Bad Honnef

Eigentümer lässt Edelhoffstift einzäunen

Blick entlang der Hauptstraße: Das private Gelände am Edelhoffstift ist nun durch einen Zaun gesichert.

BAD HONNEF. Ein jähes Ende finden Spaziergänge neuerdings am Edelhoffstift: Dort, wo bisher der Gang durch den Park möglich war, müssen die Bürger draußen bleiben.

Das Areal, das zu dem Denkmal an der Hauptstraße gehört, ist eingezäunt. Irritiert äußerten sich Bürger gegenüber dem GA auch über die Zaun-Gestaltung: Sie sei dem Denkmal abträglich.

Was viele Honnefer erstaunt oder verärgert nach den Gründen fragen lässt, ist für den Eigentümer des Hauses und des 11.000 Quadratmeter großen Areals nach eigener Aussage eine Notwendigkeit, geschuldet in erster Linie der Verkehrssicherungspflicht. "Wir möchten die Risiken nicht mehr tragen", sagte Peter Albrecht dem GA.

Der Zaunbau sei mit Stadt und Denkmalpflege abgestimmt, so die Stadt. 1983, nach dem Aus der Kur AG, hatte die Rhenania Residenzen GmbH von Christine und Peter Albrecht die Kurklinik "Drachenfels" übernommen und zur Seniorenresidenz umgewandelt; eröffnet wurde die Parkresidenz 1984.

Mit der Kurklinik wechselte auch das Edelhoffstift, das frühere "Haus des Kurgastes", den Besitzer. Das Haus diente als Rhenania-Hauptsitz sowie als Privatwohnung. Seit dem geschäftlichen wie privaten Umzug nach Königswinter wird das Denkmal dauerhaft unterhalten und überwacht. Es steht seit drei Jahren zum Verkauf.

Dasselbe gilt für den Park. Laut Albrecht wiegt hier die Frage der Haftung immer schwerer. Sorge bereitet dem Eigentümer vor allem der Baumbestand. Viele Bäume seien in die Jahre gekommen oder krank. "In den vergangenen 30 Jahren haben wir schon an die 40 bis 50 Bäume verloren", so Albrecht.

Alleine bei der Böenwalze 2008 seien 19 Bäume umgestürzt. 2012 hatten mehrere Bäume gefällt werden müssen, weil sie von Experten als stark bruchgefährdet eingeschätzt worden waren. Schwergefallen sei dies vor allem bei einem Mammutbaum, "das war doch ein Jammer", so Albrecht. Auch andere Bäume im Park seien potenzielle Gefahrenquellen.

Unmissverständlich klar macht der Unternehmer zugleich: Angesichts des geplanten Verkaufs müsse "man deutlich machen, dass es Privatgelände ist" und wie weit sich dieses erstrecke. Albrecht hofft nach wie vor, einen Käufer zu finden, der sich der "Verpflichtung für ein solches Gebäude bewusst ist".

Albrecht betonte, der Park der Parkresidenz mit 18.000 Quadratmetern bleibe offen. Die Wege im Park des Edelhoffstiftes würden renaturiert. Es wundert ihn nicht, dass die Aktion auch auf Kritik stößt: Der Park sei als Areal der Allgemeinheit wahrgenommen worden, obwohl er dies nicht sei.

Zwar hält sich in der Stadt hartnäckig das Gerücht, beim Verkauf in den 80er Jahren sei eine dauerhafte Öffnung des Parks vertraglich festgelegt worden. Bad Honnef AG, der der Vertrag vorliegt, und Stadt widersprachen: Es gebe keine solche Vertragsregelung, bestätigt der Technische Beigeordnete Jopa Vedders. Nur BHAG-Versorgungseinrichtungen müssten zugänglich bleiben; aber dafür brauche es keinen Vertrag - das sei gesetzlich geregelt, so die BHAG, und sei trotz Zaun der Fall.

Zur Zaun-Gestaltung sagte Vedders, Höhe und Farbe seien im Vorfeld mit der Stadt und der Denkmalschutzbehörde beim Kreis abgestimmt worden. Ursprünglich sei ein höherer Zaun geplant gewesen, der das Denkmal aber weit mehr beeinträchtigt hätte. In Gesprächen mit dem Eigentümer im Sommer 2012 sei Einigkeit erzielt worden. Zur Verkehrssicherungspflicht sagte Vedders, sie sei "in jedem Fall ein Thema". Denn sie müsse vom Privateigentümer sichergestellt werden.

Das Edelhoffstift

Erbaut worden ist das Edelhoffstift um 1870 von Matthias Heinrich Göring und seiner Frau Charlotte. Das Paar engagierte sich in Honnef und in der evangelischen Gemeinde, auch mit finanziellen Zuwendungen. Görings schenkten der Kirchengemeinde ein Haus und für die neue Kirche die Orgel.

1876, bald nach der Übersiedelung nach Honnef, war Matthias Heinrich Göring Kirchmeister geworden. Die Stadt verlieh ihm 1910 das Ehrenbürgerrecht. 1913 starb Charlotte Göring, drei Jahre später ihr Mann. Nach dem Träger des preußischen Rothen Adlerordens wurde die ehemalige Rommersgasse als Göringallee benannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde daraus Am Spitzenbach: Weil der Name Assoziationen an den führenden Nazi Hermann Göring wachrief, mit dem der mildtätig wirkende Honnefer nichts zu tun hatte. Später kaufte der Remscheider Industrielle Johann Wilhelm Edelhoff die Villa.

Er vererbte sie seiner Heimatstadt, unter der Bedingung, sie als Kinderheim zu nutzen. 1964 wechselte sie als Edelhoffstift in das Eigentum der Stadt Bad Honnef und wurde Haus des Kurgastes. Nach dem Aus der Kur AG übernahm Familie Albrecht die Kurklinik "Drachenfels" Mitte der 80er Jahre und wandelte sie um in eine Seniorenresidenz; das Edelhoffstift wurde Sitz der Rhenania Residenzen GmbH und Wohnhaus. Nunmehr steht das Edelhoffstift zum Verkauf.