Luke Jackson im Feuerschlösschen

Erst 21, aber auf der Bühne ein alter Hase

Erstaunliches Charisma: Luke Jackson begeisterte seine Zuhörer im Feuerschlösschen.

Erstaunliches Charisma: Luke Jackson begeisterte seine Zuhörer im Feuerschlösschen.

BAD HONNEF. Was für eine Stimme, was für eine Ausstrahlung, was für ein Talent - und das schon in einem solch jungen Alter. Es herrscht ungläubiges Staunen im Publikum, als Luke Jackson im Feuerschlösschen die ersten Textzeilen singt.

Für das letzte Folkkonzert des Jahres hat man noch einmal alle Register gezogen und den Besuchern die vielleicht größte Überraschung der gesamten Konzertreihe serviert: Gerade einmal

21 Jahre jung, spielt Luke Jackson aus dem englischen Canterbury als Singer-Songwriter bereits in der obersten Liga der britischen Folk-Roots-Szene mit. Sein Auftritt: eine wahre Sternstunde.

"I break hearts just for the fun of it", seufzt das junge Ausnahmetalent, ganz Charmeur, im Eröffnungslied ins Mikrofon - und die jungen Damen im Saal sind hin und weg. Mit verwegenem Charisma und geerdeter Rockstar-Ausstrahlung kann Luke Jackson punkten. Und dann ist da seine Stimme, die den Gästen auf Anhieb den Atem raubt.

Ein wenig erinnert sein Anfangslied an das erste Mal, als man George Ezra oder Jake Bugg im Radio hörte - der da auf der Bühne steht und klingt wie ein Veteran, der den Quell ewiger Jugend entdeckt hat, soll wirklich nur 21 Jahre alt sein? Doch, tatsächlich. Und er hat schon zahlreiche Preise abgeräumt, unter anderem Awards für die Kategorien "Male Vocalist of the Year" und "Best Emerging Talent". Das spricht Bände.

Unterstützt wird Luke Jackson von Bassist Andy Sharps - der dritte Mann im Bunde, Schlagzeuger Connor Downs, ist an diesem Abend verhindert. Aber die Musik der beiden ist auch ohne Percussion so mitreißend, dass sich die zahlreichen Zuhörer zu spontanen Begeisterungsbekundungen à la "Super!" und "Toll!" hinreißen lassen. Ob "Lucy and her Camera" mit seinen flotten Gitarrenriffs,

"Father and Son" als melancholische Ode über ein zerbrochenes Familienleben oder "Out of Time" mit seinem einfühlsamen, poetischen Text - in Jacksons anderthalbstündigem Programm eindeutige Höhepunkte auszumachen, ist keine leichte Aufgabe. Die Stücke sind dazu einfach durchweg zu gut. Dazu kommt: Live ist er noch einmal besser als auf seinen Studioaufnahmen, er hat von seinen jüngsten Tourerfahrungen gelernt - noch kraftvoller ist sein Gesang, eindringlicher, voller Wärme.

Alle Tonlagen, alle Gemütslagen geht Jackson durch und verlangt seinen Stimmbändern einiges ab - angestrengte Grimassen inklusive. Auch seine Gitarre wird im besten Sinne des Wortes in die Mangel genommen. Zum Schluss reißt ihm gar eine Saite, die er während einer spontanen A-cappella-Zugabe auswechselt, bis die ausgewechselte Saite ebenfalls mit einem lauten Krachen in zwei Teile fetzt.

Jackson schaut verdutzt ins Publikum, kommentiert nonchalant: "Ach, die Saite war doch eh nicht wichtig" - und spielt mit nur fünf Saiten weiter. Improvisieren kann er auch noch. Und zum Schluss gibt es ein großes Pop-Rock-Mashup mit aktuellen und vergangenen Hits, von George Ezras "Budapest" bis "Hit the Road, Jack". Keine Frage: Luke Jackson dürfte eine leuchtende Zukunft sicher sein. Das Publikum im Feuerschlösschen ist jedenfalls so begeistert, dass es ganze drei Zugaben einfordert. Und im Foyer ist danach zu hören: "Das war das beste Konzert, das ich hier bisher gehört habe."