50. Todestag von Konrad Adenauer

Gedenkfeier in Rhöndorf

BAD HONNEF. Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki zelebrierte den Gottesdienst zum 50. Todestags Konrad Adenauers, Kanzleramtschef Peter Altmaier hielt die Festrede im Bad Honnefer Kursaal.

Der alte Herr auf dem Foto über der Kursaalbühne lupft freundlich seinen Hut. Fast scheint es, als lächele Konrad Adenauer den Gästen zu, die sich an seinem 50. Todestag versammelt haben – und damit jenes Mannes gedenken, über den Jürgen Rüttgers sagt, Freiheit sei ihm „der höchste Wert“ gewesen und Demokratie mehr als eine Staatsform, nämlich politische und soziale Verantwortung für die Menschen in einem geeinten, friedlichen Europa.

Als Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus eröffnete der frühere NRW-Ministerpräsident und Ex-Bundesminister am Mittwoch den Festakt mit 370 Gästen, allen voran Adenauers Tochter Libet Werhahn-Adenauer, sein Enkel Konrad Adenauer und weitere Mitglieder der Familie. Die Festrede hielt Peter Altmaier, Chef des Bundeskanzleramtes.

Aus den Katastrophen des Jahrhunderts gelernt

Vorausgegangen war eine Heilige Messe in der Rhöndorfer Pfarrkirche Sankt Mariä Heimsuchung mit Kölns Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. Und die Worte seiner „mutigen Predigt, wie man sie heute nicht mehr zu häufig hört“ (Rüttgers) hallten nach. „Mit seinem Tod verlor ein ganzer Kontinent einen Mann, der aus den Katastrophen des Jahrhunderts gelernt hatte“, so Woelki über den Christdemokraten Adenauer. Als aktiver Christ, fest verankert im Glauben und in der katholischen Soziallehre, habe er die Basis gelegt für das, „was uns heute Frieden und Freiheit sichert, allen Unkenrufen zum Trotz“. Nie wieder Krieg, nie wieder Totalitarismus, nie wieder Nationalismus: Das sei seine Triebfeder gewesen.

Mit eindringlichen Worten schilderte Woelki, was auch die neue Dauerausstellung „Konrad Adenauer 1876-1967: Rheinländer, Deutscher, Europäer“ zeigt: Geschichte ist weit mehr als nur Gewesenes. Geschichte ist Verantwortung und, so Rüttgers, „Fundament“ für Gegenwart und Zukunft. Woelki: „Wer sich Konrad Adenauers Maßstab zu seinem eigenen macht, wird sehen, dass sich die Fragen von damals immer neu und anders stellen. Damit nicht Populisten Menschen in ihrer Not instrumentalisieren und Errungenschaften wie die europäische Einigung zunichte machen. Denn was wären wir ohne all das? Das Ansinnen von Populisten, vor allem Rechtspopulisten, ist niemals harmlos, weil sie aus Freunden Feinde machen.“

 

Adenauer als "Erzieher zur Demokratie"

Adenauer habe in seinem Beruf als Politiker seine Berufung als Christ gesehen, dafür sei er über Partei- und Konfessionsgrenzen hinweg geachtet – überall dort, „wo sich Vernunft und Glaube gegenseitig durchdringen“, so Woelki.

Muss das Adenauer-Bild korrigiert werden, wie es ein Magazin titelte? Nein, meinte Rüttgers. Hatte Adenauer autokratische Züge? Vielleicht auch die. War er ein Patriarch? Mag sein, auf seine Art. Vor allem aber, so Rüttgers: „Er war ein Erzieher zur Demokratie. Und vielleicht brauchen wir auch heute wieder ein bisschen mehr Erziehung zur Demokratie.“ Und: „Wir müssen auch aufpassen, dass bei Geschichte keine Fake News verbreitet werden.“ Der Wissenschaftsdiskurs von Stiftungen wie in Rhöndorf stehe dafür, ebenso für Offenheit und den demokratischen Geist der Urheber.

Als Christ und Demokrat habe Adenauer es geschafft, „Veränderungen voranzubringen, an denen Europa 150 Jahre zuvor gescheitert war“, drückte es Altmaier aus. Nach vielen Kriegen, die in den zwei größten zivilen Katastrophen mit Millionen Toten gipfelten, „war er nicht der erste, der die Idee von Europa hatte“.

Altmaier: „Aber er hat sein ganzes politisches Wirken in den Dienst dieser europäischen Idee gestellt. Wir erleben jetzt die erste Generation, die in Rente geht und keinen Krieg erleben musste. Das ist das Beste, was den europäischen Völkern passieren konnte.“ Die Westbindung, nicht unumstritten, sei die „Lebensversicherung für die junge Demokratie“ gewesen, wobei Westen für „all jene steht, die sich den demokratischen Werten verschrieben haben“. Adenauer habe dafür den „Kompass justiert“, und keine Bundesregierung nach ihm habe diesen europäischen Weg verlassen.

 

Eine besondere Rolle komme der deutsch-französischen Freundschaft zu, wandte sich Altmaier beim Festakt an die Adresse des französischen Botschafters Philippe Etienne. „Mit Konrad Adenauer ehren wir eine ganze Generation von Menschen, die das geschaffen haben, wovon wir bis heute profitieren.“ Dass all dies sich im Rheinland abspielte, so der Saarländer Altmaier, sei keine Überraschung. „Dieses Experiment ist auch gelungen, weil es im Rheinland stattgefunden hat. Wir leben noch immer in der Bonner Republik“, trotz Regierungsumzugs nach Berlin.

Erbe des Gründungskanzlers in der Ausstellung zu sehen

Bonn und das ganze Land hätten „es verdient“, wenn der Bedeutung der Bonner Republik mehr Beachtung geschenkt würde – Worte, die neben heimischen Bundes- und Landtagsabgeordneten wie Norbert Röttgen, Lisa Winkelmeier-Becker und Andrea Milz auch der Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan gerne gehört haben dürfte. Altmaier schlug unter Beifall vor, das Bundeskabinett solle regelmäßig in Bonn tagen, ein- bis zweimal im Jahr. Es wäre „für die demokratische Tradition dieses Landes zum Besten“, wenn Adenauers Werk auch in Berlin mehr sichtbar würde.

Die just zum 50. Todestag seines Großvaters eröffnete Ausstellung lobte Konrad Adenauer. In einer Podiumsrunde mit Corinna Franz, Geschäftsführerin der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, Bad Honnefs Bürgermeister Otto Neuhoff sowie dem Präsidenten der NRW-Stiftung, Harry K. Voigtsberger, und Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland, sagte er, sie vermittle einen „sehr lebendigen und vielfältigen Eindruck“ vom Erbe des Gründungskanzlers. Stiftungsvorstand Manfred Speck dankte allen an der Ausstellung Beteiligten, ob finanziell, inhaltlich oder gestalterisch.