Aktion "Nachtfrequenz 14 - die lange Nacht der Jugendkultur"

Gar nicht so einfach, ein Model zu sein

Fotograf Ulrich Lotz setzt die Jugendlichen im Haus der Jugend in Szene. FOTO: FRANK HOMANN

Fotograf Ulrich Lotz setzt die Jugendlichen im Haus der Jugend in Szene.

30.09.2014 BAD HONNEF. "Nicht blinzeln! Und die Hand nur leicht auf die Taille legen!" Beim Fotoshooting im Haus der Jugend stellten die sechs Teilnehmer ganz schnell fest, dass es gar nicht so einfach ist, vor der Kamera eine gute Figur zu machen.

Die Bad Honnefer Einrichtung beteiligte sich an der landesweiten Aktion "Nachtfrequenz 14 - die lange Nacht der Jugendkultur". Und fünf Mädchen und ein Junge kamen mit verrückten Klamotten und Schuhen mit Absätzen so hoch wie ein Bleistift, um sich einmal wie ein Topmodel zu fühlen oder auch so cool wie ein Rocker.

"Ich habe selbst einmal ein privates Fotoshooting gemacht und den Jugendlichen die Fotos gezeigt. Die waren begeistert", erzählte Sarah Cremer, die stellvertretende Leiterin der Einrichtung. Sie stellte daraufhin den Projektantrag für die "Nachtfrequenz", die von der Landesvereinigung Kulturelle Jugendarbeit (LKJ) veranstaltet und vom NRW-Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport gefördert wird.

Angela (13) aus Königswinter macht normalerweise im Haus der Jugend ihre Hausaufgaben. Jetzt tauschte sie mit den anderen Mädchen die Sachen, um sich zu verkleiden. "Ich habe mich erst geschämt. Aber die anderen haben mich zum Mitmachen überredet", so die Siebtklässlerin. "Jetzt finde ich das cool", sagte das hübsche Mädchen mit den langen, lockigen Haaren. Von einer Modelkarriere träumt sie aber nicht.

"Ich will schon immer Immobilienmaklerin werden", erklärte sie. "Und vielleicht im Nebenjob Visagistin." Im Haus der Jugend wurde sie von Sylvia Doblmayr geschminkt. "Das darf ich normalerweise nicht", erzählte Angela. Auch der Visagistin, die sonst Bräuten oder Models bei Shootings den letzten Schliff verpasst, machte es Spaß, die jungen Mädchen zu schminken. "Eine Teilnehmerin fragte mich, ob Schminken weh tut." Für sie waren Lippenstift und Lidschatten völlig neu.

Während Sylvia Doblmayr Locken mit dem Stab aus Madinas (18) glattem Haar zauberte, ließ sich Angela später ihre Naturlocken mit dem Eisen glätten. Fotograf Ulrich Lotz macht eine Aufnahme - halb Locken, halb glatt zum Vergleich. Madina: "Ich bin noch nie so geschminkt und so fotografiert worden." Staunend schaute sie ihr "Spiegelbild" auf dem Computer an, der bei jedem Klick gleich das aktuelle Foto auf dem Schirm hatte.

Jenny (18) ließ sich als Rocksängerin und Gitarristin in Jeans ablichten. Rebecca (12) stöckelte in High Heels, im kurzen Kleidchen und mit Hut vor die Kamera. Sabrina (13) trug kurze Hose und Lederjacke. Ulrich Lotz rückte sie zusammen ins rechte Licht. Das volle Equipment mit mehreren Kameras, Softboxen und Reflexschirmen hatte er mitgebracht.

Lotz ist Sozialpädagoge, aber ganz Profi. Seine Models im Haus der Jugend durften auch Fragen stellen. Und Giacomo (12) ließ sich nicht nur als Schlagzeuger fotografieren, sondern wollte auch selbst mal zur Kamera greifen.

Rebecca und Sabrina brachten sich gemeinsam in Positur. "Du musst ihnen sagen, wie sie sich hinstellen sollen. Du musst das Optimale aus ihnen herauskitzeln. Das ist dein Job als Fotograf", erklärte Ulrich Lotz seinem "Kollegen", dem er nun als "Assistent" diente, die Belichtung maß und die Boxen einstellte.

"Wenn das Licht blöd ist, hilft auch das beste Make-up nichts." Zusätzliches weiches Licht leuchtete die Haare aus, eine Windmaschine kam zum Einsatz. "Halt, stopp, der Kragen wird jetzt hochgepustet. Das sieht nicht gut aus!", bemängelte Lotz. Giacomo staunte, worauf er achten musste. "Für drei Stunden Fotoshooting habe ich zehn Vorbereitungsstunden einzurechnen", erläuterte Lotz.

Giacomo kommandierte "seine" Mädels: "Entschuldigung, Ladys! Einen Fuß auf die Kiste! Bauch einziehen! Wind an! Und Musik dazu!" Das Fotoshooting ging weiter. Ulrich Lotz: "Wer dies zehn Stunden macht, hat Muskelkater am nächsten Tag." Gar nicht so einfach, ein Model zu sein. (oro)