Diskussion um die Mayersche Buchhandlung

Einzelhändler in Bad Honnef sind beunruhigt

Gewachsene Strukturen: Die Bad Honnefer Fußgängerzone ist geprägt von inhabergeführten Geschäften.

Gewachsene Strukturen: Die Bad Honnefer Fußgängerzone ist geprägt von inhabergeführten Geschäften.

Bad Honnef. Die Mayersche Buchhandlung hat Interesse am Standort Bad Honnef bekundet. Das sorgt bei den Händlern in der City für Aufregung. Der Vorsitzende der Innenstadtgemeinschaft Centrum hat einen Brandbrief an die Stadt geschrieben.

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Die Mayersche Buchhandlung KG liebäugelt mit einer Ansiedlung in Bad Honnef. Die Stadt sei „ein interessanter Standort“, sagte Katharina Mesters, Sprecherin des Unternehmens mit Hauptsitz in Aachen, auf GA-Anfrage.

Vorerst handele es sich lediglich um ein „grundsätzliches Interesse am Standort wie an neuen Standorten generell“. In Rede steht das Ladenlokal des ehemaligen Kaiser's. Dessen Verwaltungsgesellschaft ließ wissen, für die Immobilie gebe es noch kein neues Mietverhältnis. An Spekulationen um mögliche Nachnutzungen wolle man sich nicht beteiligen.

Unterdessen sorgt das Szenario einer Großbuchhandlung mit eventuell erweitertem Sortiment wie Zeitschriften, Schreibwaren und Geschenkartikeln sowie Café bei Bad Honnefer Geschäftsleuten für erhebliche Unruhe und konkrete Existenzängste. „Es geht um das Überleben der Innenstadt“, kommentierte etwa Georg Zumsande, Vorsitzender der Innenstadtgemeinschaft Centrum, am Donnerstag eine mögliche Neuansiedlung der Mayerschen.

Stadt reagierte auf Unruhe

Er schrieb sofort einen Brandbrief an Bürgermeister Otto Neuhoff und Wirtschaftsförderin Johanna Högner. Ausgelöst hatte die Sorgen offenkundig die Mayersche Buchhandlung selbst, wie Ulli Helmling, Mitinhaberin der Buchhandlung Werber, dem GA sagte. Am Mittwoch habe sie der Anruf einer angeblichen Vertreterin der KG erreicht, in dem diese „schon sehr konkret“ geworden sei. Von Umbauten und sogar „von einer möglichen Übernahme unserer Belegschaft“ sei die Rede gewesen, so Helmling: „Motto: Friss oder stirb.“ Die Mayersche kommentierte diese Darstellung jedoch auf Anfrage nicht. Für Helmling steht fest: „Für uns wäre das der Untergang.“

Helmling wandte sich an Zumsande und die Stadtverwaltung, um die Sache zu verifizieren. Letztere indes habe ebenfalls „am Mittwoch erstmals erfahren“, dass es Kontakte zwischen der Verwaltungsgesellschaft des Kaiser's-Gebäudes und der Mayerschen Buchhandlung gibt, hieß es am Donnerstag in einer Pressemitteilung, mit der die Stadt offenbar auf die Unruhe reagierte. Wörtlich: „Am gestrigen Nachmittag wurde die Stadtverwaltung erstmalig angesprochen und erhielt die Information, dass die Mayersche Buchhandlung ein mögliches Interesse an der Ansiedlung in der ehemaligen Kaiser's-Filiale in der Hauptstraße 42 habe.

Wie wahrscheinlich dies ist, kann derzeit städtischerseits nicht genau eingeschätzt werden.“ Grundsätzlich gelte: Auf die Form der Nutzung der – privaten – Räume habe die Stadt keinen Einfluss. „Wir stehen aber im regelmäßigen Austausch mit dem Verpächter. Dabei ist unter anderem das Ziel, die städtischen Interessen in den Entwicklungsprozess der Immobilie einzubringen.“

Bislang nur Wasserstandsmeldungen

„Bislang handelt es sich stets nur um Wasserstandsmeldungen. Gäbe es einen Mietvertrag, dann wüssten wir davon“, ergänzte Bürgermeister Otto Neuhoff auf GA-Anfrage. Eben den gebe es noch nicht, sagte Peter Lausmann, Senior PR-Manager der Jones Lang LaSalle GmbH (JLL), dem GA. Wie berichtet, ist JLL vom Eigentümer mit der Vermarktung des Gebäudes, in dem sich bis November die Kaiser's-Filiale befand, beauftragt.

Die Immobilie gehört zu einem Immobilien-Portfolio mit 30 Objekten. „Wir sind nach wie vor in alle Richtungen offen. Dass es bereits eine langfristige Alternative gebe, können wir nicht bestätigen. Es gibt noch kein neues Mietverhältnis“, so Lausmann. Wie schon zuvor betonte der JLL-Sprecher, man sei für die Immobilie an einer nachhaltigen Lösung interessiert, die auch ins Umfeld passe.

Unruhe in der City ist groß

Die Unruhe in der City ist jedenfalls groß. Im Brief an Neuhoff und Högner schreibt Zumsande: „Sollte daran etwas Wahres sein, wird die Einzelhandelsstruktur der Innenstadt in erhebliche Schieflage geraten. Kurzfristige Geschäftsaufgaben alteingesessener Bad Honnefer Familienbetriebe wären die Folge.“ Denn: Ein Konzept wie das der Mayerschen bedrohe nicht nur den Buchhandel wie eben Werber und „Der kleine Buchladen“ von Helma Mies an der Bahnhofstraße. Betroffen wären auch weitere Branchen

Walter Löbach, Centrums-Geschäftsführer und Geschäftsführer des Bürofachhandels Retz: „Die Auswirkungen wären dramatisch.“ Zumsande in seinem Brief weiter: „Wir verweisen nach wie vor auf die Dringlichkeit, die Lebensmittelversorgung in unserer Innenstadt sicherzustellen. Kontakte haben wir mehrere hergestellt, leider bisher ohne Erfolg.“

Auch Ulli Helmling fürchtet nicht nur um ihre Bundhandlung: „So etwas betrifft die ganze Stadt. Das sollte man sich ganz genau überlegen. Ein großes Unternehmen ist ist der Lage, ein paar Jahre durchzuhalten – aber bis dahin sind alle anderen vielleicht tot. Das macht die City kaputt.“