Schülerwettbewerb im Physikzentrum Bad Honnef

Ein Fallschirm für Eier und die Vakuum-Bazooka

Raymond Mason (16 Jahre) vom Siegerteam "Omicron" verteidigt im Final-Battle seine Erörterungen zum "Balloon Airhorn" gegen Kontrahentin Lilith Diringer (17 Jahre) vom zweitplatzierten Team "Aperture Science".

Raymond Mason (16 Jahre) vom Siegerteam "Omicron" verteidigt im Final-Battle seine Erörterungen zum "Balloon Airhorn" gegen Kontrahentin Lilith Diringer (17 Jahre) vom zweitplatzierten Team "Aperture Science".

Bad Honnef. 85 Physik-Nachwuchstalente aus ganz Deutschland treten beim „German Young Physicists' Tournament“ in Bad Honnef an. Die fünf Besten reisen im deutschen Nationalteam zum internationalen Wettstreit nach Singapur.

Im letzten Jahr hatte sie noch als stolze Co-Siegerin die Goldmedaille in Empfang genommen, bei der diesjährigen Ausgabe des „German Young Physicists' Tournament“ (GYPT) saß Ann-Kathrin Raab aus Rosenheim schon als frisch gebackene Mentorin auf der Jurorenbank. Gezwungenermaßen, denn der Erhalt des Abiturs schließt eine weitere Teilnahme an dem dreitägigen Schülerwettbewerb im Honnefer Physikzentrum grundsätzlich aus.

„Aber wenn ich könnte, würde ich sofort noch einmal mitmachen“, meinte die 19-Jährige, die aufgrund ihrer Begeisterung für den GYPT an der Technischen Universität München ein Physikstudium begonnen hat. Einmal mehr kämpften 85 Nachwuchstalente, allesamt Gewinner ihrer jeweiligen regionalen Vorentscheide, in anspruchsvollen Vortrags-Duellen nicht nur ums Edelmetall, sondern vor allem auch um die fünf freien Plätze im deutschen Nationalteam für den „International Young Physicists' Tournament“ in Singapur.

Voraussetzung: die überzeugende, kreative und stichhaltige Darstellung eines von 17 im Vorfeld bearbeiteten physikalischen Problemen. Eine Herausforderung, die die Besten der Besten liebend gerne annahmen. Physik in der Schule? „Nein, das fand ich schlimm, das hat keinen Spaß gemacht“, gab Ann-Kathrin Raab mit einem Kopfschütteln zu. „Beim GYPT aber werden Ergebnisse offen präsentiert, es gibt nicht die eine richtige Musterlösung, es ist mehr Kreativität gefragt.“

Umso mehr Spaß mache es ihr jetzt, aus Mentorenperspektive den neuen Teilnehmern bei den oftmals genialen Bearbeitungen der ausgewählten Aufgaben über die Schulter zu schauen. Und der Aufgabenkatalog war einmal mehr genauso kurios wie anspruchsvoll: Da galt es etwa, die kleinstmögliche Apparatur zu basteln, die einem herabstürzenden rohen Hühnerei eine sichere Landung ermöglicht.

„Ein Mini-Fallschirm oder ein Schaumstoffpolster sind nur zwei von etlichen denkbaren Möglichkeiten“, kommentierte Organisator Florian Ostermaier von der Universität Ulm, die den Bundeswettbewerb gemeinsam mit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) nun zum vierten Mal ausrichtete. „Wir Juroren haben keine perfekte Antwort, die wir abfragen möchten, sondern lassen uns gerne überraschen.“

Ebenfalls beliebt: die „Vakuum-Bazooka“, zusammengebaut aus einem Plastikrohr, einem daran angeschlossenen Staubsauger und einem leichten Geschoss, das ein Teilnehmer durch Einfrieren auf bis zu 250 Stundenkilometer beschleunigte. Simpel, aber genial – die Essenz der GYPT-Meisterschaft.

Den Ergebnissen wurde, ganz im Sinne des wissenschaftlichen Diskurses, in „Battles“ auf den Zahn gefühlt – und das durchweg in englischer Sprache. Der „reporter“ eines Teams präsentierte die gewonnenen Daten, während der „opponent“ als Vertreter einer gegnerischen Mannschaft Schwachstellen in der Argumentation zu entlarven suchte. Kritisch, teils unbarmherzig, aber immer fair und sachbezogen, so lautete die Devise. Und diese Physik-Battles waren alles andere als reine Männersache: Besonders erfreulich sei der hohe Frauenanteil unter den Finalistinnen von rund 30 Prozent, so DPG-Präsident Rolf-Dieter Heuser.

Das zeige, dass Schülerinnen durchaus Interesse am, so der Vorwurf, traditionell männerdominierten Fach Physik entwickeln, wenn sie Möglichkeiten geboten bekämen: „Es beweist, dass sie wollen“, so Heuser – „dass sie können, steht außer Frage“. Das bewies am Ende auch der Medaillenspiegel. Gold ging an das Team „Omicron“, bestehend aus Raymond Mason, Thomas Rauch (beide München) und Pascal Reeck (Leipzig). Statt einer Bronzemedaille wurde gleich zwei Mal Silber vergeben: So durften sich Lilith Diringer (Karlsbad), Nikola Tsarigradski (Baden-Baden) und Hanna Werner (Schwerin) vom Team „Aperture Science“ den zweiten Platz mit dem Team „C4LQL8T3D“, bestehend aus Fabian Bartuschk, Paul Linke und Christoph Seibt (alle aus Löbau), teilen.

Die Team-Turniersieger dürfen sich nun über eine exklusive Exkursion zum Forschungszentrum CERN freuen. In die elfköpfige Nationalauswahl der besten Einzelteilnehmer berufen wurden indes Toni Beuthan, Lilith Diringer, Waleed El-Kishawi, Sebastian Friedl, Paul Linke, Birk Magnussen, Raymond Mason, Auguste Medert, Nikola Tsarigradski, Hanna Werner und Luisa Neubauer.

Aus ihnen werden nun im Zuge eines vierwöchigen Workshops die fünf absolut Besten für die Nationaldelegation nach Singapur ermittelt. Die Messlatte dort liegt übrigens reichlich hoch: Im vergangenen Jahr schaffte es das deutsche Team auf den zweiten Platz.