Wohnen in Bad Honnef

Ein Denkmal wie ein Kraftwerk

Bad Honnef. Das Haus Mayer-Kuckuk ist für den Rheinisch-Westfälischen Staatspreis für Denkmalpflege nominiert. Das Unikat von 1967 nach Plänen des Architektur-Professors Wolfgang Döring sorgt in der Fachwelt nach wie vor für Aufsehen. Die Eigner haben es aufwendig saniert.

Denkt man an Denkmäler in Bad Honnef, so sind dies alte Stadtvillen oder Fachwerkhäuser in Rommersdorf. Dagegen macht sich das Haus Mayer-Kuckuk an der Böckingstraße geradezu puristisch aus. Das ungewöhnliche Gebäude, benannt nach seinem Bauherren, dem Atomphysiker Theo Mayer-Kuckuk, ist jetzt für den Rheinisch-Westfälischen Staatspreis für Denkmalpflege nominiert und mit nur fünf weiteren Objekten in der Endauswahl.

Verliehen wird der Preis für die vorbildliche Sanierung eines Denkmals durch Privatleute – ein Unterfangen, von dem Andrea Köhler und ihr Mann Hartmut Witte im Traum nicht gedacht hätten, wie lange es sie tatsächlich in Atem halten würde. Mehr als vier Jahre vergingen von der Planung bis zur Umsetzung. „Anfangs wurde die Sanierungszeit auf drei Monate geschätzt, daraus geworden sind zehn Monate“, sagte Witte zum GA.

"Eine utopische technoide Innovation"

Das 1967 von Mayer-Kuckuk auf einem Erbpachtgrundstück der Elly-Hölterhoff-Böcking-Stiftung der Uni Bonn errichtete Wohnhaus gehört zu den am meisten dokumentierten Bauobjekten der Nachkriegsgeschichte. Architekturstudenten pilgerten nach Bad Honnef, um das Haus zu begutachten. 1992 – Andrea Köhler hatte das Gebäude 1988 erworben – war dem Haus ein Artikel im Fachblatt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) gewidmet. Ein „architektur- und gesellschaftshistorisches Zeugnis der 1960er Jahre“ sei das Haus, eine „utopische technoide Innovation“.

Eigentlich sollte das Fertighaus mit einem Tragwerk aus Leimholzbalken mit dem eigenwilligen Äußeren, das seinen Bewohnern zufolge schon Beinamen bekam wie „das Kraftwerk“, in Serie gehen. Dazu kam es nicht. Das Haus, dessen Aufbau auf dem Fundament nur Tage in Anspruch nahm, blieb ein viel beachtetes Unikat. 2007 wurde es als Baudenkmal unter Schutz gestellt. In der Denkmalliste der Stadt Bad Honnef trägt es die Nummer „A 280“.

Ein Haus als Gebrauchsartikel

Die Bauweise war dem Gedanken gewidmet, das Heim als eine Art „Gebrauchsartikel“ zu begreifen. Die Idee: ein bezahlbares Haus, in wenigen Wochen liefer- und aufbaubar und durch Module jederzeit erweiterbar. Mehr als 80 000 Deutsche Mark, so war Mayer-Kuckuks Devise 1965, durfte es nicht kosten.

Weit mehr sollte es kosten, das Denkmal zu erhalten. Wirtschaftlich, so urteilte Witte bereits 2014 in der Hochphase der Vorplanung, sei der Erhalt eigentlich „Unsinn“. Denn die Bauweise sieht nicht nur ungewöhnlich aus, sie ist es auch: Der Bau besteht im Wesentlichen aus einem außerhalb der Wände angeordneten Tragskelett mit Doppelzangenträgern, das mit Sandwichplatten aus Eternit, Glaswolle und Spanplatten „gefüllt“ ist. Das Ganze ruht auf dünnen Stahlstiften im Betonfundament. 1990 ließ die Eigentümerin das Haus sanieren, „aber es fand sich niemand, der sich an die Balken rantraute“, hieß es 2014.

