Bares für Rares, Babylon Berlin und mehr

Diese TV-Produktionen spielen auf Schloss Drachenburg

SIEBENGEBIRGE. „Babylon Berlin“ und „Bares für Rares“ machen das Schloss am Drachenfels einem Millionenpublikum bekannt. Die Anfragen von Location-Scouts zeigen: Da geht noch mehr.

Horst Lichter und „Babylon Berlin“ sind für Schloss Drachenburg echte Glücksfälle. Als Kulisse für Film- und Fernsehproduktionen schreibt das 1883 erbaute Märchenschloss erstmals schwarze Zahlen.

An diesem Donnerstag ist die Drachenburg erneut in der Kultserie „Babylon Berlin“ in der ARD zu sehen, am Montag beschäftigte sich die ZDF-Drehscheibe mit der Familie des Erbauers Stephan von Sarter, und am Mittwoch läuft bereits die dritte Folge der ZDF-Trödelshow „Bares für Rares“ mit Horst Lichter, die in diesem Jahr auf Schloss Drachenburg gedreht wurde.

Dreimal in einer Woche im TV, das ist Rekord – 26 Jahre, nachdem Helmut Dietl im Siebengebirge die Kinokomödie „Schtonk“ drehte. „'Bares für Rares' ist für uns ein echter Sechser im Lotto. Was wir an Reaktionen erhalten haben, ist wirklich sensationell“, sagt Joachim Odenthal, Geschäftsführer der Schloss Drachenburg gGmbH.

Rekordverdächtige Besucherzahlen

Die Zahl der Zugriffe auf die Homepage, die an normalen Tagen bei 5000 bis 8000 liegt, sei bei der letzten Ausstrahlung der Sendung auf 180.000 hochgeschnellt. Bei Wikipedia, wo die täglichen Besucherzahlen gewöhnlich zwischen 400 und 500 pendeln, waren es dank Horst Lichter 25.000. Das „geile Schloss“, wie es bei dem TV-Koch heißt, ist gefragt wie nie. Auch an den Tagen nach den Sendungen steht das Telefon nicht still.

Bis Ende September hatten bereits 160.000 Menschen die Drachenburg besucht – das sind 50.000 mehr als im Vergleichszeitraum 2017 und 30.000 mehr als im bisherigen Rekordjahr 2016, als in zwölf Monaten 209.000 Besucher gezählt wurden.

„Wenn die Einzigartige Weihnachtszeit gut läuft, kommen wir in diesem Jahr auf 230.000 Gäste“, sagt Odenthal. Inzwischen schreibt das Schloss bei einem Jahresumsatz von knapp über zwei Millionen Euro erstmals eine schwarze Null. „Wir sind eine der ganz wenigen Einrichtungen in Deutschland, die das hinbekommen“, ist der Geschäftsführer darauf durchaus stolz.

Das ZDF hat schon Termine für 2019 gebucht

Neben den erweiterten Öffnungszeiten – das Schloss ist in diesem Jahr seit Mitte Januar abends eine Stunde länger zu besichtigen – dürfte die starke TV-Präsenz daran einen maßgeblichen Anteil haben. Und die soll auch so bleiben. „Bares für Rares“ hat für 2019 bereits Termine reserviert. Dabei sind die Produktionen der Drachenburg nicht in den Schoß gefallen.

„Wir bekommen zwar regelmäßig Anfragen. Aber wir sind auch aktiv am Markt tätig“, so Odenthal. Er zeigt die Bewerbungsmappe, mit der das Schloss als Produktionsstandort den Filmgesellschaften und Location-Scouts schmackhaft gemacht wird.

Ein Vorteil für viele Unternehmen ist, dass sie hier optimale Drehbedingungen in einem abgeschlossenen Arbeitsumfeld vorfinden, weiß Odenthal. Häufig muss er aber auch absagen. „Wir können viele Anfragen nicht bedienen, weil wir das Schloss nicht sechs Wochen lang schließen können.“

Mittlerweile sei man bei Dreharbeiten aber so geübt, dass man die Einschränkungen für die Tagesbesucher in Grenzen halten könne. Bei „Bares für Rares“ musste die Drachenburg zwei Tage, bei den Dreharbeiten für „Babylon Berlin“ fünf Tage komplett für die Öffentlichkeit geschlossen werden.

Künstliches Blütenmeer für "Babylon Berlin"

Dabei betrieb die Produktionsgesellschaft besonders bei „Babylon Berlin“ einen gigantischen Aufwand. So wurde der Schlosspark für die Jagdszene mit dem Stahlfabrikanten Alfred Nyssen, gespielt von Lars Eidinger, im November 2016 in ein Blütenmeer verwandelt, weil sie im Sommer spielte. „Da wurde auch digital sehr viel nachgearbeitet“, berichtet Odenthal.

Außerdem wurden ein dressierter Hirsch mit seinem Trainer, ein Fuchs und ein Wolf als lebende Requisiten herbeigeschafft. Für eine Szene in der Kunsthalle wurde eigens eine 25 Meter lange Tafel angefertigt.

Die Filme und TV-Produktionen haben nicht nur einen gewaltigen Werbewert, sondern zahlen sich für das Schloss auch direkt in barer Münze aus. „Wir verlangen eine Aufwandsentschädigung und Miete, die den Nutzungsausfall der Räume durchaus kompensiert.“ Den Preis nennt Odenthal nicht.

DSDS wird auf dem Gipfelplateau aufgezeichnet

Etwas weiter oben am Berg, auf dem Drachenfelsplateau, wird in dieser Woche die RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ mit den Juroren Dieter Bohlen und Xavier Naidoo gedreht. „Die Produktionsgesellschaft ist vor einem halben Jahr auf uns zugekommen“, sagt Drachenfels-Gastronom Hermann Nolden.

Nach einem aufwendigen Genehmigungsverfahren bei den Naturschutzbehörden wurde man handelseinig. Am Montag wurde alles aufgebaut, in der Nacht von Freitag auf Samstag verschwindet das gesamte Equipment wieder.

„Die Produktion findet im Glaskubus statt. Da spielt uns das Wetter natürlich in die Karten, weil Terrasse und Kiosk für die normalen Besucher geöffnet bleiben“, so Nolden. Auch er erwartet einen gewaltigen Werbeeffekt für den Berg. „Von den drei bis vier Millionen Zuschauern, die die Sendung gucken, kennen viele sicher den grandiosen Ausblick vom Plateau als Hintergrundkulisse noch nicht.“

Die Produktionsgesellschaften von DSDS und „Germany's Next Topmodel“ fragen laut Odenthal auch regelmäßig bei Schloss Drachenburg an. „Es gibt so ein paar Dinge, die nicht zum Schloss passen“, sagt der Geschäftsführer. Die beiden Formate zählt er dazu.