Flüchtlingsunterkunft in Rottbitze

Familienleben auf 40 Quadratmetern

Bad Honnef. Die Arbeiten sind in vollem Gange: Stück für Stück entsteht am Rederscheider Weg in Rottbitze Bad Honnefs bislang größte Flüchtlingsunterkunft, in der einmal 288 Menschen leben sollen.

Noch sieht es trist aus zwischen den Mobilheimen. Das werde sich ändern, sagen Karin Torres vom städtischen Gebäudemanagement und Nadine Batzella vom Fachdienst Asyl bei einem Rundgang: Es sind unter anderem Projekte geplant, bei denen die Bewohner selbst ihr Umfeld verschönern können.

Einstweilen steht die reine Fertigstellung im Vordergrund. Am 1. Dezember hatten die Arbeiten in dem ehemaligen Feriencenter begonnen. In den nächsten Tagen sollen die Tiefbauarbeiten beendet werden, die – angesichts jahrzehntelang vernachlässigter Infrastruktur, so Torres – am meisten Zeit und Geld kosten. Bei Strom-, Gas- und Wasserversorgung, Kanal und Straßenbeleuchtung seien weder Funktionalität noch Sicherheit gegeben gewesen.

Vorerst Mobilheime und Container

Torres: „Da wurden fahrlässig selbst Leitungen gelegt. Es gab keine Zulassung für gar nichts.“ In den nächsten Wochen sollen 36 Mobilheime sowie ein Container für Büro und Wachdienst aufgestellt werden, das Gros auf einem etwa 30 Meter breiten und 300 Meter langen Streifen.

Für den 17. April lädt die Stadt dann zu einem Tag der offenen Tür auf dem Gelände ein. Batzella: „Wir wollen an Ort und Stelle ansprechbar sein, gemeinsam mit bereits in Aegidienberg lebenden Flüchtlingen und den Paten.“ Auch hoffe man, weitere Ehrenamtliche zu finden: etwa solche mit technischem Sachverstand, die gezielt sagen können, wenn etwas dringend repariert werden muss. Torres: „Das wäre eine große Hilfe.“

Die Tiefbauarbeiten, das weiß man auch bei der Stadt, forderten den rund 20 „Altpächtern“ auf dem Gelände einiges ab. So etwa Inge Frohnhoff und Hansjürgen Bauer. Seit 25 Jahren nennen sie ein Häuschen auf dem Areal ihr Eigen – einst von Grün umgeben, steht ihr liebevoll gepflegtes Domizil jetzt unmittelbar neben den Mobilheimen.

Äußerungen aus der Nachbarschaft

Sie seien froh, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, berichten Inge Frohnhoff und Hansjürgen Bauer den Mitarbeiterinnen der Stadt beim Plausch vor der Haustüre. Ihr Zaun hat Schaden genommen; Torres verspricht eine Reparatur. Und stellt anerkennend fest: Die Haltung dieser Nachbarn sei bewundernswert.

Apropos Nachbarschaft: Den künftigen neuen Nachbarn stehen Inge Frohnhoff und Hansjürgen Bauer offen gegenüber. „Wir haben nichts gegen diese Menschen“, sagt Bauer. „Aber wir wären schon froh, es würden in der Hauptsache Familien hier untergebracht.“ Gegen Kinderlärm, so das Paar, sei schließlich nichts einzuwenden.

Familien sollen Vorzug bekommen

Laut Batzella hat die Stadt genau das im Sinn: Familien sollen in Rottbitze den Vorzug bekommen. Die Mobilheime scheinen auch am besten für Familien geeignet. Einfach und funktional sind diese 40-Quadratmeter-Häuser mit vier Zweibettkammern mit Spind, einem kleinen Duschbad, einer Küchenzeile im Durchgangs-Gemeinschaftsraum.

„Das geht im Familienverbund sicher am besten“, sagt Batzella über den Alltag im Zuhause auf Zeit und betont: „Uns war daran gelegen, dass auch von der Optik her alles hell und freundlich ist.“ Auch wenn alles rein funktional sei, sei es doch weit besser für die Menschen als ein Zelt in einem Lager an der Grenze oder eine Turnhalle.

Wenn die Mobilheime fertiggestellt sind, bedeutet das übrigens nicht, dass sie sofort bewohnt werden: Bei der Belegung wolle man mit Bedacht vorgehen, soweit es möglich sei, sagt Batzella. Dabei helfe der Stadt auch der aktuelle Zuweisungsstopp. Laut Stadtverwaltung ist die Zahl der in Bad Honnef untergebrachten Flüchtlinge seit Ende Januar mit aktuell 468 Menschen annähernd gleich geblieben. Der Fachdienst Asyl stelle sich aber darauf ein, dass dies nur eine Atempause sei: Im April sei mit weiteren Zuweisungen zu rechnen, heißt es in der von der Stadt regelmäßig veröffentlichten Information zur Flüchtlingsunterbringung.

Die Unterbringung sei eine Seite der Medaille, sagen Torres und Batzella – mindestens ebenso wichtig sei die Integration. Und dafür gibt es jetzt, wie berichtet, finanzielle Hilfe. Düsseldorf fördert ein Begegnungshaus und eine weitere Fachkraft bis Ende 2018 im Fachdienst Asyl mit rund 500.000 Euro. Batzella: „Es geht nicht nur darum, die Menschen unterzubringen, es geht um gelebte Integration. Es freut uns sehr, dass wir das Projekt jetzt angehen können.“

Mehrere Schulklassen zur Integration

An Bad Honnefer Schulen gibt es mehrere Vorbereitungsklassen für Kinder aus Flüchtlingsfamilien. Ziel ist es, den Kindern eine schnellstmögliche Eingliederung in den regulären Unterricht zu ermöglichen, in eine ihrem Alter oder ihrer Leistung entsprechende Klasse. An der Konrad-Adenauer-Schule sind zwei Vorbereitungsklassen mit insgesamt 36 Schülern eingerichtet.

Der Schwerpunkt des Unterrichts liege auf dem Erlernen der deutschen Sprache in Wort und Schrift, so die Stadtverwaltung. Geprüft werde auch, welcher Schultyp und welche Regelklasse für die Schüler geeignet ist und wo sie einen Abschluss erreichen könnten. Derzeit werde für den Sekundarbereich I geprüft, ob eine weitere Vorbereitungsklasse eingerichtet werden kann. Wenn die Voraussetzungen vorliegen, werde sie kurzfristig beantragt.

Im Primarbereich gibt es an der Grundschule Theodor-Weinz-Schule bereits eine Vorbereitungsklasse. Im Hinblick auf den Bau der Unterkünfte am Rederscheider Weg und die damit zu erwartenden Schülerzahlen wurde eine zweite Klasse bereits beantragt. Ein weiterer Antrag wurde zwischenzeitlich auch für die Grundschule Am Reichenberg gestellt. suc