierte und sang aus vollem Herzen und überraschte Hildegard Heinen, eine Mitbegründerin der Karnevalsgruppe der kfd, der "Jecken Wiever vom Hellije Schäng", im Jahre 1969, mit dem Blotwuesch-Orden. Den verderblichen Teil nahm sie sich gleich für das Abendbrot vor. "Das ist ja eine echte Überraschung. Wenn ich heute Abend die Wurst esse, werde ich ans 'Freudeblömche' denken", sagte die völlig verdutzte Hildegard Heinen. Den Goldstern aber wird sie spätestens bei der Sitzung der kfd am Bande tragen.

Mit den Worten "Dä, fräß en", hatte Mondorfs Tilles damals Schneider den Orden in die Hand gedrückt. Den Bezug zur kfd hat Birenfeld übrigens durch seine Mutter Margarete, die 1964 die Katholische Frauengemeinschaft in Bad Honnef-Mitte gegründet hatte. Er hat sich mit dem Heimatdichter intensiv beschäftigt und berichtete auch aus dessen Leben. Ja, "Et Freudeblömche" ist in der fünften Jahreszeit aufgetreten.

Aber: "Viele meinen, er sei nur Karnevalist gewesen oder ein Wald- und Wiesen-Dichter. Nein, Franzjosef Schneider war ein Poet, der Welten mit Worten schuf, und das in der Muttersprache, 'de Mottesproch', die viel eindringlicher ist", erläuterte Wilhelm Birenfeld.

Franzjosef Schneider hinterließ durch seine Aufzeichnungen tiefe Einblicke in das Leben im alten Honnef. So hatte er Texte in einer Serie namens "Briefe von Hause" herausgegeben, die abonniert werden konnten. Ein Glücksfall, als ein Honnefer eine solche Sammlung von 117 Briefen, meist vierseitig, auf dem Speicher entdeckte und Birenfeld vermachte.

Darin fand sich auch Schneiders Start in der Höheren Privaten Knabenschule 1899, die im Hontes untergebracht war. "Eigentlich waren wir Sextaner. Aber die Leute nannten uns die Hontes-Junge", notierte Schneider einst. Hinter den Gittern kamen sich die Kinder wie im Gefängnis vor, aber als solches diente dieses uralte Gebäude ja auch schon mal. Jetzt ist es das Zeughaus der KG Halt Pol.

Und Wilhelm Birenfeld wiederholte vor den Damen auch seine Rede, mit der er zur Einweihung der Skulptur des Halt-Pol-Männchens vor dem Hontes Premiere hatte. Von Karneval ging es weiter über Ostern, Pfingsten bis hin zur Honnefer Kirmes und retour in die fünfte Jahreszeit. Zum Abschluss sangen die Frauen mehrere Karnevalslieder - in Mundart, versteht sich.