Bellevue-Hotel in Rhöndorf

Die Rheinterrassen werden abgerissen

<b>Der Abriss</b> hat begonnen: Die Rheinterrassen des ehemaligen Hotels Bellevue stehen nicht mehr. Somit gibt es nun für die Rhöndorfer wieder einen freien Blick auf den Rhein. Das Hotel selbst wird in Eigentumswohnungen umgewandelt.

<b>Der Abriss</b> hat begonnen: Die Rheinterrassen des ehemaligen Hotels Bellevue stehen nicht mehr. Somit gibt es nun für die Rhöndorfer wieder einen freien Blick auf den Rhein. Das Hotel selbst wird in Eigentumswohnungen umgewandelt.

RHÖNDORF. Na gut, es waren keine echten Könige, die im Hotel "Bellevue" mit seinen Rheinterrassen gekrönt wurden. Aber so mancher Rhöndorfer Schützenkönig wurde dort beim Ball gefeiert. Und ohnehin: Hier war jeder Gast König. Das Haus direkt am Rheinufer erfreute sich großer Beliebtheit. Jetzt nagt dort der Abrissbagger, wo sich früher die Gäste exzellente Speisen munden oder den Nachmittagskaffee und -kuchen unter den Bäumen der Terrasse schmecken ließen.

Eine Idylle, die schon die Sommerfrischler ausgangs des 19. Jahrhunderts zu schätzen wussten und wo nun exklusive Wohnungen "für Menschen, die das Außergewöhnliche suchen", entstehen sollen. Carl Eikerling betrieb das Hotel damals. Alte Fotos zeigen zwei Häuser mit je drei Etagen, zwischen denen ein Gang ans Ufer führte. Direkt davor, an der Kribbe, legten die Lokalboote an. Die Schiffer Heinrich Reinarz und Heinrich Pütz gründeten vor 100 Jahren mit ihrem Boot "Lohengrin" die Lokalfahrt von Mehlem über Königswinter nach Rhöndorf, die recht bald nach Rolandseck erweitert wurde.

"Einziges Hotel in paradiesischer Lage, direkt am Rhein gelegen. Zentralheizung, fließend Kalt- und Warmwasser auf allen Zimmern, täglich Konzerte, große Parkplätze", wirbt der Text einer Ansichtskarte aus den fünfziger Jahren. Damals waren längst die Müllegans Eigentümer. Jakob Müllegan hatte in den 20er Jahren, nach den Hoteliers Ignatz Eikerling und Oskar Hirse, das traditionsreiche Hotel erworben.

In den letzten Kriegsstunden wurde das "Bellevue" beschädigt. Jakob Müllegans Sohn Hans und dessen Ehefrau Eugenie machten sich an die Reparatur. In verschiedenen Etappen erfolgten über die Jahre Um- und Anbau. Bald stieg auch Sohn Hans-Jakob Müllegan mit ein.

Unter seiner Regie wurde 1985 das Stammhaus völlig "umgekrempelt" und mit rund 80 Komfortzimmern ausgestattet; drei Jahre später ließ er einen neuen Trakt errichten mit zehn Luxussuiten und dem Clou des "Bellevue": einer 180 Quadratmeter großen Suite, auf königliche Gäste zugeschnitten und mit Terrassenblick auf Rheinstrom und Drachenfels.

Dieser Hotelabschnitt verfügte über eine besondere Sicherheitszone für hochkarätige Gäste mit eigener Empfangshalle, Lift, Konferenzräumen, geschützt durch Panzerglas und kontrolliert durch Monitore sowie eigener Garage für jede Suite. Die Toiletten hatten sogar Telefon. Hinzu kam das neue Restaurant "Belvedère". Damit zählte Müllegan sein "Bellevue" zu den feinsten Häusern am Rhein.

Als 1989 der neue Teil gerade fertig war, schaute bei einer Konferenz Altbundeskanzler Willy Brandt dem Küchenchef in die Töpfe. Der stellvertretende Sowjet-Außenminister wohnte hier. Der Kader der tschechischen Fußballnationalmannschaft logierte während der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft 1990 in Müllegans Hotel. Schlagerstars wie Toni Marshall, Frank Zander, Peter Beil, Heino, Jürgen Drews oder Dunja Raiter und Schauspieler wie beispielsweise Paul Hubschmid, Heidi Mahler, Jürgen Poch und Johanna von Koczian weilten hier und ließen sich lukullisch verwöhnen.

In den sechziger Jahren gastierte Chris Howland mit einer Show im "Bellevue", und Hans Müllegan, der Vizebürgermeister von Bad Honnef war, machte tags darauf mit dem Fernsehstar auf seiner Yacht einen Rheinausflug.

Die Müllegans waren auch stets für einen Gag gut. Als die amerikanische Freiheitsstatue 100 wurde, begrüßte Hans-Jakob Müllegan mit einer eingeflogenen, originalgetreuen Nachbildung der "Lady Liberty" über dem Entree eine Reisegruppe aus den Staaten. Scharf geschossen wurde auch. Ein Killer zielte von den Rheinterrassen aus auf die russische Botschaft am gegenüberliegenden Rheinufer. Allerdings war das eine Szene für einen Film mit dem belgischen Schauspieler Guido de Belder.

Still wurde es in den letzten Jahren. Die Rheinterrassen gammelten vor sich hin. Ein Hinweisschild auf Renovierung baumelte am Fenster. Von Verkaufsabsichten wurde gemunkelt. Hans-Jakob Müllegan wollte sich nicht dazu äußern, bevor nicht alles in trockenen Tüchern ist. Von seinem Großvater hatte er gelernt: "Weder über Geld, noch Politik oder Religion darf im Hotel Bellevue gesprochen werden." Als er seinen letzten Umbau fertiggestellt hatte, antwortete er auf die Frage nach den Kosten lachend: "Daran werde ich mich auch strikt halten."