Gespräch am Wochenende

Elke Mißner hat die Zeit-Tauschbörse ins Leben gerufen

Bad Honnef. Tausche Bügelservice gegen Mithilfe bei der Gartenarbeit - bei der Zeit-Tauschbörse Bad Honnef wird vermittelt, was mit Geld kaum zu bezahlen ist: nachbarschaftliches Engagement. Mit Elke Mißner, die die Zeit-Tauschbörse gemeinsam mit ihrem Mann Rüdiger ins Leben gerufen hat, sprach Gabriela Quarg.

Eigentlich ist Zeit ja heutzutage Mangelware. Haben Sie dennoch genügend Mitglieder?

Elke Mißner: Unser ehrgeiziges Ziel, bis Jahresende 40 Mitglieder zu gewinnen, haben wir jedenfalls schon übertoffen. Momentan sind es 45 Leute, die bei der Zeit-Tauschbörse mitmachen. Wir sind also sehr zufrieden. Die Idee ist aber auch einfach klasse. In den ersten Monaten konnten wir bereits mehr als 20 unterschiedliche Hilfeleistungen vermitteln.

Was werden denn für Hilfeleistungen angeboten?

Mißner: Alles Mögliche, was man unter erweiterter Nachbarschaftshilfe verstehen kann: vom Gassigehen mit dem Hund über kleine Reparaturen und Hilfe am PC bis hin zu Kinderbetreuung, kleine Fahrdiensten und ähnlichem. Zum Beispiel war ein Mitglied gestürzt und konnte kaum laufen, jemand ist dann für sie einkaufen gegangen. Ganz wichtig ist uns, dass wir keine Konkurrenz für Handwerker und andere Berufsgruppen sein möchten. Wir verstehen uns als reine Nachbarschaftshilfe.

Wie ist die Initiative entstanden?

Mißner: Mein Mann und ich wollten uns, nachdem wir aufgehört haben zu arbeiten, gerne ehrenamtlich engagieren. Vom Bündnis Hauptsache Familie kam dann der Vorschlag, eine Zeit-Tauschbörse, wie es sie ja auch schon in anderen Städten gibt, ins Leben zu rufen. Die Idee hat uns sehr gefallen, vor allem weil es ein generationenübergreifendes Projekt ist.

Im April dieses Jahres sind Sie dann an die Öffentlichkeit gegangen. Wie war die Resonanz?

Mißner: Die war super. Zum ersten Treffen sind nicht nur viele Interessierte gekommen, die sich erst einmal informieren wollten, wir haben auch gleich einige Mitglieder gewinnen können.

Wie werden die monatlichen Treffen jetzt angenommen?

Mißner: Die Treffen sind sehr beliebt bei unseren Mitgliedern. Sie möchten sich ja auch untereinander gerne kennenlernen und austauschen. Außerdem können wir jedes Mal sieben bis zehn neue Interessenten begrüßen.

Die Zeit-Tauschbörse beruht auf dem Prinzip "Geben und Nehmen". Wie funktioniert das praktisch?

Mißner: Wir haben ein Punktesystem eingeführt. Jedes neue Mitglied bekommt zu Beginn fünf Punkte, also zweieinhalb Stunden Zeit, gutgeschrieben, die man für Hilfeleistungen in Anspruch nehmen kann. Für jede halbe Stunde selbst geleistete Hilfe gibt es einen weiteren Punkt. Entsprechend werden Punkte abgezogen, wenn man Hilfe in Anspruch nimmt. Es ist aber auch überhaupt nicht schlimm, wenn man mal ins Minus kommt.

Die Zeit-Tauschbörse engagiert sich in der Flüchtlingshilfe. Inwiefern?

Mißner: Wenn kurzfristig Hilfe gebraucht wird, und das nicht nur im Zusammenhang mit den Flüchtlingen, sondern zum Beispiel auch bei der Tafel, dann stehen wir Gewehr bei Fuß und fragen unter unseren Mitgliedern ab, ob jemand einspringen kann. Vorteil ist, dass wir viele Mitglieder haben, die im Ruhestand sind und ganztags zu Hause sind. Für derartige Hilfeleistungen vergibt dann übrigens das Organisationsteam Punkte.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Mißner: Natürlich noch mehr Mitglieder, vor allem auch jüngere Familien. Je mehr Personen an unserer "erweiterten Nachbarschaftshilfe" teilnehmen, umso mehr Hilfe können wir leisten und umso lebendiger wird die Zeit-Tauschbörse. Daher freuen wir uns über jedes neue Gesicht bei unseren Treffen und über jeden neuen Aufnahmeantrag.

Informationen zur Zeit-Tauschbörse erteilt das Organisationsteam unter Tel. 0 22 24/98 09 12 oder unter Tel. 01 70/2 40 44 31 sowie per E-Mail anzeittausch@familie-bad-honnef.de. Interessenten sind zum nächsten Treffen am Mittwoch, 4. November, um 18.30 Uhr im "Alten Rathaus" am Markplatz in Bad Honnef eingeladen.

Zur Person

Elke Mißner ist 66 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Söhne und zwei Enkel. Seit 1986 lebt sie mit ihrer Familie in der Region, zunächst in Unkel und Ockenfels, seit 16 Jahren dann in Bad Honnef. Beruflich war sie 25 Jahre lang selbstständig tätig, unter anderem in der Veranstaltungs- und Verbandsorganisation. Ihre Hobbys sind Lesen, Ikebana, Fotografieren und natürlich die beiden Enkel.