Burghotel Ad Sion in Rheinbreitbach

GA-Chefreporter Wolfgang Kaes sprach über investigativen Journalismus

Berichtete im Burghotel Ad Sion aus seinem Berufsalltag als Chefreporter des General-Anzeigers: Wolfgang Kaes. FOTO: FRANK HOMANN

Berichtete im Burghotel Ad Sion aus seinem Berufsalltag als Chefreporter des General-Anzeigers: Wolfgang Kaes.

RHEINBREITBACH. Der Name des Journalisten Wolfgang Kaes ist eng mit zwei spektakulären Fällen in der Region verbunden: Trudel Ulmen und Jens Bleck. Wie aber stößt man auf solche Geschichten?

Mit welchen Hindernissen sieht sich der Journalist konfrontiert? Wie reagiert die Polizei darauf? Auf diese und viele andere Fragen gab der Chefreporter des General-Anzeigers am Dienstagabend auf Einladung des Unkeler Bürgervereins im Burghotel Ad Sion in Rheinbreitbach den mehr als 50 interessierten Bürgern Antworten.

Kaes, seit 35 Jahren Journalist, betonte im Zusammenhang mit dem Tod des jungen Jens Bleck in Bad Honnef, er wisse nicht, was an jenem Abend passiert ist. Aber: "Ich sehe, dass nicht ermittelt wurde." So werde möglicherweise nie geklärt, warum und wie der Student in den Rhein stürzte.

"Ich bin neugierig"

Kaes ließ auch erkennen, wie nahe ihm der Fall geht, wie sehr ihn das Leid der Familie Bleck bedrückt. Aufgeklärt werden konnte hingegen der Fall Ulmen. Auf die Geschichte der verschwundenen Rheinbacherin war der Redakteur durch eine Annonce aufmerksam geworden - die Frau sollte für tot erklärt werden.

"Ich bin neugierig", sagte Kaes und schilderte seine akribische Recherche und die vielen Gespräche, die er mit Menschen aus Trudel Ulmens Umfeld geführt hat. "Danach stand für mich fest: Das ist keine Frau, die einfach mit einem Liebhaber verschwindet." Er berichtete, wie die Polizei nach der intensiven Berichterstattung im GA die Ermittlungen wieder aufnahm, schließlich DNA der Frau fand und abglich.

Dabei stellte sich heraus, dass es sich bei einer bis dahin nicht identifizierten Frauenleiche, die vor 16 Jahren nahe Aegidienberg gefunden worden war, um die Arzthelferin handelte. Der Ehemann gestand die Tat und wurde wegen Totschlags zu elf Jahren Haft verurteilt.