Feuchtigkeit hatte der Konstruktion zugesetzt

Problem: Feuchtigkeit hatte dem Skelett zugesetzt, die Statik drohte zu brechen. Köhler fand Hilfe bei der DSD; viele Experten zerbrachen sich darüber den Kopf. Denn: Auch künftig musste das außen liegende Holz von Staunässe verschont bleiben. Alle Wände mussten geöffnet werden, um an die Stützen heranzukommen – mit der Folge, dass das Haus komplett geräumt werden musste. Witte: „Was die Zimmerleute hier geleistet haben, das war Knochenarbeit.“

42 Tage dauerten allein diese Arbeiten, „immer mit dem Risiko, man macht etwas falsch“. Jeder Schritt wurde mit der überörtlichen wie örtlichen Denkmalpflege abgesprochen, „die Zusammenarbeit war ausgezeichnet“, so Witte. Aus dem Bad Honnefer Rathaus kam dann auch der Tipp, sich für den NRW-Preis zu bewerben.

Das Haus gehörte auch zu den mehr als 330 Projekten in NRW, die die DSD dank Spenden und Mitteln der Glücksspirale-Rentenlotterie von Lotto mit 55 000 Euro förderte. Viel mehr war indes nötig. Witte: „Man redet im Denkmalschutz immer von Verhältnismäßigkeit, die war hier nicht mehr gegeben.“ Vieles sei selbst beim Beginn der Arbeiten 2015 nicht absehbar gewesen. So seien Teile „von innen verfault gewesen“.

Witte und Köhler schätzen das besondere Wohnklima mit vielLicht von oben in ihrem Haus. Aber der Erhalt des Denkmals sei auch Verpflichtung. Witte: „Das Haus gibt es genau einmal auf der Welt. Wir wollen es im Original erhalten.“ Und dieses Bemühen hört nicht auf. Auch die Mauer drumherum soll wiederhergestellt werden, wie sie 1965 ersonnen wurde.

Der Prototyp blieb ein Unikat

Das Wohnhaus Mayer-Kuckuk wurde 1967 nach dem Entwurf des Architekten Wolfgang Döring erbaut und gilt als bedeutendes Beispiel innovativen Wohnbaus des 20. Jahrhunderts. Döring, 1934 in Berlin geboren und Professor an der Technischen Hochschule in Aachen, befasste sich in den 60er Jahren mit der Entwicklung von Systembauten, variablen Raumstrukturen und modularen Baukörpern. In einem 1977 veröffentlichten Interview sagte er über das Gebäude: „Das Aussehen dieses Hauses hat mich eigentlich überhaupt nicht interessiert.“ Bestandteil des Konzeptes und der Planungen war es, eine Produktionsform zu finden, die sich für eine Serienfertigung eignete.

Döring konnte den Hersteller Nachbarschulte aus Dorsten für die Erstellung des Hauses als Fertighaus-Prototyp gewinnen. Die Firma nahm es in ihr Programm auf und bewarb es als innovatives Produkt, auch um sich ein moderneres Image zu geben. Das Interesse blieb aber weit hinter den Erwartungen, eine rentable Serienproduktion war nicht möglich.

Ein Preis für vorbildlichen Denkmalschutz

Im März 2017 verleiht das Land NRW den mit 7000 Euro dotierten Rheinisch-Westfälischen Staatspreis für Denkmalpflege, teilt das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland mit.

Sechs von 26 Bewerbungen sind in der Endrunde, das Haus Mayer-Kuckuk, die „Alte Dreherei“ in Mülheim/Ruhr, die „Lohmühle“ Duisburg-Baerl, das „Sudhaus“ der ehemaligen Brauerei Lohbusch/Viersen, ein Wohnhaus des Architekten Horst Schmidtges/Viersen und das „Kolumbarium“ in Duisburg-Duissern.