Sprinten, hechten, fangen

Frisbeeturnier auf Grafenwerth bei 36 Grad

Grafenwerth. Ultimate-Frisbee-Spieler aus ganz Deutschland treffen sich beim Wettbewerb Rheinwerfen, das die Bonner Bonnsais organisieren. Und nach dem schweißtreibenden Sport kühlen sie sich im Freibad ab.

Samstagnachmittag auf der Insel Grafenwerth: Die Sonne brennt, das Thermometer zeigt 36 Grad. Während es sich im kühlen Nass des Freibades gut aushalten lässt, fließt nebenan auf der großen Wiese der Schweiß in Strömen.

Mehr als 200 Sportler aus ganz Deutschland treten beim Rheinwerfen 2018 im „fairsten Sport der Welt“ gegeneinander an: Ultimate Frisbee heißt die Sportart, bei der Anfänger und Könner, Jung und Alt, Männer und Frauen zusammen in einem Team spielen und bei dem es neben Sieg oder Niederlage vor allem um den „Spirit of the Game“ – den Spielgeist – geht.

„Da wir alle aufeinander Acht geben, körperliche Konfrontationen vermeiden und niemand absichtlich ein Foul begehen will, kommen wir bis zum Finale ohne Schiedsrichter aus – und das sogar bei Weltmeisterschaften“, erläutert Tatjana Lauck, die für den Bonner Frisbeeverein Bonnsai die siebte Auflage des Freundschaftsturniers auf der Insel Grafenwerth mitorganisiert hat.

Plastikscheiben sausen durch die Luft

Fair bedeutet aber nicht etwa, dass die Frisbees lediglich gemütlich zwischen den Spielern der gegnerischen Teams hin- und hersegeln. Vielmehr sausen die bunten Hartplastikscheiben auf gleich zwei Spielfeldern wie kleine Ufos durch die Luft. Um einen Punkt zu erringen, muss die Mannschaft den Frisbee in der gegnerischen Endzone fangen – und das ist alles andere als einfach und gemütlich.

Die Schwierigkeit ist, dass mit dem Frisbee in der Hand nicht gelaufen werden darf. Die Spieler versuchen also, sich die Scheibe zuzupassen, um sich in die gegnerische Endzone vorzuarbeiten – der Frisbee darf dabei nicht auf den Boden fallen. Im Duell „Fünf gegen Fünf“ wird gesprintet, gehechtet, geworfen und gefangen wie der Blitz – und das 35 Minuten lang.

Insgesamt sieben Spiele absolvieren die Bonnsais, Frizzly Bears, Himmelsstürmer, Murmeltiere und die anderen neun Mannschaften an dem Turnierwochenende auf Grafenwerth. Manche sind eigens aus München oder Bayreuth angereist, um beim Rheinwerfen dabei zu sein. „Wir hatten doppelt so viele Anmeldungen wie wir Startplätze vergeben konnten“, so Lauck. „Die Location hier ist einmalig – auf einer Insel im Rhein zu spielen, das gibt es sonst nirgendwo.“

Bonsaibäumchen als Trophäe

Zumal die Teilnehmer im hinteren Teil des Freibades zelten und zur Erfrischung auch ins Schwimmbecken springen dürfen. Auch wenn alle Mannschaften ihr Bestes geben und trotz der tropischen Temperaturen um jedes Pünktchen fighten, geht es bei dem Wettkampf vor allem um den Spaß – und um die selbst gebastelten Bonsaibäumchen als Trophäen für die drei Erstplatzierten.

Die dürfen sich diesmal die Frizzly Bears aus Aachen, das Familienteam Fugbaum und die Baybees aus Bayreuth daheim in ihre Vitrinen stellen. Als besonderes Bonbönchen konnten sich die bärenstarken Aachener als Sieger obendrein über einen Startplatz beim Rheinwerfen 2019 freuen. Die Gastgeber aus Bonn landeten zwar nur auf Platz neun, wurden aber gemeinsam mit den Himmelsstürmern aus Kassel zum „Spiritsieger“ des Turniers ernannt

Vor zwölf Jahren hatten sich die ersten Frisbee-Begeisterten in Bonn zusammengeschlossen, 2011 wurde aus der Gruppe ein eingetragener Verein. Seitdem ist Bonnsai kräftig gewachsen. „Wir haben mittlerweile 50 Mitglieder und uns als Verein auch Sportplatz- und Hallennutzungszeiten für das Training erkämpft“, berichtet Lauck.

Für sie macht der „Spirit“ den besonderen Reiz der Teamsportart aus: „Man spielt immer miteinander, auch wenn man gegeneinander antritt.“ Darum eignet sich Ultimate Frisbee auch für jeden, der Spaß an Bewegung hat. „Alles andere kann man lernen.“

Mehr Infos zum Verein und zum Frisbeesport auf www.bonnsai.org