Interview mit Hobbyastronom Christian Preuß

"Explosionen auf der Sonne beobachten"

Mr. Spock lässt grüßen: Christian Preuß wirbt im Video der Sternfreunde als Crewmitglied des Raumschiffes Enterprise für den Aufbau einer Sternwarte im Siebengebirge. FOTO: STERNFREUNDE SIEBENGEBIRGE

Mr. Spock lässt grüßen: Christian Preuß wirbt im Video der Sternfreunde als Crewmitglied des Raumschiffes Enterprise für den Aufbau einer Sternwarte im Siebengebirge.

BAD HONNEF. Erste "Weltraumforschertage" hat Christian Preuß an Schulen schon durchgeführt. Aber der große Traum des 47-Jährigen ist es, eine Sternwarte im Siebengebirge, bestenfalls am Waldrand seiner Heimatstadt Bad Honnef, aufzubauen.

Gemeinsam mit anderen Hobbyastronomen hat er sich deshalb beim Wettbewerb der Bad Honnef AG "Verein(t) gewinnt" mit einem Video zur "Sternwarte Siebengebirge" beworben. Philipp Königs sprach mit ihm.

Herr Preuß, die Bad Honnef AG lobt für ihren Wettbewerb als höchsten Preis einen Betrag von 7000 Euro aus. Ein bisschen knapp für den Aufbau einer Sternwarte, oder nicht?
Christian Preuß: Es muss ja nicht direkt eine feste Sternwarte sein. Zunächst reicht eine mobile aus, die beispielsweise mit einem leistungsstarken Sonnenteleskop ausgestattet ist. So etwas kostet in der Anschaffung rund 7000 Euro. Mit einem solchen Gerät kann man tagsüber Explosionen auf der Sonne beobachten und die Strukturen unseres Heimatsterns erkennen. Kinder wie Erwachsene sind völlig überrascht und fasziniert, wenn sie das sehen. Außerdem benötigen wir Fernrohre zur Beobachtung des Mondes, der Planeten und Millionen Lichtjahre entfernter Galaxien.

Lässt sich von Bad Honnef aus mehr im Himmel erkennen als von anderen Orten?
Preuß: In der Nacht herrscht im Siebengebirge mehr Dunkelheit als in einer größeren Stadt wie Bonn, die eigentlich permanent durch Straßenlaternen und Autos beleuchtet ist. Die Lichtverschmutzung des Himmels ist über Bad Honnef geringer. Der Blick auf den Sternenhimmel ist ungetrübter. Und die Faszination fast grenzenlos. Beim Blick durchs Teleskop erkennt man viel mehr Sterne als mit dem bloßen Auge. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es mehr Sterne gibt als Sandkörner an allen Stränden unserer Erde, eine unvorstellbare Menge also. Und vermutlich jeder Zweite davon hat ein eigenes Planetensystem. Ich bin überzeugt, dass eine "Sternwarte Siebengebirge" etwas Neues ist, was unsere Stadt attraktiver macht. Dem Himmel über unserem Naturpark haben wir bislang zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet, obwohl er etwas für alle Generationen ist.

Wer soll das Projekt denn tragen?
Preuß: Den Wettbewerb haben wir - eine Reihe von Hobbyastronomen - zum Anlass genommen, um nun den Verein "Sternwarte Siebengebirge" zu gründen. Vermutlich wird es im November so weit sein. Unterstützer gibt es aus den Reihen der Stadtverwaltung, von Schulen und Tourismusverbänden, aber natürlich auch aus der Bevölkerung. Ein Planeten-Wanderweg, der quer durch die Stadt führen soll, steht ebenfalls auf unserer Agenda.

Sie werben ja im Video als Mr. Spock für das Faszinierende des Weltraums. Ihr Angebot soll niederschwellig sein, oder?
Preuß: Richtig, die Beobachtung von Sternen und Weltraum begeistert und macht großen Spaß. Unsere Astronomie ist nicht etwa staubtrocken oder gehört nur in die Gymnasien. Im Gegenteil. Neugierig auf das Universum sind die meisten Menschen. Die Vermittlung eines humanistischen Weltbildes, das Respekt und Achtung vor der Natur und dem mitmenschlichen Zusammenleben erlebbar macht, sind uns sehr wichtig. Soziale Herkunft und Bildungsniveau spielen dabei keine Rolle. Integration und Inklusion werden daher auch Bestandteile unserer Vereinssatzung sein.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage unter www.Sternfreunde-Siebengebirge.de.

Der Wettbewerb

Den Video-Wettbewerb "Verein(t) gewinnt" veranstaltet die Bad Honnef AG zum 3. Mal. Gestern entschied die Jury darüber, welche der 47 eingesendeten Beiträge unter die besten 20 und damit in die Endausscheidung gelangen. Die Sternfreunde kamen vorerst auf Platz 2, hinter dem Beitrag des Kioskvereins des CJD Königswinter und vor dem des Jugendtreffs Aegidienberg.

Insgesamt wird ein Preisgeld von 20.000 Euro vergeben, verteilt auf fünf Plätze und einen Ehrenplatz. Der 1. Preis ist mit 7000 Euro dotiert. Über die besten Beiträge können Bürger schon über den Youtube-Kanal von "Verein(t) gewinnt" abstimmen. Außerdem haben sowohl die Jury als auch die Gäste am Abend der Preisvergabe (17. November) Mitspracherecht. Mehr Infos unter www.vereint-gewinnt.de.